Hilft eine Schwangerschaft bei Endometriose wirklich?

Die Schwangerschaft als Therapie gegen Endometriose. Wie gut ist dieser Rat?

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Frauen mit Endometriose wird immer wieder gesagt, dass eine Schwangerschaft das beste Mittel gegen eine ihre Erkrankung sei und möglichst schnell schwanger zu werden sie die beste Therapie. Stimmt das so?

Die Endometriose ist eine häufige Erkrankung der Frau im fortpflanzungsfähigen Alter. Durch Verwachsungen, Entzündungen im Bauchraum und Zysten am Eierstock beeinträchtigt die Erkrankung auch die Fruchtbarkeit. Aus Sicht der betroffenen Frau stehen jedoch oft die Schmerzen im Vordergrund. Die Erkrankung ist hormonabhängig und daraus ergeben sich auch viele Therapiekonzepte. Unter anderem die durchgehende Gabe einer Antibabypille oder von Gestagen-(=Gelbkörperhormon)präparaten.

Schwangerschaft als Hormontherapie gegen Endometriose?

Auch eine Schwangerschaft ist eine „Hormonbehandlung“, denn über die neun Monate steht der Hormonhaushalt durch die hohen Gelbkörperhormonspiegel still. Daraus leitet sich die Idee ab, eine Schwangerschaft wäre das Beste, was man gegen die Endometriose machen könnte. Oft wird diese Empfehlung auch ganz gezielt ausgesprochen, zumindest, wenn ohnehin ein (latenter) Kinderwunsch besteht.

Viele Studien, wenig Positives

Leider gibt es keine Studien, in welchen der Langzeitverlauf einer größeren Anzahl von Endometriosepatientinnen während eine Schwangerschaft beobachtet wurde, um diese Aussagen zu bestätigen oder zu widerlegen. Eine schweizer-neuseeländische Gruppe von Wissenschaftlern suchte daher tief in den Literaturdatenbanken nach Studien zu diesem Thema. Die Ausbeute war überschaubar: 5 Studien untersuchten die betroffenen Frauen während und nach ihrer Schwangerschaft, 6 weitere Publikationen dokumentierten den Größenverlauf von Endometriosezysten während einer Schwangerschaft.

Weiter fanden sich mehr als 30 Studien, die in kleinen Fallzahlen die Verläufe darlegten. Insgesamt also eine recht große Ausbeute, aber sehr inhomogen in Studiendesign und Aussage. Dennoch lässt sich aus Sicht der Autoren der Übersichtsarbeit1)Leeners B, Damaso F, Ochsenbein-Kölble N, Farquhar C
The effect of pregnancy on endometriosis-facts or fiction?
Hum Reprod Update. 2018 Feb 15
eine zusammenfassende Aussage finden: Die vorliegenden Daten belegen den positiven Effekt auf die Endometriose nicht in dem Maße, wie er bislang berichtet wurde.

Frauen, die mit Endometriose schwanger werden oder werden wollen, sollte man die Schwangerschaft nicht als Therapie zur Verbesserung von Endometriosebeschwerden empfehlen. Die Symptome können sich verbessern, aber ein Therapiekonzept ist die Schwangerschaft nicht.

 

 


Literatur   [ + ]

1. Leeners B, Damaso F, Ochsenbein-Kölble N, Farquhar C
The effect of pregnancy on endometriosis-facts or fiction?
Hum Reprod Update. 2018 Feb 15
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Kommentar

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3 Kommentare
  1. mjuka schreibt

    Danke für diesen Beitrag! Ich dachte immer, ich wäre anders als andere Endofrauen… Mit zwei wunderbaren Kinderwunschkindern gesegnet, hatte ich während beiden Schwangerschaften zwar keine Beschwerden, aber danach war es direkt jeweils schrecklich. Schreckliche Blutungen und Schmerzen schon in der Stillzeit. Damals wusste ich noch nicht, dass ich Endo habe. Die wurde erst fünf Jahre nach der zweiten Geburt entdeckt. Aber die Frage, warum die Schwangerschaften nicht wirklich etwas verbessert haben, hat sich mir erst heute erschlossen.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Gern geschehen. Und wenn der jetzt nur Ihnen geholfen hat, war’s das schon wert 😉

  3. Libby1234 schreibt

    Mich deprimiert dieser Artikel ehrlich gesagt. Ich dachte, jetzt hätte ich mit der ersten Schwangerschaft was gegen meine Endometriose getan und eine Chance, nun nicht soooo lange aufs zweite Kind zu warten. Na ja, andererseits wird der Artikel Schwangerschaften wohl weder behindern noch befördern. Außer man glaubt an den Einfluss der Psyche 😉

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