Hormongaben bei Endometriose

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Die Endometriose ist eine hormonabhängige Erkrankung, die zu Verwachsungen und Zysten im Bauchraum führen kann. Und die Abhängigkeit von Hormonen ist genau das Problem, wenn es um Kinderwunschbehandlungen geht. Denn hier sind oft Hormongaben notwendig und daher stellt sich auch zwangsläufig die Frage, inwiefern diese die Erkrankung verschlimmern können.

Update 1/2019: Eine umfangreichere Übersicht zu diesem Thema finden Sie hier.

Eine ältere Studie aus dem Jahre 2006 hatte dies schon untersucht und überraschenderweise fand man hier zwar eine häufigeres Wiederauftreten der Erkrankung nach Hormonbehandlungen, am ausgeprägtesten waren diese jedoch nicht nach der IVF-Behandlung mit vergleichsweise hohen Hormongaben, sondern bei den Inseminationen mit geringen Dosierungen der endometrioseförderlichen Hormone.

In einer aktuellen Studie untersuchten italienische Wissenschaftler, ob eine bereits bestehende Endometriose-Zyste am Eierstock durch eine künstliche Befruchtung an Größe zunimmt oder neue Zysten auftraten. 48 Frauen, die sich erfolglos einer IVF-Behandlung unterzogen hatten, wurden nach drei bis sechs Monaten nachkontrolliert.

Es zeigte sich zwar eine durchschnittliche Zunahme des Zystenvolumens bei vorbestehenden Endometriosezysten von 3,9 (2,9-7,9) ml auf 4,9 (2,4-9,9) ml, jedoch war diese Volumenzunahme statistisch nicht signifikant und man muss auch davon ausgehen, dass selbst ohne eine IVF bei einigen der Frauen eine Progredienz der Befunde zu erwarten gewesen wäre. Eine solche Kontrollgruppe fehlte leider (wer solche Studien schon einmal selbst durchgeführt hat, wird das den Autoren jedoch nicht wirklich vorwerfen können). Ein Neuauftreten einer vorher nicht bestehenden Zyste wurde lediglich in einem einzigen Fall beobachtet.

Sicherlich kann man aufgrund dieser Ergebnisse keine komplette Entwarnung geben, da die Endometriose sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe aufweist, jedoch scheint das Risiko einer Verschlimmerung dieser Erkrankung durch die hormonelle Stimulation im Rahmen einer künstlichen Befruchtung gering zu sein.

Benaglia L, Somigliana E, Vighi V, Nicolosi AE, Iemmello R, Ragni G.
Is the dimension of ovarian endometriomas significantly modified by IVF-ICSI cycles?
Reprod Biomed Online. 2009 Mar;18(3):401-6.


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Störungsquelle schreibt

    Interessant. Damit habe ich mich bisher nie befasst.

  2. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    interessante studie, wenn auch recht klein von der anzahl der teilnehmerinnen.
    kann sein,dass ich es mir nicht richtig gemerkt habe, weil nur überflogen…aber gibt es nicht mittlerweile verschiedene arten von endo, klassifizierbar nach zellstruktur und reaktivität auf z.b. hormone..?
    hat die studie dann nur die frauen untersucht, die dieses speziell-hormonaktive endo haben..?

    die mit abstand größten hormonausschüttungen hat frau während der schwangerschaft, was sich angeblich förderlich auf endo auswirken soll…also bei mir nicht 🙁 .

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @reaba: Es geht dabei ja vor allem um die Östrogene. In der Schwangerschaft sind die Gelbkörperhormone ja zusätzlich stark erhöht, was hrundsätzlich gegen eine Endometriose helfen soll. Eine Klassifiaktion nach Gewebstyp gibt es histologisch, nicht jedoch, wenn es allgemein um die Stadieneinteilung geht

  4. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    danke für die antwort. ich habe mich eigentlich nur gefragt, ob je nach gewebstyp von einer unterschiedlichen reaktion auf hohe hormonexposition auszugehen sein könnte..?
    die stadieneinteilung bei endo funktioniert doch eigentlich nach dem allgemeinen schema zur klassifikation von invasivität und streuung, oder nicht..?

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @reaba: Ja klar gibt es unterschiedliche Reaktionen auf Hormone. Im guten wie im Schlechten. So weisen bestimmte Typen (von der Basalis ausgehend) kaum eine Horonabhängigkeit auf, was die Behandlung naturgemäß sehr erschwert, aber eben andererseits auch keine nagative Reaktion erwarten lässt, wenn Hormone zugegeben werden

  6. Elmar Breitbach
    Petry schreibt

    Lieber Doc,

    es liegt bei mir ja nun schon eine Weile zurück, dass ich in Behandlung war.
    Aber, auch ich kann zum Glück bestätigen, dass die Endo durch die Hormongaben offenbar nicht angeheizt wurde.

    Herzlichste Grüße an Sie, liebster Doc.

    Ihre Petry