Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Fehlgeburten und Schilddrüse

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Den Einfluss der Schilddrüsenfunktion auf die Fruchtbarkeit ist bekannt und nicht zu unterschätzen. Eizellreifung, Embryonenqualität und Einnistung sind von ihr abhängig und wir hatten vor nicht allzu langer Zeit einen Artikel eingestellt, in dem ausführlich die Notwendigkeit der Schilddrüsendiagnostik und ggf. auch -therapie dargelegt wurde.

Aber nicht nur beim Schwangerwerden ist eine geregelte Funktion der Schilddrüse notwendig, sondern auch für einen ungestörten Verlauf der Schwangerschaft. Ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten wird vermutet, Grenzwerte der Schilddrüsenwerte oder des TSH-Wertes im Hinblick auf die Fehlgeburtsrate konnten bisher jedoch nicht erarbeitet werden.

Im sogenannten Screening lässt sich die regelrechte Funktion der Schilddrüse anhand des TSH-Werts recht gut einschätzen, wenngleich der Hinweis auf Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtungsweise berechtigt ist und hier ausführlich nachgelesen werden kann (siehe auch oben). Der Vorteil von Screening-Untersuchungen ist jedoch die einfache und schnelle Abklärung mit der man die allermeisten Patienten mit Erkrankungen herausfischen kann. Und dafür ist der TSH-Wert (der ansteigt, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend arbeitet) zunächst einmal ein geeigneter und oft verwendeter Parameter.

Risiko für schilddrüsenbedingte Fehlgeburt am TSH-Wert einschätzbar

Schilddrüsensonographie
Die Untersuchung der Schilddrüse beinhaltet üblicherweise mehr als nur eine Blutabnahme

Um den Zusammenhang zwischen einer guten Einstellung der Schilddrüse und dem Auftreten von Fehlgeburten einschätzen zu können, untersuchten britische Forscher die Krankengeschichte von fast 8.000 Frauen und den Verlauf mehr als 1.000 Schwangerschaften, die in diesen Beobachtungszeitraum eintraten. Alle Frauen erhielten wegen verschiedener Formen der Schilddrüsenunterfunktion in diesem Zeitraum das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin und dies bereits vor Eintritt der Schwangerschaft.

 

So richtig gut waren die TSH-Werte darunter jedoch nicht. In fast der Hälfte der Fälle lag der TSH-Spiegel über als 2,5mU/l. Erwartungsgemäß war dieser Anteil sogar höher (62%) , wenn die Frauen schwanger wurden. 7,4 % der Schwangeren hatten sogar TSH-Werte oberhalb 10,0 mU/l, also wirklich jenseits von gut und böse und das unter Therapie.

Wie war der Verlauf der Schwangerschaften in Abhängigkeit vom TSH-Wert? Bei Blutspiegeln von > 2,5mU/l stieg des Risiko an. Signifikant erhöht war es jedoch erst in der Gruppe der Frauen, deren Werte 4,5mU/l überschritten (verdoppelt) und ab Werten von 10,0mU/l war das Risiko für einen Abort sogar 4x so hoch.

Man kann aus den Ergebnissen zwei Schlüsse ziehen: Recht viele Frauen waren trotz der Einnahme von L-Thyroxin nicht gut eingestellt (TSH > 2,0 mU/l) und bei Werten > 4,5 mU/l waren die Chancen auf einen normalen Verlauif der Schwangerschaft deutlich niedriger.

Taylor PN1, Minassian C, Rehman A, Iqbal A, Shazli Draman M, Hamilton W, Dunlop D, Robinson A, Vaidya B, Lazarus JH, Thomas S, Dayan CM, Okosieme OE
TSH Levels and Risk of Miscarriage in Women on Long-Term Levothyroxine: A Community-Based Study.
J Clin Endocrinol Metab. 2014 Jul 24:jc20141954.


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Kommentar

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3 Kommentare
  1. gruenegurke schreibt

    Ich klink mich hier mal ein:

    – oftmals wird von den SD Spezialisten _keine_ vollstaendige Diagnostik betrieben. Man sollte zB auch vorher mal schauen, ob die Nebennierenrinde nicht richtig arbeitet, denn oftmals liegt schon da die Ursache (warum nehmen viele KiWuler denn Cortison und fuehlen sich damit sofort besser?) < Das steht sogar in der Packungsbeilage von L-Thyroxin!

    – Desweiteren MUSS in der SS eher auf die freien Werte geschaut werden (grad bei Hashi Frauen) denn der TSH reagiert schleppend auf die fehlenden Hormone und oftmals sind die freien Werte sowas vom im Keller, dass es schon gefaehrlich wird fuer das Kind. (Stichwort: Hypothyroxinämie) Grad die freien Werte sollten aus dem Grund am Besten im oberen Bereich liegen, was sehr viele, wenn nicht gar alle Aerzte einfach ignorieren und nur auf den spuppremierten TSH schauen!

    – Ausserdem wirkt sich auch ein guter Vitamin D Haushalt positiv auf die SD aus und sollte deshalb schon vor einer Behandlung kontrolliert werden.

    – Die Pille ist sehr oft Schuld am gesamten Hormonchaos und somit der SD Problematik. Grad nach Absetzen dieser sollte man nach einiger Zeit schauen, wie die SD reagiert.

    – Ein ganz wichter Aspekt ist, dass in der letzten Zeit die Aerzte ihre Normwerte aendern, damit sich die Patienten sicher fuehlen. Sprich ihre Werte liegen dann eher oben, obwohl das mit der alten Norm nicht der Fall waere. Hier fuehle ich mich als Patient verschaukelt!

  2. Elmar Breitbach schreibt

    De Tendenz ist eher gegenläufig. Noch vor einiger Zeit waren die Normwerte des TSH (und mit Verlaub: um den geht es hier)bis 4,5 mU/l. Inzwischen ist jedoch klar, dass nur weniger als 2,5 mit einer gesunden Schilddrüse vereinbar ist.

    Nicht nur die Pille, sondern auch eine Stimulation oder eine Schwangerschaft bringt den Schilddrüsenhormonhaushalt gerne mal (vorübergehend) durcheinander.

  3. Lavendel125 schreibt

    Anscheinend wissen viele Ärzte auch nicht, dass Progesteron fT3 und fT4 bindet, und somit quasi ein Mangel vorprogrammiert ist (wie ich selber durch 2 FG´s feststellen musste). Oder nehmen manche Ärzte das nicht so ernst, weil die meisten eh nur nach dem TSH gehen, und nicht nach den freien Werten.
    Ich bin wirklich entsetzt, dass diese so einfache Diagnostik von so vielen Ärzten abgelehnt oder als übertrieben beschrieben wird, oder dass die Patienten sich selber um die Abklärung der Werte kümmern müssen. Man sieht doch immer wieder, dass (vor allem bei MB, HT oder Patienten ohne Schilddrüse) eine wöchentliche Kontrolle während des Versuchs so wichtig ist!

    Sorry, der Frust kommt mir gerade wieder hoch…