Endometritis: Entzündung der Gebärmutter verhindert Schwangerschaft

Eine chronische Entzündung der Gebärmutterschleimhaut kann den Erfolg einer künstlichen Befruchtung beeinträchtigen

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Endometritis nennt man eine – meist chronische – Entzündung der Gebärmutterschleimhaut. Sie kann den Erfolg einer künstlichen Befruchtung beeinträchtigen und Fehlgeburten begünstigen.

Immer wieder stellt sich die Frage, warum sich trotz bester Voraussetzungen (z. B. gute Embryonenqualität) im Rahmen einer künstlichen Befruchtung  bei manchen Frauen keine Einnistung einstellen möchte. Oder warum diese zwar zunächst stattfindet, aber in einer Fehlgeburt endet. Grundsätzlich kann es zwar auch Schicksal sein und keine Gründe haben, andererseits finden sich immer wieder auch neu Faktoren, mit deren Behandlung man die Chancen verbessern kann. Dazu gehört die Endometritis, die chronische Entzündung der Gebärmutterschleimhaut.

Endometritis als Ursache für Implantationsversagen und Fehlgeburt

Dass die Einnistung eines Embryos durch eine Entzündung der Gebärmutter gestört sein kann, liegt nahe und wurde in den letzten Jahren auch in Studien belegt. Hier ist jedoch die richtige Diagnostik wichtig. Führt man nur eine Gebärmutterspiegelung durch – schaut also in die Gebärmutterhöhle hinein – kann man alleine durch die Inaugenscheinnahme eine Endometritis nicht sicher festgestellen oder ausschließen.

Mikrobiologische Abstriche erhöhen zwar die Aussage, sind aber ebenfalls nicht zuverlässig genug, wenn es darum geht, eine Entzündung der Gebärmutterhöhle auszuschließen. Und wer meint, dass man eine Entzündung der Gebärmutter doch bemerken müsse, der hat recht. Jedoch gilt das nur für eine akute Entzündung, nicht für eine chronische, die bereits über Jahre ohne Symptome vorhanden sein kann.

Biopsie ist notwendig

Entnimmt man bei der Gebärmutterspiegelung eine Probe der Schleimhaut und untersucht diese mit speziellen Methoden, lassen sich einer Studie aus dem Jahre 2016 zufolge1)Bouet PE, El Hachem H, Monceau E, Gariépy G, Kadoch IJ, Sylvestre C
Chronic endometritis in women with recurrent pregnancy loss and recurrent implantation failure: prevalence and role of office hysteroscopy and immunohistochemistry in diagnosis.
Fertil Steril. 2016 Jan;105(1):106-10.
bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten in 27% und bei Einnistungsversagen in 14% der Biopsien Entzündungen nachweisen. Der Nachweis erfolgte in dieser Studie mit einer immunhistochemischen Untersuchung auf Plasmazellen im Endometrium mit Hilfe des Plasmazell-spezifischen Antikörpers CD138. Diese Plasmazellen sind lassen sich nur nachweisen, wenn eine Endometritis vorliegt. Auch dann, wenn im Abstrich keine Bakterien gefunden werden konnten. Üblicherweise wird in diesen Fällen zu einer Antibiotikatherapie (Doxycyclin 200mg/Tag über 14 Tage) geraten.

Verbesserung der Erfolgsraten bei IVF?

Dieser sehr spezifische immunhistochemische Nachweis von Entzündungen wird noch nicht lange verwendet. Ein Vorreiter war die Universität Jena, weshalb die Untersuchung in unserem Forum immer noch als „Jena-Biopsie“ bezeichnet wird, wenngleich nun auch weitere Labore diese Untersuchung anbieten. Es gibt daher noch nicht viele Studien, die sich mit den Auswirkungen der Endometritis auf den Ausgang einer IVF beschäftigen.

Eine Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse von insgesamt 5 Studien und fast 800 darin untersuchten Patienten zusammen2)Vitagliano A, Saccardi C, Noventa M, Di Spiezio Sardo A, Saccone G, Cicinelli E, Pizzi S, Andrisani A, Litta PS
Effects of chronic endometritis therapy on in vitro fertilization outcome in women with repeated implantation failure: a systematic review and meta-analysis.
Fertil Steril. 2018 Jul 1;110(1):103-112
.  Die Frauen hatten jeweils zwei oder mehr IVF-Zyklen ohne Einnistung hinter sich, wenn sie in den Studien aufgenommen wurden. Der Nachweis von Entzündungen erfolgte in den Studien uneinheitlich entweder mit der oben genannten Methode oder einer Hämatoxylin-Eosin-Färbung, also einer eher klassischen und weniger aussagekräftigeren Methode. Bei Vorliegen einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut wurde antibiotisch behandelt. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Basierend auf den Ergebnissen einer der 5 Studien machte es keinen Unterschied, ob eine Endometritis behandelt wurde (allerdings keine Kontrolle durchgeführt wurde, ob die Entzündung anschließend verschwunden war) oder nicht.
  • Wurde eine chronische Endometritis (nachweislich, also mit erneuter Kontrollbiopsie) erfolgreich behandelt, dann war die Zahl der lebend geborenen Kinder mindestens doppelt so hoch („Odds-Ratio“ 6.81 (95% Konfidenzintervall, 2,08-22,24) wie bei unbehandelten oder nicht erfolgreich behandelten Entzündungen. Man erkennt an dem breiten Konfidenzintervall, dass die Daten mit einer größeren Fallzahl geprüft werden müssten, aber aktuell ergibt sich ein statistisch signifikanter Unterschied.
  • Nach einer Behandlung mit Antibiotika waren die Chancen auf eine Lebendgeburt genauso hoch wie bei Frauen, die noch nie eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut hatten

Chronische Endometritis: Aktueller Stand der Dinge

Die Zusammenfassung aktueller Studien zeigt, dass die Behandlung einer chronischen Endometritis mit Antibiotika die Zahl der lebend geborenen Kinder verdoppeln kann, wenn zuvor zwei oder mehr künstliche Befruchtungen erfolglos waren.

Die Diagnose sollte mit einer Biopsie und einer immunhistochemischen Untersuchung erfolgen. Nach einer Gabe von Antibiotika sollte der Therapieerfolg mit einer weiteren Biopsie kontrolliert werden. Um den Wert dieser Diagnostik und Therapie endgültig klären zu können, sind jedoch weitere Studien notwendig.


Literatur   [ + ]

1. Bouet PE, El Hachem H, Monceau E, Gariépy G, Kadoch IJ, Sylvestre C
Chronic endometritis in women with recurrent pregnancy loss and recurrent implantation failure: prevalence and role of office hysteroscopy and immunohistochemistry in diagnosis.
Fertil Steril. 2016 Jan;105(1):106-10.
2. Vitagliano A, Saccardi C, Noventa M, Di Spiezio Sardo A, Saccone G, Cicinelli E, Pizzi S, Andrisani A, Litta PS
Effects of chronic endometritis therapy on in vitro fertilization outcome in women with repeated implantation failure: a systematic review and meta-analysis.
Fertil Steril. 2018 Jul 1;110(1):103-112
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Kommentar

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3 Kommentare
  1. RoteBeete schreibt

    Einer chronischen Endometritis muss doch mal eine akute Enzündung vorausgegangen sein, oder nicht? Eine, die man gemerkt hätte. Und wie kommt es überhaupt zur Gebärmutterentzündungen?

  2. Elmar Breitbach schreibt

    1. Nein, offenbar nicht.
    2. Durch Bakterien. Deswegen ja auch die Wirksamkeit der Antibiotika.

  3. […] Immunreaktionen einen Einfluss auf die Einnistung haben, hatten wir ja hier bereits kürzlich im Zusammenhang mit den Plasmazellen […]