Gefahr durch Hormone ohne Ultraschallüberwachung


Aktuell bangt mal wieder eine Nation um das Überleben von Mehrlingen. In England sind Sechslinge in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen und eines der Kinder hat diese frühe Geburt bereits nicht überlebt.

Die Daily mail berichtet, dass diese Schwangerschaft durch eine Hormonbehandlung entstanden sei und nicht durch eine künstliche Befruchtung. Bei den meisten hochgradigen Mehrlingsschwangerschaften ist dies der Fall, denn nicht die IVF, sondern eine unkontrollierte hormonelle Stimulation der Eierstöcke ist die häufigste Ursache für solche Schwangerschaften.

Hierbei steht wiederum Behandlung mit Clomifen im Vordergrund, da sie die am häufigsten verordnete und am einfachsten anwendbare (keine Spritzen) Methode ist, um einen Eisprung herbeizuführen oder diesen hormonell zu verbessern. Bedauerlicherweise wird das Clomifen dabei oft „blind“ verordnet, also ohne eine ausreichende Überwachung der Eierstöcke mit Ultraschall. Damit jedoch ließe sich eine überschießende Reaktion auf das Medikament rechtzeitig erkennen und die Behandlung zur Vermeidung von Mehrlingen auch abbrechen, wenn mehrere Follikel heranreifen.

tabletten1Passend dazu fand ich heute einen Artikel aus dem „Journal of Obstetrics and Gynecology“, welches sich mit diesen Gefahren beschäftigt. Auch hier wird einleitend darauf hingewiesen, dass weniger die IVF als vielmehr die simplen Hormonbehandlungen die meisten Risiken für Mehrlingen nach sich ziehen.

Die Autoren der Studien untersuchten retrospektiv bei ihren mit Clomifen behandelten Patienten aus den Jahren 2002-2003, wieviele Eibläschen sich entwickelten (Natürlich unter Ultraschallüberwachung).

Es wurden 425 Behandlungszyklen bei 182 Patientinnen ausgewertet. in 58 Zyklen fanden sich dabei 3 oder mehr Follikel, die durch die Medikamente heranreiften. Dabei war die Dosis nicht hoch gewählt. In 52 Behandlungszyklen wurden lediglich eine Tablette und in weiteren sechs sogar nur eine halbe Tablette über den üblichen 5-tägigen Behandlungszeitraum gegeben. Trotzdem entwickelten sich bis zu 5 Eibläschen mit dem damit einhergehenden Mehrlingsrisiko.

Nun kann man natürlich nicht die Zahl der Eizellen mit der später entstehenden Zahl der Kinder gleichsetzen, denn auch bei 5 Follikeln können Einlingsschwangerschaften entstehen. Jedoch bestand in dieser Studie bei weit mehr als 10% der Behandlungszyklen eine Gefahr für höhergradige Mehrlinge. Man kann aus diesen Ergebnissen (die die eigenen Erfahrungen bestätigen) nur das Plädoyer für eine sonographische Überwachung auch der einfachen Clomifenbehandlung ableiten. Und an den Bundesausschuß, der die Kostenfragen klärt, die Bitte richten, dass diese Ultraschalluntersuchungen bei Kinderwunsch-Patientinnen auch durch den „normalen“ Frauenarzt abrechenbar sind. Was aktuell leider nicht der Fall ist.

Coughlan C, Fitzgerald J, Milne P, Wingfield M
Is it safe to prescribe clomiphene citrate without ultrasound monitoring facilities?
J Obstet Gynaecol. 2010 May;30(4):393-6.


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Kommentar

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11 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Tianchen schreibt

    Hallo,

    zu der Kostenübernahme der Ultraschalluntersuchungen hätte ich eine Frage. Da ich PCO habe und bisher mit Puregon hormonell stimuliert wurde, sehe ich auch die Notwendigkeit der Ultraschalluntersuchungen. Sie schreiben, dass es über den Frauenarzt nicht abrechenbar ist. Wie sieht das bei KiWu-Kliniken aus? Übernimmt die Kasse diese Ultraschalluntersuchungen im Fall einer hormonellen Stimulation? Danke.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ja, aber hier besteht eine Budget-Obergrenze. Mit anderen Worten: Ab einer gewissen Patientenzahl behandelt auch eine Kinderwunschklinik alle Patientinnen, die nur mit Hormonen therapiert werden, praktisch umsonst.

  3. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    wird der US denn bei myomen, zysten, zystenverdacht, endo und zur eisprungkontrolle bezahlt?

    Ich bekam eigentlich IMMER US – auch schon vor der kiwubehandlung. musste niemals was zahlen. kein arzt hat je was verweigert… hm…

  4. Elmar Breitbach
    Tianchen schreibt

    @E. Breitbach: Danke. Ich fragte nämlich, weil man mir in meiner KiWu-Klinik seit diesem Jahr erzählt, dass die Kasse nur noch einen Ultraschall pro Quartal bezahlt. Laut Krankenkasse und kassenärztlicher Vereinigung muss ich aber nichts bezahlen, wenn es sich "nur" um eine Hormonbehandlung handelt.

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ greta: In der Tat machen viele Ärzte diese Ultraschalle unentgeltlich, manche verweigern dies jedoch mit dem Hinweis, dass nur eine Sonographie pro Quartal bezahlt wird. Und bei Kinderwunschzentren ist die Zahl der Ultrachalle, die bezahlt wird, gedeckelt.

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Auwei, da wird ja mal wieder voll an der falschen Stelle gespart. So geht Mehrlingsproduktion auch ganz ohne Embryonen"schutz"gesetz.

  7. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Ach, das war mir gar nicht bewusst, dass es hier Einschränkungen in der Erstattungsfähigkeit gibt. Na, dann finde ich es umso beachtlicher, wenn manche Kollegen den Ultraschall für lau machen, um der ethischen Verantwortung gerecht zu werden. Da kann ich auch nur unterstreichen, dass dies immer und immer wieder beim Bundesausschuss thematisiert werden muss – wie vieles andere… 🙁

  8. Elmar Breitbach
    Michi 15 schreibt

    Auch bei mir wurde mit Clomi unentgeldlich von meinem Fa kontrolliert. Sogar öfter. Der hat da sehr viel Wert drauf gelegt. Den einen Zyklus war ich sogar 3 Mal dort, weil man nicht absehen konnte wieviele Follis sich entwickeln.

  9. Elmar Breitbach
    racker schreibt

    Hat sich bezüglich der Kostenerstattung der Sono bei Clomifengabe beim "normalen" Frauenarzt eigentlich etwas getan? Ich habe heute einige Telefonate mit Arzt, KK und KV deshalb geführt.
    Arzt sagt, wird nicht erstattet, KK sagt sie wissen es nicht. Die KV sagt, Sono ist wichtig und wird auf alle Fälle erstattet. Und ich steh jetzt da und frag mich, was stimmt nun.

  10. Elmar Breitbach
    Conny schreibt

    Was gibt es denn bei PCO für eine Alternative, wenn sich unter Clomifen (niedrigste Dosis 25mg jeden zweiten Tag, also insges. 3×25) immer 3 Follikel entwickeln und man eine Drillingsschwangerschaft unbedingt vermeiden möchte?
    Ohne der Zyklus aber zu lang ist?
    Viele Grüße

  11. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Man kann es mit Metformin probieren. Man kann auch Spritzen mit FSH probieren, die wesentlich besser dosierbar und steuerbar sind als Clomifen. Mehr dazu finden Sie auch auf unseren Theorie-Seiten.