Wiederholte Fehlgeburten: Hilft Heparin und ASS?

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Wiederholte Fehlgeburten (Habituelle Aborte) können durch Störungen der Blutgerinnung begünstigt werden. In solchen Fällen ist eine Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Substanzen wie Heparin und ASS (Aspirin 100®)zu empfehlen und können die zahl der Lebendgeburten deutlich verbessern.

Was ist aber zu tun, wenn die Diagnostik keinen Hinweis auf die Ursache der Fehlgeburten ergibt? Häufig wird in solchen Fällen auch zu einer gerinnungshemmenden Therapie geraten, auch wenn man damit letzlich „blind“ therapiert, ohne eine richtige Diagnose für die Behandlung zu haben.

In einer aktuell erschienenen Multicenter-Studie[1] wurde die Wirksamkeit für diese Art der Behandlung untersucht. In dieser Studie wurden 104 Patientinnen behandelt. Davon erhielten 54 Heparin (Enoxaparin, Clexane®), die anderen 50 ASS. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, dass eine Plazebo-Kontrolle fehlt. Was schade im Hinblick auf die Aussagefähigkeit der Studie ist, jedoch ist zu sagen, dass es in einem solchen Studien-Design schwierig ist, Patientinnen zu finden, wenn sie wissen, dass sie möglicherweise nur ein Plazebo bekommen und daher eine Fehlgeburt wahrscheinlicher sein könnte als in der Therapiegruppe.

Insgesamt war der Unterschied in beiden Gruppen nicht signifikant, beide Therapien führten zu einer verbesserten Rate an Lebendgeburten. Die Frauen, die noch kein lebendes Kind geboren hatten, konnten in 81% (ASS) und 94% (Heparin) der Fälle ihr Kind austragen. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber den Zahlen, die sonst üblicherweise ohne eine Therapie erreicht werden unter diesen Voraussetzungen (40-60%).

Die Schwangerschaftsverläufe waren in beiden Gruppen ähnlich, es traten jeweils 5 Frühgeburten aus unterschiedlichen Gründen auf. Auch andere Untersuchungen führtenin beiden gruppen zu ähnlichen Ergebnissen: Durchblutung des Mutterkuchens (Doppler), Geburtsgewicht und APGAR.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass bei ungeklärter Ursache für wiederholte Fehlgeburten die prophylaktische Gabe von Heparin und ASS hilfreich sein könnte.

Cochrane Database
In der Cochrane Database (eine Sammlung von Übersichtsstudien, die strengen wissenschaftlichen Kriterien genügen müssen) wurden im Jahre 2005 Studien mit der gleichen Fragestellung analysiert[2]. Einschränkend ist zu sagen, dass hier bereits zwei Fehlgeburten in der Vorgeschichte als „habituelle Aborte“ galten, während die übliche Definition drei Fehlgeburten voraussetzt. Diese Analyse ergab keine ausreichende Basis zur Anwendung gerinnungshemmender Massnahmen bei Fehlen einer entsprechenden Diagnose. hauptkritikpunkt war hier jedoch vor allem die jeweils fehlenden (unbehandelten) Kontrollpatientinnen.


[1] Dolitzky M, Inbal A, Segal Y, Weiss A, Brenner B, Carp H
A randomized study of thromboprophylaxis in women with unexplained consecutive recurrent miscarriages
Fertil Steril. 2006 Aug;86(2):362-6

Di Nisio M, Peters L, Middeldorp S
Anticoagulants for the treatment of recurrent pregnancy loss in women without antiphospholipid syndrome
Cochrane Database Syst Rev. 2005 Apr 18;(2):CD004734


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