Erstmals in Deutschland: Schwangerschaft nach Implantierung von Eierstocksgewebe

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Wenn Eierstöcke keine Eizellen mehr produzieren, dann kann das verschiedene Gründe haben: Genetisch bedingt, vorzeitige Wechseljahre, Alter oder eine Chemotherapie/Bestrahlung aufgrund einer Krebsbehandlung.

Neben der Transplantation von ganzen Eierstöcken von einer Person auf eine andere (bisher nur bei Zwillingen, hier und hier beschrieben) gibt es die Möglichkeit, zuvor eingefrorenenes Gewebe eines Eierstocks in den Bauch zu implantieren. Diese Methode wird vor allem bei jungen Frauen angewendet, denen eine Zerstörung ihrer Eierstockfunktion durch Chemotherapien oder Bestrahlungen bei der Behandlung bösartiger Tumore droht.

Dazu wird eine Biopsie aus den Eierstöcken entnommen und eingefroren. Nach Abschluss der Krebsbehandlung kann man dieses Gewebe wieder auftauen und in den Bauch zurückbefördern, indem man es an die Stelle implantiert, an dem die Eierstöcke saßen. Nimmt das Ovar dann seine Hormonproduktion wieder auf, können Eisprünge eintreten und sogar Schwangerschaften auf normalem Weg, also ohne reproduktionsmedizinische Maßnahmen. Hier im Blog hatte ich erstmals im Jahre 2004 darüber berichtet. Mittlerweile gibt es sogar eine mehrfache Mutter nach diesem Verfahren.

FertiProtekt

Ein im Jahre 2006 in Deutschland etabliertes Projekt soll Frauen und Männern vor und nach einer Chemo- oder Strahlentherapie die Möglichkeit zu geben, sich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich ihrer Fruchtbarkeit beraten und ggf. auch Maßnahmen zum Schutz ihrer Fruchtbarkeit durchführen zu lassen. Trotz all dieser Bemühungen wurde bis Mitte letzten Jahres lediglich über 14 Kinder berichtet, die weltweit (!) mit diesen Techniken entstanden.

Nun auch Geburt nach Retransplantation in Deutschland

Weshalb ich das Ganze überhaupt noch einmal zusammenfasse: Nun wurde auch in Deutschland das erste Kind nach einer solchen Behandlung geboren.

Dabei zeigte sich der Vorteil des Netzwerks, welches FertiProtekt zugrunde liegt. „Das Gewebe ist in Dresden entnommen worden, wurde über Nacht in die Kryobank des Netzwerkes in Bonn transportiert und dort eingelagert, transplantiert wurde es in Erlangen und die Sectio hat zum Schluss in Dresden stattgefunden„.

Herzlichen Glückwunsch. Hier noch einmal der Link zum Bericht in der Ärztezeitung.


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    sind sie sicher, dass eierstock-gewebe beim zusamenschreiben ein dehnugs-s braucht wie puffsmutter?

    ansonsten freut mich natürlich jeder fortschritt bei der methode und ich gratuliere recht herzlich zum erfolg!

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Greta: Da bin ich überfragt. Mit Puffsmüttern kenne ich mich nicht so aus. Noch nicht mal Puffsottern.

  3. Elmar Breitbach
    grünhorn schreibt

    Verstehe ich das richtig, dass die Ovarien dann später ersetzt sind durch das Gewebe, das zuvor entnommen wurde (weil Sie ja schreiben, es wird an die Stelle implantiert, wo vorher die Eierstöcke saßen)? Und dieses Gewebefitzelchen kann dann die komplette Eierstockfunktion (oder Eierstocksfunktion 🙂 ) übernehmen? Das ist ja für mich mal wieder eine absolut unvorstellbare Geschichte…

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    ja, dieses Gewebe ersetzt das (bestrahlte oder durch Chemotherapie inaktive) Restgewebe. Hier wurde wohl erstmals nachgewiesen, dass die Eizelle auch wirklich vom Transplantat kam (in deutscher Gründlichkeit)

  5. […] Wir berichteten hier bereits über Erfolge mit wieder zurückimplantiertem Gewebe. Zuletzt gab es Berichte über spontan eingetretene Schwangerschaften und dies auch in Deutschland. […]