Transkriptionsfaktor Math6: Neue genetische Ursache für Fehlgeburten entdeckt

Ein einzelnes Gen kann Fehlgeburten auslösen

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Leider enden viele Schwangerschaften vorzeitig in einer Fehlgeburt. Ungefähr 10 bis 15 Prozent aller Feten sterben vorzeitig in der Gebärmutter ab. Es wurden inzwischen zahlreiche Ursachen gefunden, die den Eintritt eines solchen Aborts begünstigen. Nun wurde im Tierexperiment eine mögliche genetische Ursache auf mütterlicher Seite entdeckt. Mäusen, denen das Gen für den Transkriptionsfaktor Math6 fehlt, haben ein höheres Risiko für Fehlgeburten. Ursache ist die schlechtere Durchblutung des Mutterkuchens.

Veränderungen der Gebärmutter mit Septen, Polypen oder Myomen, immunologische Faktoren, Störungen der Blutgerinnung und hormonelle Probleme: Die Liste möglicher Ursachen für Fehlgeburten ist lang. Dennoch wird man davon ausgehen müssen, dass die Forschung hier noch in den Anfängen steckt und zahlreiche weitere Gründe noch unentdeckt blieben.

Knock-Out-Mäuse für Transkriptionsfaktor Math6

Im Tierexperiment mit Mäusen konnte man nun eine weitere Ursache für Fehlgeburten herausarbeiten: Den Transkriptionsfaktor Math6. Diese Beobachtung machten Medizinerinnen und Mediziner der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an eigens erzeugten sogenannten Knock-out-Mäusen. Diesen Mäusen fehlt das Gen für den Transkriptionsfaktor Math6. Durch weitere Untersuchungen hofft das Wissenschaftlerteam, auch Erkenntnisse über die Rolle des entsprechenden Gens bei wiederholten Fehlgeburten bei Menschen gewinnen zu können.

Knock-Out-Mäuse sind eine beliebte Methode, um die Auswirkung bestimmter Gene auf den Organismus zu erforschen. Bei diesen eigens dafür gezüchteten Tieren wird ein bestimmtes Gen – welches man untersuchen möchte – ausgeschaltet (ausgeknockt). In den Experimenten war es das Gen, welches für den Transkriptionsfaktor Math6 zuständig ist.

Weniger Blutgefäße im mütterlichen Teil der Plazenta

Zum ersten Mal ist es dem Forscherteam gelungen, die Expression von Math6 in der Plazenta von Mäusen zu verschiedenen Zeitpunkten der Trächtigkeit mengenmäßig zu messen und zu lokalisieren. Dabei zeigte sich, dass die Genaktivität zu Beginn der Trächtigkeit stark ist.

In der Math6-Knock-out-Maus ist insbesondere der mütterliche Teil der Plazenta fehlerhaft ausgeprägt. „Seine Form ist verändert, und es entwickeln sich weniger Blutgefäße“, beschreibt die Erstautorin Marion Böing, auf deren Dissertation die Arbeit beruht. Dadurch kommt es im Verlauf der Trächtigkeit zu Blutungen, und die Feten sterben ab. Durch Kreuzversuche mit normalen Mäusen konnte zudem herausgefunden werden, dass es die mütterlichen (und nicht die fetalen) Gene sind, die hier eine Rolle spielen.

„Die Math6-Expression beim Weibchen scheint unbedingt notwendig für die Erhaltung der Trächtigkeit und die Versorgung der Feten. Dass ein einziges Gen der Mutter eine derart große Bedeutung für die Plazentaentwicklung spielt, ist eine sehr seltene, aber wichtige Beobachtung“, so die Forscherin weiter.

Fehlgeburten bei Menschen besser verstehen

Die Arbeit bildet den Grundstein für weitere Untersuchungen der Plazenta. In Zukunft wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den zugrundeliegenden Mechanismus genauer analysieren, um Komplikationen während Schwangerschaften bei Menschen sowie sich wiederholende Fehlgeburten bei Frauen besser zu verstehen.

 


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