Progesteron schützt nicht vor Fehlgeburten


Unerfüllter Kinderwunsch ist nicht immer auf das Ausbleiben einer Schwangerschaft zurückzuführen, sondern vielen Paaren wird die Elternschaft durch wiederholte Fehlgeburten verwehrt. Natürlich wird man in solchen Fällen versuchen, mögliche Ursachen zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Oft findet sich jedoch kein erkennbarer Grund für die Fehlgeburten. In solchen Fällen versucht man jedoch, die Schwangerschaft durch zusätzliche Gaben von Progesteron (Gelbkörperhormon) zu unterstützen.

Da das Progesteron bereits seit vielen Jahrzehnten auch als Medikament zur Verfügung steht, gibt es eine Vielzahl an Studien, die untersuchten, ob eine Schwangerschaft von der Unterstützung durch Gelbkörperhormone profitieren kann. Zumindest für die Frauen mit mehreren Fehlgeburten in der Vorgeschichte gab es Hinweise auf eine unterstützende Wirkung. Inwieweit eine solche Unterstützung bei einer künstlichen Befruchtung sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt, hier geht es nur um den Effekt bei spontan entstandenen Schwangerschaften vor dem Hintergrund mehrerer Aborte in der Vorgeschichte.

Belastbare Daten existieren bisher also nicht, weshalb diese nun in den Jahren 2010 bis 2013 in der „Progesterone in Recurrent Miscarriages“ oder PROMISE-Studie gewonnen werden sollten. Mehr als 1.500 Frauen mit wiederholten Fehlgeburten nahmen dazu an 45 Kliniken in Großbritannien und den Niederlanden insgesamt 1.568 Frauen teil. Alle diese Frauen erfüllten also die Voraussetzungen, mit der man „habituelle Aborte“ definiert.

gelbkoerper
Der Gelbkörper heißt so, weil er tatsächlich gelb ist. Er entsteht nach dem Eisprung aus dem Follikel und produziert das Progesteron

Plazebokontrollierte Studie

Die Probandinnen erhielten entweder direkt nach Feststellung der Schwangerschaft 400 mg Progesteron intravaginal oder ein Plazebo (Kontrollgruppe). Diese Dosis ist so hoch gewählt worden, um sicher eine Unterdosierung zu vermeiden. In der Wirkstoffgruppe erhielten 398 Frauen Progesteron während der Schwangerschaft. 262 davon gebaren ein Kind nach Beendigung der 24. Schwangerschaftswoche, also zu einem Zeitpunkt, zu dem von einer Lebensfähigkeit der Kinder ausgegangen werden kann. Fast 66% der Schwangerschaften konnten also ausgetragen werden. Ohne Progesteron (also in der Plazebogruppe) wurden 63,3% lebensfähige Kinder geboren (271 von 428).

Wie immer bei solchen Studien wird der statistische Laie einen (wenn auch geringen) Unterschied zugunsten des Progesterons erkennen. Jedoch muss bei solchen kontrollierten Studien immer die Frage gestellt werden, ob diese Unterschiede eher Zufall sind oder vielmehr Folge der Behandlung (also signifikant). Die statistische Analyse der Daten zeigte, dass der Unterschied zwischen den beiden Gruppen zu gering war, um einen Effekt des Progesterons auf den Verlauf der Schwangerschaft annehmen zu dürfen.

Gibt es auch positive Erkenntnisse?

Zusammenfassend gibt es auch positive Aussagen dieser Studie: Die Fehlbildungsrate der Kinder war nach Progesterongabe nicht erhöht und auch diese hohe Dosis wurde von den Frauen gut vertragen. Mit anderen Worten: Wer es dennoch einnehmen oder verschreiben möchte, hat zwar keine Vorteile zu erwarten, aber auch keine Nachteile.

A Randomized Trial of Progesterone in Women with Recurrent Miscarriages.
Coomarasamy A, Williams H, Truchanowicz E, Seed PT, Small R, Quenby S, Gupta P, Dawood F, Koot YE, Bender Atik R, Bloemenkamp KW, Brady R, Briley AL, Cavallaro R, Cheong YC, Chu JJ, Eapen A, Ewies A, Hoek A, Kaaijk EM, Koks CA, Li TC, MacLean M, Mol BW, Moore J, Ross JA, Sharpe L, Stewart J, Vaithilingam N, Farquharson RG, Kilby MD, Khalaf Y, Goddijn M, Regan L, Rai R.
N Engl J Med. 2015 Nov 26;373(22):2141-8. doi: 10.1056/NEJMoa1504927.

Foto von FromSandToGlass


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