Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Wie lange muss man nach Fehlgeburt warten mit einer Schwangerschaft?

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Nach Fehlgeburt warten? Nach Verlust einer Schwangerschaft wird oft geraten, mehrere Monate zu warten, bis man erneut versucht, schwanger zu werden. Offenbar ist das nur in Ausnahmefällen wirklich notwendig.
Foto von misterjingo

Übliche Empfehlung: Drei Monate nach Fehlgeburt warten

Bei unerfülltem Kinderwunsch ist der Eintritt einer Schwangerschaft leider nur der erste Schritt. Bedauerlicherweise enden bis zu einem Fünftel der Schwangerschaften vorzeitig mit einer Fehlgeburt. Neben der großen Enttäuschung und Trauer hat man in solchen Fällen auch damit zu kämpfen, dass weiterhin oft dazu geraten wird, mindestens drei Monate abzuwarten. Diese Empfehlung ist medizinisch nicht begründbar, sondern eher ein tradierter Ratschlag, der bereits über Generationen weitergereicht wurde. Und dies, obwohl es schon immer wieder Studien gab, deren Ergebnisse andere Schlüsse zuließen1)Wyss P, Biedermann K, Huch A.
Relevance of the miscarriage-new pregnancy interval.
J Perinat Med. 1994;22(3):235-41.
. Echte Belege dafür, die Geduld der Frauen so zu strapazieren, gibt es also offenbar nicht.

Führen kürzere Wartezeiten nach Fehlgeburt zu Problemen?

Die Empfehlung einer längeren Wartezeit nach einem Abort ist also nicht belegbar. Das bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss, dass die Wartezeit nach Fehlgeburt keinen Einfluss auf den Verlauf folgender Schwangerschaften hätte. Obgleich man sich dies natürlich wünschen würde, nicht zuletzt für die oft älteren Frauen mit Kinderwunsch oder auch jene, die schon lange ohne dauerhaften Erfolg probiert haben.

Eine aktuelle Studie untersuchte eben diese Frage: Haben Wartezeiten von unter 6 Monaten nach einer Fehlgeburt einen negativen Effekt für die Folgeschwangerschaft?2)Kangatharan C, Labram S, Bhattacharya S
Interpregnancy interval following miscarriage and adverse pregnancy outcomes: systematic review and meta-analysis.
Hum Reprod Update. 2016 Nov 17. [Epub ahead of print]

Die Autoren führten eine sogenannte Metanalyse bereits vorhandener Studien durch. Sie schlossen in die Analyse 10 Studien mit 977 972 Frauen ein. Verglichen wurde Schwangerschaften nach einer Wartezeit von  weniger als 6 oder mehr als 6 Monate hinsichtlich einer erneuten Fehl-, einer Früh-, Totgeburt, einer Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“) und eines Kindes mit vermindertem Geburtsgewicht (SGA).

Ergebnisse bei kürzere Wartezeit nach Fehlgeburt sogar besser

Bei einem Abstand von weniger als 6 Monate zur Fehlgeburt lagen das erneute Abortrisiko (RR 0,82; 95% CI 0, 78 –  0,86), die Frühgeburtlichkeit (RR 0,79; 95% CI 0,75 – 0,83) sogar signifikant niedriger. Die Risiken einer Totgeburt, eines SGA und einer Präeklampsie wurden von der Wartezeit nicht beeinflusst.

Was ist mit noch kürzeren Wartezeiten?

Es mag beruhigend sein, dass man nicht ein halbes Jahr lang nach Fehlgeburt warten muss, bis man wieder versucht, schwanger zu werden. Meist wird aber auch gar nicht zu einer so langen Pause geraten, sondern zu drei Monaten, ein Zeitraum, der nicht Gegenstand dieser Studie war. Aber auch dazu gibt es aktuelle Zahlen, wenngleich mit deutlich weniger Patienten (677)3)Wong LF, Schliep KC, Silver RM, Mumford SL, Perkins NJ, Ye A, Galai N, Wactawski-Wende J, Lynch AM, Townsend JM, Faraggi D, Schisterman EF
The effect of a very short interpregnancy interval and pregnancy outcomes following a previous pregnancy loss.
Am J Obstet Gynecol. 2015 Mar;212(3):375.e1-11. doi: 10.1016/j.ajog.2014.09.020. Epub 2014 Sep 20.
. Hier wurde nach Unterschieden in den Schangerschaftverläufen bei weniger oder mehr als drei Monaten nach Fehlgeburt gesucht und keine gefunden. Nach Fehlgeburt warten ist nicht notwendig, schlossen die Autoren aus ihren Daten.


Literatur   [ + ]

1. Wyss P, Biedermann K, Huch A.
Relevance of the miscarriage-new pregnancy interval.
J Perinat Med. 1994;22(3):235-41.
2. Kangatharan C, Labram S, Bhattacharya S
Interpregnancy interval following miscarriage and adverse pregnancy outcomes: systematic review and meta-analysis.
Hum Reprod Update. 2016 Nov 17. [Epub ahead of print]
3. Wong LF, Schliep KC, Silver RM, Mumford SL, Perkins NJ, Ye A, Galai N, Wactawski-Wende J, Lynch AM, Townsend JM, Faraggi D, Schisterman EF
The effect of a very short interpregnancy interval and pregnancy outcomes following a previous pregnancy loss.
Am J Obstet Gynecol. 2015 Mar;212(3):375.e1-11. doi: 10.1016/j.ajog.2014.09.020. Epub 2014 Sep 20.
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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Sonya schreibt

    Danke für diesen Artikel! Besonders für „Echte Belege dafür, die Geduld der Frauen so zu strapazieren, gibt es also offenbar nicht.“ Es ist leider immer noch so, dass die Frauen zum Warten ohne Grund verdonnert werden und es tut deren Psyche überhaupt nicht gut. Deren Psyche ist sowieso schon von der Fehlgeburt angeschlagen und dann noch diese unsinnige Pause. Wenn die Frau selbst pausieren möchte, um Fehlgeburt zu verarbeiten, dann ist gut, aber bitte nicht auf Anordnung. Jede verarbeitet anders. Die eine braucht Ruhe und Zeit und die andere muss handeln.