Erhöhtes Prolaktin: Wie wichtig ist das Hormon bei IVF und ICSI?

Prolaktin kann die Eizellreifung stören. Wie wichtig ist ein normaler Prolatinspiegel bei der künstlichen Befruchtung?

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Prolaktin ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird. Es ist bei Stress oder auch bei stillenden Frauen erhöht. Erhöhtes Prolaktin kann einen negativen Einfluss auf die Reifung der Follikel und Eizellen haben. Das kann bis zum Ausbleiben des Eisprungs gehen. Wie wichtig sind normale Prolaktinwerte bei der künstlichen Befruchtung?

Es ist bekannt, dass erhöhtes Prolaktin (Hyperprolaktimämie) die Reifung der Eizellen stören kann. Das führt oft zu Zyklusunregelmäßigkeiten und beeinträchtigt möglicherweise auch die Qualität der Eizellen. Das alles ist belegbar für den natürlichen Zyklus. Wie ist es jedoch, wenn bei einer künstlichen Befruchtung hochdosiert Hormone gegeben werden? Führt das nicht möglicherweise dazu, dass die Hyperprolaktinämie nebensächlich wird, weil die zugegebenen Hormone den negativen Einfluss des Prolaktins mindern?

Wenn man sich so anschaut, was man alles bei Kinderwunsch beachten muss und was nach einer IVF oder ICSI, dann wäre man schon froh, wenn es nun einen Parameter gäbe, der keine so große Rolle spielt.

Erhöhtes Prolaktin ist von geringer Bedeutung bei IVF und ICSI

Eine chinesische Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte nun die Auswirkung von Prolaktin auf den Ausgang einer künstlichen Befruchtung1)Duan Y1, Liu X1, Hou W, Deng M, Gao J, Zhou C, Xu Y
No impact of treated hyperprolactinemia on cumulative live birth rate and perinatal outcomes in in vitro fertilization-embryo transfer.
J Obstet Gynaecol Res. 2019 Apr 1. doi: 10.1111/jog.13957
. Sie behandelten  535 Frauen mit einer IVF oder ICSI. 123 davon hatten eine behandelte Hyperprolaktinämie. 369 Frauen wiesen keine erhöhten Prolaktinwerte auf und bei 43 waren die Werte trotz Behandlung weiterhin erhöht. Zwischen den ausreichend behandelten und den gesunden Frauen gab es im Hinblick auf die Lebendgeburtenrate keinen Unterschied.

Das alleine ist nun wirklich keine sehr spannende Erkenntnis. Obwohl es natürlich schon beruhigend ist, dass die Behandlung der Hyperprolaktinämie tatsächlich auch zur „Heilung“ führt. Was war mit jenen, deren Prolaktinwerte immer zu hoch sind?

Es macht schlicht keinen Unterschied. Auch in der Gruppe der unzureichend behandelten Frauen war die Lebendgeburtenrate ebenso gut wie bei den anderen beiden Gruppen. Nun muss man berücksichtigen, dass es sich um eine vergleichsweise geringe Zahl an Patienten handelt und um eine „retrospektive“ Analyse. Das sollte zur Vorsicht verleiten. Dennoch ist der Schluss zu rechtfertigen, dass die Therapie erhöhter Prolaktinwerte zwar sinnvoll ist, aber die fortbestehende Hyperprolaktinämie den Ausgang einer IVF oder ICSI nicht beeinflusst.

 


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Literatur   [ + ]

1. Duan Y1, Liu X1, Hou W, Deng M, Gao J, Zhou C, Xu Y
No impact of treated hyperprolactinemia on cumulative live birth rate and perinatal outcomes in in vitro fertilization-embryo transfer.
J Obstet Gynaecol Res. 2019 Apr 1. doi: 10.1111/jog.13957
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