Endometriosezysten: Vermindern sie die Aktivität des Eierstocks?

Endometriosezysten haben eine negativen Einfluss auf die Aktivität der Eierstöcke

1

Operationen an den Eierstöcken können dazu führen, dass deren Aktivität vermindert wird. Endometriosezysten können die Fähigkeit der Eierstöcke, Eizellen zu produzieren, offenbar auch dann vermindern, wenn keine Operation erfolgt.

Entfernt man Zysten aus den Eierstöcken, dann wird dabei auch oft gesundes Gewebe geschädigt, was gelegentlich zu einer verminderten Eizellproduktion führen kann. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass Frauen nach einer Endometrioseoperation einen verminderten AMH-Wert aufweisen. Dieses Anti-Müller-Hormon erlaubt einen Rückschluss auf die Eizellreserve der Eierstöcke, also auch deren Fähigkeit, auf eine hormonelle Stimulation anzusprechen.

Auch ohne Operation senkt die Endometriose den AMH-Wert

Darüber hinaus gibt es aber offenbar auch einen Effekt der Endometriose auf die Ovarien, der auch unabhängig von einem operativen Eingriff zu Tragen kommt. Wir hatten hier bereits vor fast 10 Jahren auf eine Studie hingewiesen, die diesen direkten Effekt der Endometriose aufzeigen konnte.

Diese Theorie konnte nun in einer umfassenden Analyse der bislang zu diesem Thema veröffentlichten Studien bestätigt werden1)Muzii L, Di Tucci C, Di Feliciantonio M, Galati G, Di Donato V, Musella A, Palaia I, Panici PB
Antimüllerian hormone is reduced in the presence of ovarian endometriomas: a systematic review and meta-analysis.
Fertil Steril. 2018 Oct;110(5):932-940
. Dazu wurden Ergebnisse von Studien zusammengefasst, die den AMH-Wert von Frauen mit Endometriosezysten an den Eierstöcken (ohne Operation) mit gesunden Frauen verglichen. Des Weiteren erfolgte der Vergleich zwischen Frauen, die Zysten anderer Ursache an den Eierstöcken hatten, so zum Beispiel „normale“ Funktionszysten.

Ergebnisse von fast 1000 Frauen mit Endometriosezysten

Italienische Wissenschaftler fassten die Ergebnisse von 17 Studien zusammen. Dabei wurden die Daten von 968 Frauen mit Endometriosezysten analysiert sowie von 1874 Patientinnen ohne Zysten oder solchen anderer Herkunft.

Die Ergebnisse lassen sich schnell zusammenfassen. Der AMH-Wert von Frauen mit Endometriosezysten war durchgehend niedriger (bis zu 80%) als die Vergleichsgruppen mit einfachen Zysten oder völlig gesunden Eierstöcken. Das bedeutet nicht, dass die Qualität der Eizellen dadurch vermindert sein muss. Und auch mit einem niedrigen AMH kann man schwanger werden. Jedoch wird man bei einer Endometriose bei Kinderwunsch auch häufiger zu einer IVF raten und hier hängt die Erfolgsrate auch von einer ausreichenden Zahl an Eizellen ab. Bei einem niedrigen AMH-Wert kann es sein, dass die Reaktion der Ovarien auf die hormonelle Stimulation niedriger als gewünscht ausfällt und somit auch die Chancen auf eine Schwangerschaft sinken.

Zu der Frage, ob man eine Endometriosezyste vor einer IVF operieren sollte, haben wir hier eine Reihe Studien zusammengefasst.

Endometriosezysten an den Eierstöcken können die Aktivität dieser Organe vermindern, selbst wenn keine Operation durchgeführt wird

Literatur   [ + ]

1. Muzii L, Di Tucci C, Di Feliciantonio M, Galati G, Di Donato V, Musella A, Palaia I, Panici PB
Antimüllerian hormone is reduced in the presence of ovarian endometriomas: a systematic review and meta-analysis.
Fertil Steril. 2018 Oct;110(5):932-940
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar
  1. AN schreibt

    Danke für die Infos, die sind wirklich sehr wertvoll. Als ich vor 8 Jahren in der Situation war, hat mich keiner darauf hingewiesen. Ich hatte Angst vor einer OP und habe gedacht, ich würde ohne durchkommen, habe jegliche Behandlung 3 Jahre hinausgezögert, bis es überhaupt nicht mehr anders ging. Diese Jahre haben meiner Eierstockfunktion eindeutig geschadet. Die OP-Ärztin hat damals extrem mit mir geschimpft.

    Ich würde mir wirklich wünschen, dass JEDER Frauenarzt zu einer Endometriosefortbildung verpflichtet wird…