Frauen mit Kind verkraften Fehlgeburten nicht besser


Das ist das Ergebnis einer Studie von Psychologen der Universitätsklinik Charité mit 232 Frauen, die eine Fehlgeburt hatten. Ein ganz entscheidender Faktor, der den Umgang mit einer Fehlgeburt prägt, scheint das Verhältnis zum Partner zu sein. Jedoch ist es ein Trugschluss, wenn man animmt, dass Frauen, die bereits Kinder haben, mit dem Schicksalsschlag einer Fehlgeburt besser umgehen können als solche ohne Kinder.

Bei vielen Frauen entwickeln sich unmittelbar nach der Fehlgeburt Anzeichen einer Depression. Meist bilden sich diese recht schnell zurück, jedoch bestehen auch ein Jahr nach dem Verlust der Schwangerschaft noch bei ca. 20% der Frauen klinische Zeichen einer Depression. Auch diese Zahl finde ich persönlich überraschend hoch.

Die Forscher machten drei Verarbeitungstypen aus:

  • Bei der depressiven Reaktion ziehen sich die Frauen zurück und streiten den Verlust ab oder verharmlosen ihn
  • Bei der ängstlich trauernden Reaktion grübeln die Frauen viel über das Ereignis und ihre Gründe nach
  • Bei der aktiv bewältigenden Reaktion gehen die Frauen davon aus, dass die Fehlgeburt ihre „guten“ Gründe hatte und der Embryo aufgrund eines genetischen Defekts ohnehin nicht lebensfähig gewesen sei.

Die Fehlgeburt wird allerdings oft auch als persönliches Scheitern erlebt und die Gründe bei sich selbst gesucht. In der unmittelbaren Trauerreaktion stehen Selbstwertprobleme, Schuldgefühle und der Neid auf andere Mütter im Vordergrund. Nachvollziehbar ist es daher auch, dass der Partner wie eingangs erwähnt ein sehr wichtiger Faktor bei der Bewältigung dieser akuten Phase ist.

Als Arzt liegt mir sehr viel daran, den Frauen klarzumachen, dass sie selbst nicht schuld an der Fehlgeburt sind, denn ich erlebe es auch immer wieder, dass die erste Reaktion die Suche nach Ursachen ist und diese meist im eigenen vermeintlichen Fehlverhalten gefunden werden.

Bergner, Annekathrin; Beyer, Reinhard; Klapp, Burghard F.; Rauchfuß, Martina:
Trauer, Bewältigung und subjektive Ursachenzuschreibungen nach Frühaborten: Adaptivität von Verarbeitungsmustern untersucht in einer Längsschnittstudie
PPmP Heft 02; Jahrgang 59: Februar 2009: S. 57


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Kommentar

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17 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Interessant wäre diese Untersuchung noch mal allein an Frauen mit einer längeren Phase ungewollter Kinderlosigkeit.

    Ich bin überzeugt davon, dass ich eine Fehlgeburt mit der Option, bald wieder schwanger zu sein besser weg gesteckt hätte als eine Fehlgeburt mit dem Wissen, da 20.000 Euro oder wie viel auch immer rein gesteckt zu haben – und nun doch wieder alles umsonst.

    Ebenso kann ich mir vorstellen, dass gerade solche Frauen, die lange für ihre zweites Kind kämpfen mussten, nach der Fehlgeburt Halt bei ihrem ersten Kind suchen.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich finde diese Studie hier eigentlich schon interessant genug 😉

    Mag sein, dass eine längere Phase der ungewollten Kinderlosigkeit etwas ändert. Andererseits könnte es der Studie zufolge so sein, dass auch hier der Unterschied geringer ist als gedacht, wenn man jetzt einmal von finanziellen Aspekten absieht.

  3. Elmar Breitbach
    Maggie1978 schreibt

    Bei mir war es auch so, dass ich mir lange Zeit die Schuld gegeben habe. Die ersten Monate war es mir überhaupt nicht möglich ein "normales" Leben zu führen. Habe auch recht lange mit meinem Schicksal gehadert. Ich denke eine Fehlgeburt ist ein Ereignis, dass eine Frau nicht so leicht verarbeitet. Letztes Jahr, als eine Freundin eine frühe Fehlgeburt hatte, habe ich mir ihr auch nochmal um mein verlorenes Kind getrauert. Und das obwohl es mittlerweile schon fast 8 Jahre her ist.

  4. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    und was sagen frauen mit habituellen aborten dazu?

    ich sag’s mal so: das erste mal steckt man es gut weg, trauert und sagt, dass da was nicht ok war, und es richtig so war.

    beim 2., 3. und folgenden mal leuchtet selbst optimistischer frau mit endo, MTHFR und Immu-problemen nicht mehr ein, WAS daran gut und richtig sein sollte…..

    ebenso ist es bei nicht-normal-reproduzierern mit großem vermögen sicher kein kinderspiel, trotz aller technik, hilfe und untersuchungen, wieder nur im OFF zu enden…

    aber gut, diese studien werden halt meist mit normal-reproduzierern gemacht, insofern nett zu wissen, aber nicht für kinderwünschis hilfreich…..

    grüße von greta

  5. Elmar Breitbach
    hatana schreibt

    Hallo,
    vielen Dank für das veröffentlichen der Studie. Endlich wurde erkannt, dass ein "es hat halt nicht sollen sein und du hast ja 1, 2 oder mehr gesunde Kinder" die Frauen nicht weiter bringt. Der Kummer um den Verlust eines Kindes ist bei allen gleich und kein vorhandenes oder später gezeugtes Kind kann die Lücke schließen.

  6. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    So wie auch Rebella sagt, der Unterschied bei Frauen die schon 1, 2 usw. Kinder haben und dann FG, ist dass sie eben nicht mit leeren Hände und Haus bleiben.
    Das ist für mich ein großes Unterschied.
    Der Schmerz der Verlust ist egal groß, aber ich denke die einen finden Trost beim existierenden Kind.
    Sehr schlimm ist es bei Frauen die viele FG erleiden, kein Kind bekommen und man weiß auch nicht woran es liegt. Das nenne ich Martyrium.

  7. Elmar Breitbach
    Doing schreibt

    Nun, ich gehöre dann zu dem Typ der "aktiven Bewältiger" – 3 FG innerhalb von 10 Monaten obwohl es bereits ein gesundes Kind gibt und vorher nie sowas passiert ist.

    Ja, ich glaube daran dass ich nochmal ein gesundes Kind austragen werde, nur wann, das ist die Frage und, wieviele FG ich bis dahin noch bewältigen muss.

    Es gelingt mir relativ gut, ja, ich kann auch sicher noch einige davon "wegstecken", weil ich es realistisch sehe. Auch wenn ich weine und es mich trifft und ich grüble, ja, aber ich glaube einfach an einen Sinn, der in Allem steckt, das hilft in jeder Lebenslage.

  8. Elmar Breitbach
    Bienchen123 schreibt

    Mir ging es wie in dem Bericht. Ich habe schon eine Tochter und natürlich bin ich froh, sie zu haben. Dennoch tröstet das nicht über den Verlust eines weiteren Kindes hinweg, egal wie lange es (in einem) gelebt hat. Es wird immer ein Teil von mir und meinem Leben sein. Denn jeder baut Wünsche und Träume auf, die mit einem Mal dann doch zerplatzen. Auch ich habe mich vorallem von Schwangeren zurückgezogen, war neidisch auf sie und habe nach Ursachen gesucht. Jeder verarbeitet diesen Schmerz anders und jeder leidet, egal ob schon ein Kind auf der Welt ist oder nicht… es tut einfach nur weh, eines zu verlieren und die Sätze "sei froh, du hast schon ein Kind" oder "das klappt auch wieder" helfen dabei nicht wirklich.

  9. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ich sehe "fehlgeburt" nicht als ein isoliertes thema, fällt für mich mit in den bereich "konzeptionsversagen" zumindest, wenn es bis zum 3-4 monat passiert.

    die gründe für "konzeptionsversagen" sind wirklich vielfältig und da stößt mir die kathegorisierung schon etwas sauer auf 🙁

    "Bei der ängstlich trauernden Reaktion grübeln die Frauen viel über das Ereignis und ihre Gründe nach"……..ja, nur um mal einen persönlichen einblick zu geben: hätte ich das nicht getan (und mir fähige ärzte gesucht, die mich dabei diagnostisch unterstützen ;-))..der zug mit dem kiwu wäre für mich ohne erfreuliches ergebnis abgefahren (und wir wären wahrscheinlich auch pleite).

    das empfinden über den schmerz ein kind verloren zu haben wird wohl jede frau, die die schwangerschaft gewünscht hat mit in etwa gleicher negativer intensität treffen.
    wie frau dann damit umgeht ist für mich persönlich aber irgendwie weniger wichtig, als herauszufinden, warum es dazu gekommen ist (und, nein: nicht nur genetisch defizitär angelegte embryonen gehen den bach runter..leider 🙁 )

    eine studie, die die individuellen bedingungen der frauen untersucht, vergleicht und dann eventuell sogar noch die analyse von abortmaterial einbezieht…das fände ich spannend in grossem stil und mit vielen probandinnen, auch wenn der anlass ja traurig ist, aber nur so hätte man ggfs eine chance die pathologischen mechanismen zu erkennen, zu erklären und vielleicht sogar zu verhindern.

    ..aber vielleicht bin ich da ja eine "untypische" frau 😀

  10. Elmar Breitbach
    Pumuckl schreibt

    Hat eigentlich schon mal jemand daran gedacht das man wenn man bereits ein Kind hat ständig daran erinnert wird, man denkt doch immer wie wäre es wenn da jetzt noch eines daneben läge.
    Es ist doch einfach so das da jemand gestorben ist und dieser jemand ist durch nichts und niemand zu ersetzen und das tut unendlich weh, egal wie die Begleitumstände sind, es ist doch nicht möglich so etwas zu vergleichen und anzunehmen bei mir ist es schlimmer weil….
    Wenn ein Bruder stirbt wird es doch auch nicht besser nur weil ich noch einen habe.
    Nichts für ungut waren jetzt eben meine ersten Gedanken!!
    Es ist doch einfach so das Frau + Mann sich gar nicht ernst genommen fühlen mit der Trauer nur weil schon Kinder da sind.

  11. Elmar Breitbach
    Ceci schreibt

    Wenn man schon ein Kind hat, dann bekommt ein verlorenes Kind noch eher ein Gesicht, weil man sie sich ähnlich wie die bereits existierenden Kinder vorstellt, das tut natürlich furchtbar weh. So hat es mir meine Cousine erklärt, die 2 Fehlgeburten hatte: Eine als sie noch kein Kind hatte und eine, als sie bereits zwei Kinder bekommen hatte.

    Ich für meinen Teil hatte bisher nur eine einzige Fehlgeburt, gleich als erstes. Da schwang danach halt immer die Angst mit, dass mein Körper womöglich kein Kind halten kann. Diese Angst muss man nicht mehr haben, wenn man schon Kinder erfolgreich ausgetragen hat.

    So denke ich einfach hat jede Frau große seelische Schmerzen, vielleicht unterschiedlicher Art aber nicht weniger schmerzhaft.

    Viele Grüße, Ceci

  12. Elmar Breitbach
    raise schreibt

    Die Ergebnisse zeigen jedenfalls, dass es für die Frau ein richtiger Mensch ist, den sie verloren hat, nicht nur ein "Fötus" (so eine Art potentiell werdendes Leben) oder wie man das nennt.

    Trotz der Tatsache, dass die allermeisten Frauen natürlich nicht schuld sind an der FG (das wird dann meist mit "genetisch bestimmt sowieso nicht ok gewesen" beschrieben) finde ich es wichtig, dass wir endlich mal beim Namen nennen, dass FGs auch tatsächlich oft unnötig passieren. Ich hätte beinahe eine gehabt, weil meine FÄ eine bakterielle Vaginose permanent verharmlost hat und sie nicht behandeln wollte. Wenn ich nicht gelesen hätte, dass aufsteigende Infektionen die häufigste Ursache für FGs nach der 12. Woche sind, hätte ich mir keine zweite Meinung geholt, was meinem Kind das Leben gerettet hat.

  13. Elmar Breitbach
    TiniS. schreibt

    Ich habe nach der Geburt meines jetzt achtjährigen Sohnes fünf weitere Kinder verloren. Bei den ersten beiden war es noch so, daß mein Sohn kaum etwas davon mitbekommen hat, aber daß er bei den letzten dreien gefragt hat, warum das Baby jetzt doch nicht kommt, und sehr traurig darüber war, hat mir noch zusätzlich wehgetan. Ich persönlich finde zwar schon, daß ein lebendes Kind gewissen Trost spenden kann allein durch seine Existenz, aber einfacher wirds damit auch nicht! Und die (wahrscheinlich gutgemeinten?) Aussagen von wegen "Sei doch froh, daß du ein Kind hast" sind in dem Augenblick auch einfach nur überflüssig und vermitteln einem in seiner Trauer auch noch das Gefühl, undankbar und egoistisch zu sein.

  14. Elmar Breitbach
    Jenja schreibt

    Mir erscheint die Konzentration auf die Schuldfrage nach diesem traurigen Ereignis nachvollziehbar, wenn auch nicht hilfreich. Da doch so viele Familien ein gesundes Kind bekommen – werden Fehlgeburten doch sehr kritisch beäugt. Aber das Leben geht komische Wege und ist nicht steuerbar. Es wäre schön, wenn dieses Bewusstsein wieder stärker in unserer Gesellschaft zugegen wäre.

  15. Elmar Breitbach
    Kex schreibt

    Also ich habe beides erlebt. FG nach 10 Jahren Kinderwunsch und später eine FG als ich endlich ein Kind hatte.

    Die erste FG habe ich lange nicht verarbeitet. Die zweite war total anders, weil ich nicht zusätzlich um den unerfüllten Kinderwunsch trauern musste.

    Also für mich ist es schon ein großer Trost, ein Kind zu haben, wenn auch beide anderen Kinder immer fehlen werden.

  16. Elmar Breitbach
    Felix schreibt

    ich finde das ist wieder eine Studie von der ich die Ergebnisse schon vorher kannte… na toll, jetzt hab ichs schwarz auf weiß

  17. Elmar Breitbach
    Eilein schreibt

    Grundsätzlich richtig. Denn der Druck und das Unverständnis der Aussenwelt, weil man ja schliesslich schon Kinder hat und den Druck den man sich selbst macht, weil man ja schliesslich Glück hatte, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Es wäre für alle Leichter drüfte man Trauern und würden andere es vermeiden das Geschehene in Kategorien einzuteilen.
    Das beste Heilmittel um eine FG zu bewältigen ist eine anschließend positiv verlaufene SS. So sehe ich das nach eigener Erfahrung. Kind 1 Zwilling weg, Kind 2 kein Problem kind 3 nach 3 FG und Kind 4 nach 7 FG. Wobei mir einiges erspart geblieben wäre, hätten die Ärzte gleich mal einen Grundcheck gemacht und nach der Gerinnung geschaut. Dass es mir jetzt wieder gut geht, hat mit meinem Kind dass ich noch bekommen habe zu tun und einer Ärztin die mich gegen alle Wiederstände so behandelt hat wie ich wollte und nicht wie die Kasse oder die Fachliteratur vorschrieb.

    Hier noch ein Dankeschön an all die mitfühlenden Mediziner, die auch mal unkonventionelle Wege gehen und auf die innere Stimme ihrer Patienten hören.