Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Erste Gebärmuttertransplantation in Deutschland

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Es gibt Frauen, die ohne Gebärmutter zur Welt kommen (Mayer-Rokitansky-Küster-Syndrom) und andere, deren Gebärmutter ein Austragen einer Schwangerschaft nicht erlaubt. In diesen Fällen sind die Eierstöcke – und somit auch Eizellen – vorhanden, sie können aber nicht auf normalem Wege befruchtet werden und das Austragen einer Schwangerschaft ist nicht möglich. In anderen Ländern lässt sich dieses Problem mit Hilfe von Leihmüttern lösen, in Deutschland ist dies jedoch nicht erlaubt.

In diesen Fällen ist das Austragen einer Schwangerschaft nur mit Hilfe einer transplantierten Gebärmutter möglich. Was so einfach klingt – denn heutzutage werden ja viele Organe erfolgreich transplantiert – ist es jedoch nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass erst vor zwei Jahren über die erste Geburt nach einer Gebärmuttertransplantation berichtet werden konnte.

Prof. Mats Brännström aus Göteborg in Schweden ist der Pionier auf diesem Gebiet. “Bisher konnten Transplantationen nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn Brännström in den Transplantationsprozess involviert war”, erklärte Prof. Ralf Dittrich von der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen auf dem DGGG-Kongress 2016. Fünf Kinder konnte das Brännström-Team bereits lebend zur Welt bringen, nachdem mehr als ein Jahrzehnt lang Forschungen an Tieren durchgeführt wurden. In anderen Ländern mussten nach Transplantationen Organe hingegen meist wieder entfernt werden.
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Prof. Sara Brucker vom Universitätsklinikum Tübingen hat erstmals in Deutschland eine Gebärmutter transplantiert. Die mehrstündige Operation bei der 23 Jahre alten Patientin sei ohne Komplikationen verlaufen. Auch sie hat mit dem Team von Brännström gearbeitet und von seinen Forschungsergebnissen profitiert auf dem Wege zur Vorbereitung dieses Eingriffs.

Auf der Internet-Seite des SWR2 findet sich ein Interview mit der Ärztin. Sie sieht die Zukunft dieser Operation sehr zurückhaltend:

Ich glaube, man wird auf keinen Fall so fahrlässig sein, dass man leichtfertig mit der Transplantation umgeht, man wird ja nicht jeder Frau, die keine Gebärmutter hat, diese OP vorschlagen, und es gibt Ethikkommissionen, die das verfolgen werden. Und es gibt derzeit Erfolge nur bei Lebendspenden, also die Spenderin kann und darf keine Hirntote sein, das ist ethisch absolut bedenklich. Also die Hürden sind groß, und es wird in Zukunft auch in Deutschland nur für eine geringe Zahl von Frauen ethisch und medizinisch sinnvoll sein.

Foto von seanmcgrath


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. OSo schreibt

    Ich finde diese Lösung bedenklicher als eine Leihmutterschaft, auch wenn ich das Gefühl der Schwangerschaft den betroffenen Frauen nur zu sehr gönne. Aber hier wird eine gesunde Spenderin operiert, um ein Organ zu gewinnen. Eine zweite Frau wird operiert, um das Organ zu erhalten und dann mit Immunsuppressiva therapiert, um das Organ zu behalten und eine SS auszutragen. Man mag mich steinigen, aber ist das wirklich ethischer, als eine gut geregelte und finanziell angemessene Leihmutterschaft (und damit meine ich explizit keine „3.Welt-“ oder vergleichbare unter ökonomischen Zwängen stehende Leihmutterschaft)?
    Ich weiß nicht so recht, ob ich über so eine Nachricht glücklich sein soll oder nur den Kopf schütteln kann. Allerdings ist dies eventuell ja auch nur ein kleiner Fortschritt im Hinblick vielleicht auf Organtransplantationen aus späteren Stammzelltransplantaten. Von daher:

  2. OSo schreibt

    … ambivalent!

  3. Sonya schreibt

    Ich finde es großartig, dass so was möglich ist. Was ich nicht verstehe ist die Aussage „die Spenderin kann und darf keine Hirntote sein, das ist ethisch absolut bedenklich“. Was ist dabei bedenklich? Als Organspender bestimmt man doch, welche Organe nach dem Tod gespendet werden dürfen. Wenn eine Frau es nicht will, dann schließt sie die Gebärmutter als Organ aus. Ansonsten hat sie es doch so gewollt, wo ist da ein Problem?

    @OSo, Nieren werden auch gesunden lebenden Organspendern entnommen. Das ist freiwillig, keiner wird dazu gezwungen. Ich weiß nicht, was dabei bedenklich ist, wenn zwei gesunde Menschen sich darüber einig und es medizinisch möglich ist.

  4. Luzie*** schreibt

    Sonya,

    Lebendorganspenden sind nur in sehr engem gesetzlichen Rahmen möglich.
    Bei Nieren- oder Teilleberspenden ist das ethisch unbedenklich, da es hier in der Regek um das Überleben des Empfängers geht.
    Eine Gebärmutterspende ist nun allerdings nicht zum Überleben notwendig, daher kann ich obige Argumentation von OSo durchaus nachvollziehen.

    VG, Luzie

  5. Elmar Breitbach schreibt

    @ Luzie: Im verlinkten Interview hat auch die Professorin, die den Eingriff durchführte, auf diese – von Ihnen sehr gut zusammengefasste – ethischen Probleme hingewiesen.