Genetisch intakte Eizellen: Richtig stimulieren statt sortieren


Warum sind die Schwangerschaftsraten bei der künstlichen Befruchtung eigentlich so schlecht? Selbst unter optimalen Voraussetzungen sind die Schwangerschaftsraten himmelweit von den optimalen 100% entfernt. Neben vielen Ursachen, die wir nicht kennen, werden genetische Fehler in den Eizellen dafür verantwortlich gemacht. Und konsequenterweise wird daher versucht, die genetisch auffälligen Eizellen auszusortieren, gemäß dem Motto „die schlechten ins Kröpfchen und die guten für den Transfer“.

Die zum Sortieren verwendeten Methoden:

Bedauerlicherweise sind die Erfolge dieser Methoden limitiert und die Schwangerschaftsraten dadurch nicht zwingend besser, selbst wenn man die Eizellen oder Embryonen direkt genetisch untersucht wie bei der PID oder der PKD.

Bessere Hormonbehandlung – mehr Erfolg?

Nun stellt sich die Frage, ob nicht durch die richtige Stimulation der Eierstöcke auch eine genetische Verbesserung der Eizellqualität erreicht werden kann? Das Problem also bei der Wurzel gepackt werden kann, nämlich bei der Entstehung der Eizellen?

Und auch gerade im Hinblick auf die Risiken einer Hormonbehandlung, wie sie in England gerade aufgrund aktueller Statistiken diskutiert wurde. Dies nahm nun auch die Zeitschrift „The Guardian“ zum Anlass, auf eine Studie aus dem letzten Jahr hinzuweisen, aus der hervorgeht, dass eine milde Stimulation erfolgreicher und nebenwirkungsärmer sein kann:

Niederländische Wissenschaftler führten zur Klärung der Wirksamkeit von gering dosierten Hormonbehandlungen eine Studie durch. Eine Gruppe von Frauen unter 38 Jahren (67 Patientinnen) erhielt dazu eine mild dosierte Stimulation unter Verwendung des Antagonisten-Protokolls. Dessen Vorteil ist, so die Autoren, dass die Entwicklung von sich später entwickelnden Follikeln nicht unterbrochen wird wie beim langen Protokoll und niedrigere Hormondosierungen möglich sind. Eine weitere Gruppe von 44 Patientinnen erhielt eine Hormonbehandlung mit dem langen Protokoll.

In beiden Gruppen wurden die sich nach der IVF entwickelnden Embryonen genetisch untersucht. Zwei von acht Zellen (Blastomere) wurden auf zahlenmäßige Veränderungen bei 10 Chromosomen hin untersucht.

Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, da die Ergebnisse bereits vor Erreichen der geplanten Patientenzahl signifikante Vorteile für die milde Stimulation zeigten. Verglichen mit dem langen Protokoll bildeten sich signifikant weniger Eizellen mit dem mild dosierten Regime, jedoch fanden sich auch wesentlich weniger Eizellen mit einem fehlerhaften Chromosomensatz. Im Mittel war die Anzahl von genetisch normalen Embryonen in beiden Gruppen gleich (1,8), bei Anwendung des Antagonisten-Protokolls jedoch mit wesentlich weniger Aufwand und Risiko für die Patientin.

Es scheint also so zu sein, dass man bereits im Vorfeld viel dafür tun kann, dass die Eizellqualität gut ist und genetische Auffälligkeiten seltener sind, indem man eine optimale hormonelle Stimulation durchführt.

Vermutlich sollte man auch darüber nachdenken, ob man vor PKD, PID und Blastozystentransfer bewusst höher dosiert stimuliert, um später eine größere Auswahl zu haben. Möglicherweise hat man dann zwar mehr Eizellen, aber nicht zwingend eine größere Auswahl.

Darüber hinaus gibt es auch Hinweise darauf, dass hohe Östrogenwerte mit einer schlechteren Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einhergehen.

Baart EB, Martini E, Eijkemans MJ, Van Opstal D, Beckers NG, Verhoeff A, Macklon NS, Fauser BC
Milder ovarian stimulation for in-vitro fertilization reduces aneuploidy in the human preimplantation embryo: a randomized controlled trial
Hum Reprod. 2007 Apr;22(4):980-8


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Kommentar

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9 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Eckhoff schreibt

    Seltsam, das immer bei der Frau nach möglichen Ursachen des Fehlschlagens gesucht wird. Da gehören doch zwei zu?
    Mann und Frau!
    Gerade wegen der natürlichen Auslese von Spermien bei der "normalen" Befruchtung sollte man doch den Aspekt der fehlerhaften Spermien nicht aus den Augen verlieren. Bei Spermiogrammen die eine hohe Rate an Kopfdefekten aufweisen vermuten die Andrologen doch auch erhöhte Raten bei den genetischen Fehlern. Gerade soetwas wird doch routinemäßig beim Urologen nicht untersucht, so dass Paare, die eine ICSI empfohlen bekommen in diesen Versuchen schon zum Scheitern verurteilt werden, wenn sie es auf künstlichem Wege versuchen und diese gehen ja auch in die Statistik mit ein.

    VlG
    Andrea

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Die Rate an genetischen fehlern liegt bei den Spermien bei ca. 4% durchschnittlich, während es bei der 30jährigen Frau fast 50% der Eizellen sind, die genetische Besonderheiten aufweisen können.

    Mal abgesehen davon, dass die Problematik bei den Eizellen offenbar zum Teil beeinflussbar ist und bei den Spermien nicht.

    Daher verstehe ich den Punkt Ihrer Anmerkung jetzt nicht.

  3. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Ich bin kein Arzt und mit diese Studien die ich hier lese habe ich immer mehr Probleme zu verstehen.
    Ich denke "genetisch" ist da nicht das richitige Wort.
    Man sagt ja das keine neue Eizellen produziert werden, sondern sie existieren beim Geburt schon im Projekt. Aber die werden schlechter mit dem Alter.
    Genetisch bedeutet auch das etwas durch Genen bedingt ist. Folglich müßten genetische Sachen durch die "heilung" der verantwortlichen Gene erledigt werden.
    Bis jetzt kann man genetische Krankheiten nicht heilen.
    Wie ist es dann plötzlich dass man die Eizellen durch Hormone heilen kann? Dringen diese zur Gene und beinflußen sie?

    Und noch: man sagt aber auch dass ältere Frauen schlechtere Eizellen haben, weil ich weiß nicht was passiert mit denen.
    Ist das ganze also wegen Genen, oder wegen der Eierstöcke? (und dann helfen, natürlich, die Hormone).
    Und chromosomiale Störungen in den Eizellen führen auch zu Krankheiten (Down, Trisomie usw.) darum sind diese Untersuchungen noch mehr wichtiger.

  4. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hmm…grundsätzlich mögen die ergebnisse der studie ja stimmen.

    sieht man es allerdings vor dem hintergrund der kosten, dann dürften vielleicht doch einige paare mit nicht so dickem budget geneigt sein dann im zweifelsfall doch eher auf "masse statt klasse" zu setzten…auch im anbetracht von teilfinanzierung und kryoausbeute 🙁

    ich habe noch nie ein antagonistenprotokoll gemacht, sondern immer nur lange oder kurze mit stetig steigender stimulationsdosis.
    das wollte ich immer schonmal fragen: ist diese stetig steigende menge an FSH altersbedingt oder ein individuelles ding…oder gibt es das wirklich eine art gewöhnungseffekt bei der stimu?
    und noch eine frage: 35+ frauen mit mehreren antagonisten protokollen – kann man da einen ähnlichen effekt auch beobachten..?

  5. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Was der Herr da oben schreibt ist auch nicht schlecht.
    Ich las vor kurzem ein (Deutsches) Buch bei einer Freundin die hier Medizin studiert hat, über Fruchtbarkeit bei Frauen und Männer usw..
    Es stand dort dass viele Fruchtbarkeitsstörungen bei Männer auch genetisch bedingt sind und man sollte auch bei Männer chromosomiale Untersuchungen führen.
    4% ist zu wenig denke ich, es muß viel mehr sein. Wenn man denkt wie viele Männer OAT haben, wo ausser die Zahl und Beweglichkeit auch die Form der Spermien nicht stimmt, dann muß es viel mehr sein.
    Die Zahl und vielleicht auh die Beweglichkeit der Spermis könnten organische Ursachen haben, aber die Form und andere Parameter bei der SG können auf genetische Ursachen deuten, denke ich.
    Es wird aber auch nicht untersucht.
    Man könnte damit auch heraus finden woher das Problem kommt. Wenn es chromosomial bedingt ist, dann kann man eben nichts tun und es kann auch sein dass die Embryos bzw.Kinder krank werden, falls sie überhaupt entstehen.
    Und wenn nicht genetisch, dann kann man die organische Sachen behandeln. Man weiß einfach mehr. Vitamine oder Hormone helfen ja nicht wenn die Gene krank ist.
    Und wenn man weiß dass die Spermie innerlich schlecht ist, dann kann man auch der Frau eine Quälerei mit ICSI ersparen, die vorprogamiert erfolglos sein wird.
    Es wird zu wenig bei Männer untersucht.

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @reaba: Einen Gewöhnungseffekt von einer Abschwächung der Reaktionsfähigkeit der Eierstöcke zu trennen ist schwer bis unmöglich. Dass die Reaktionsfähigkeit nachlässt ist auch kein allgemeines Phänomen sondern nur ein relativ häufiges.

    Ich träume ja auch immer noch von anderen Kostenerstattungsverfahren, die Eizellzahl und Zahl der transferierten Embryonen berücksichtigt. Abe das mit den Kosten ist kein besonders gutes Argument, denn die Kosten für die Hormone sind bei einer milden Stimulation sehr viel geringer und die Schwangerschaftsraten leiden nicht darunter.

  7. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @Ich: 4% ist extrem hoch gegriffen. Fakt ist: Dazu gibt es gute Studien, die zeigen, dass selbst bei ICSI-Männern meist weniger als 1-2% der Spermien genetisch auffällig sind. Und > 95% aller aneuploiden Embryonen maternal bedingt sind.

  8. Elmar Breitbach
    Caoxi schreibt

    PN-Scoring wird in weniger KWZ in Deutschland verwendet. Dann habe ich auch von Polskope erfahren.

    Manche KWZ in DE empfehlen aber Patienten die Polkörperdiagnostik absichtlich gar nicht.

    Nach meinem Missed Abortion (1. Kryo-ET/ICSI) vor 2 Wochen war es mir klar, SS zu werden ist eigentlich nur der erste Schritt.
    Ich bin jetzt auf der Suche nach Möglichkeit, wie Fehlgeburt sich vermeiden lässt. Wir haben noch 9 eingefrorene Embryoen im Vorkernstudium und ich werde bald 39 Jahre alt.

    PID in DE ist verboten. Dann nur Blastozystentransfer, Polskope und PN-Scoring, wobei nicht jedes KWZ alle mitmachen möchte. Kann das Fehlgeburtsrisiko durch die o.g. Methoden gesenkt wird ?

  9. […] zufolge hohe Dosierung zu mehr genetische Auffälligkeiten bei den Eizellen führen [siehe auch hier] und die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut vermindern könne [siehe auch […]