Sollte man die Eizellspende in Deutschland legalisieren?

FDP will Eizellspende erlauben


Eine Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestags beschäftigte sich mit der Zulassung der Eizellenspende in Deutschland. Den Antrag dazu stellte die FDP.

Schon seit Jahrzehnten exportieren wir unsere ethischen Bedenken ins Ausland

Zunehmend deutlicher stellt sich nicht die Frage, ob die Eizellspende ethisch vertretbar ist. Argumente wie die „gespaltene Mutterschaft“ halten immer weniger (taten sie eigentlich noch nie) und wenn hierzulande die Spermien- und Embryonenspende erlaubt (bzw. nicht verboten) sind, dann ist die Frage offenbar eher, inwieweit es ethisch tolerierbar ist, diese Behandlung hierzulande zu verbieten. Denn aktuell exportieren wir unsere ethischen Bedenken ins Ausland und nutzen die im europäischen Ausland zur Verfügung stehenden „Ressourcen“ – die dort zur Verfügung stehenden Eizellenspenderinnen. Das sind Strukturen, wie sie im Kolonialismus üblich waren. DAS ist ein ethisches Problem und aus meiner Sicht das mit Abstand bedeutsamste.

Es gibt sicherlich viele Probleme, die im Zusammenhang mit der Verwendung gespendeter Eizellen auftreten und berücksichtigt werden müssen. Im Vordergrund steht die mögliche Ausbeutung der Frauen, die die Eizellen spenden. Und man muss tatsächlich annehmen, dass es auch im europäischen Ausland nicht wenige Praxen die Armut von Frauen ausnutzen, die mit der Spende von Eizellen einen großen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten.

Professor Jan-S. Krüssel vom universitären Kinderwunschzentrum in Düsseldorf wird von der Ärztezeitung mit der Schätzung zitiert, dass jährlich 3000 bis 5000 Paare bisher gezwungen sind, wegen einer Eizellenspende ins Ausland zu gehen. Das ist nicht wenig.

Wer also ethische (und nachvollziehbare) Bedenken gegen die Ausnutzung von Spenderinnen hat, wird dies Problem nicht durch ein Verbot beseitigen. Denn das führt nur zu einer Verlagerung, so zum Beispiel nach Rumänien, wo viele Spenderinnen herkommen. So wäre es wesentlich weniger verlogen ehrlicher, wenn man die Eizellspende in Deutschland zuließe. Das hätte den Vorteil, dass man das Verfahren in vielerlei Hinsicht sinnvoll regeln könnte.

Zum Beispiel ließen sich zur Vermeidung des größten Risikos – des Überstimulationssyndroms – Grenzwerte für  Östrogenwerte und die Zahl der Eizellen festlegen. Ebenso wichtig: Anonyme Spenden ließen sich vermeiden. Den Kindern kann dann die Information über ihre genetische Herkunft gewährt werden, die ihnen rechtlich ohnehin bereits zusteht.

Argumente der Anhörung im Bundestag

Bei der Anhörung am 27.1. gab es deutlich mehr Argumente dagegen, die auch im Protokoll aufgeführt werden.

Das feministischen Frauengesundheitszentrums Berlin (FFGZ) wies auf die bereits oben genannten Probleme hin: Gesundheitliche Risiken der Spenderinnen und auch der Empfängerinnen, Ausnutzung ökonomischer Notlagen bei den Spenderinnen.

Das  Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften (Bioskop) befürchtet, dass sich ohne eine finanzielle Vergütung nur wenige Frauen zur Spende bereit erklären werden, eine Vergütung jedoch zu Ausbeutungsverhältnissen führen kann.

„Die Ethikerin Prof. Dr. Claudia Wiesemann von der Universitätsmedizin Göttingen kam hingegen zu dem Schluss, dass Eizellspenden ethisch vertretbar seien. Viele Argumente gegen die Zulässigkeit beruhten entweder auf einem veralteten Kenntnisstand oder auf schlecht begründeten Intuitionen. Die Risiken für die Spenderin seien zwar nicht unerheblich, minderten aber nicht deren retrospektive Zufriedenheit.

Einem durch ökonomische Not oder schlechte Information verursachten Defizit für die Selbstbestimmung der Spenderinnen könnte gezielt entgegengewirkt werden. Durch Regularien und staatliche Aufsicht könnte den gefürchteten und im Ausland teils eingetretenen Fehlentwicklungen vorgebeugt werden. Das Verbot der Eizellspende lasse sich nicht ausreichend begründen.“ [Zitat aus der Presseerklärung]

Die Bundesärztekammer begrüßt den Vorstoß der FDP ausdrücklich, zumindest als Idee zur Behandlung eines Teilaspekts der Reproduktionsmedizin, die nach 30 Jahren einer grundsätzlich überarbeiteten Regelung bedarf.

Wer dem Link folgt, wird die detaillierten Stellungnahmen vieler Verbände vorfinden. Eine interessante Lektüre, die argumentativ oft voraussetzt, dass der unerfüllte Kinderwunsch keine Krankheit sei und deshalb auch der Ansatz, betroffenen Paaren zu helfen, fehlgeleitet sein muss und lediglich ökonomisch motiviert. So z. B. der Verein Spenderkinder: „dient der Gesetzentwurf nur den Interessen der Wunscheltern und der Reproduktionsmedizin“ und ist daher abzulehnen. Das den „Spenderkindern“ sehr wichtige Thema der Nachvollziehbarkeit der genetischen Herkunft wird als weiteres Gegenargument genannt.. Wobei die Eizellspende in Deutschland ja erstmals in der Lage wäre, hier Rechtssicherheit herzustellen. Muss man nicht verstehen.

Natürlich müsste die Zulassung der Eizellspende in Deutschland sehr sorgfältig gesteuert werden, um den berechtigten Sorgen (Gesundheit Spenderin, Ausbeutung der Spenderin, Nachverfolgbarkeit der genetischen Herkunft) ausreichend Rechnung zu tragen. Aber diesen Versuch sollte man unbedingt unternehmen, will man nicht weiterhin in neokolonialistischer Art und Weise seine ethischen Bedenken ins Ausland auslagern.


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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    henriette schreibt

    Mit dem Argument, dass die Menschen dann eben ins Ausland gehen und man es deshalb hier erlauben sollte, müsste man auch die unsägliche Leihmutterschaft hier erlauben. Nur weil etwas möglich ist, muss es nicht richtig sein.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Selbstverständlich müsste man erst einmal entscheiden, ob die Eizellenspende ethisch vertretbar ist. Und dazu gibt es – wie bei vielen ethischen Fragestellungen – unterschiedliche Auffassungen. Wenn man jedoch die Eizellspende nicht grundsätzlich ablehnt, sondern nur die Durchführung in Deutschland, dann ist das – nun ja, ich schrieb es ja bereits oben. Und wenn Sie mit einer jungen MRK-Patientin über die Leihmutterschaft reden, stellt sich diese evtl. auch in anderem Licht dar.

  3. Elmar Breitbach
    HulksMother schreibt

    Ich befürworte eine Legalisierung der Eizellspende absolut. Ich fürchte aber, dass auch eine Legalisierung den Medizintourismus nicht signifikant reduzieren wird. Die Behandlungskosten sind in Deutschland so extrem hoch und die Finanzierung ist so stark eingeschränkt, dass es weiterhin eine Drei-Klassen Gesellschaft in Sachen Fruchtbarkeit geben wird. Reiche, die sich ihre ethisch korrekten Behandlungen in unbegrenzter Zahl in Deutschland leisten können, weniger Reiche, die sich im Ausland behandeln lassen können und die Armen, die sich mit ihrer Kinderlosigkeit abfinden müssen.

  4. Elmar Breitbach
    MissMolli schreibt

    Könnte eine Legalisierung in DE nicht auch eine Hürde nehmen (unabhängig vom finanziellen) und eine Lösung werden für Paare, die derzeit gar nicht an diese Möglichkeit denken, weil sie sie nicht kennen oder, da mit Auslandsaufenthalt verbunden und dem Gefühl man tut etwas ganz verbotenes, nicht in Erwägung ziehen.
    Was bedeutet "Mrk-Patientin"? Multiresistenter Keim?

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ja, Miss Molli,

    das ist aber auch genau das Problem derer, die dagegen argumentieren. Sie sehen dadurch die Weckung eines Bedarfs, der sonst gar nicht bestünde. Das muss man zwar nicht als Problem sehen, aber nicht wenige halten das für eine "slippery slope", auf der man unweigerlich ins Rutschen gerät, wenn man nur einen Schritt darauf wagt. Aktuell ist es leider noch ein wirksames KO-Kriterium in entsprechenden Debatten.

    MRK = Mayer-Rokitansky-Küster-Syndrom. Diese Frauen haben (angeboren) keine Gebärmutter, aber normal funktionierende Eierstöcke.

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Danke für diesen Beitrag. Ich habe mir die Anhörung auch angehört.

    Besonders ärgerlich finde ich es, wenn da von Gegnern der Eizellspende gesagt wird: "Wir wissen", obwohl mir klar ist, die wissen nicht, die vermuten nur. Oder sogar, wenn ich nämlich weiß, dass es so eben nicht ist. – Fast gebetsmühlenartig kamen immer wieder dieselben "Argumente": Risiken für die Spenderin, Kommerzialisierung, kein Recht auf Elternschaft. Auch der gern genutzte Trick, auf die 60-jährige Empfängerin einer Eizellspende zu verweisen, war hier wieder mal anzutreffen. Obwohl es nicht darum ging, den Empfang von Eizellspenden bis in dieses hohe Alter auszudehnen.

    War es da nicht erfrischend, von Claudia Wiesemann echte Forschungsergebnisse vorgetragen zu bekommen, die nämlich aussagen, so ist es gar nicht. Die Risiken sind eher gering. – Leider haben bei solchen Aussagen all die Mitarbeiter im Bundestag, die gegen EZS sind, die Fähigkeit, das einfach zu überhören. Leider kommt da kein Aufhorchen, Moment mal, das müssen wir nun mal genau überprüfen.

    Mit Prof. Wiesemann, Prof Taupitz und Prof. Krüssel waren in jedem Fall drei fähige und gut informierte Experten da. Und ganz am Schluss kam noch der Hinweis von Claudia Wiesemann, dass ja gar keine Betroffenen da sind. – Zu verstehen ist das wirklich nicht, denn seit einem Jahr gibt es den Verein FE-Netz e.V. für Familien nach Eizellspende.

  7. Elmar Breitbach
    MissMolli schreibt

    @Elmar Breitbach: danke für die Info.
    @Henriette: Ich finde es ja insgesamt gut und wichtig, dass bei Gesetzesentwurfsvorhaben usw. Anhörungen stattfinden und unbedingt alle Steakholder mit eingebunden werden. Und auch kritische Stimmen sollten unbedingt Ihren Platz haben.
    Leider hängt der Gesamteindruck einer solchen Veranstaltung dann eben von den Beiträgen der jeweils eingeladenen Anzuhörenden ab. Werden nicht alle relevanten Parteien eingeladen (hier zb Betroffene), kann auch kein Gesamtbild entstehen.
    Dazu kommt, da ich selbst mehrfach bei solchen Anhörungen gesprochen habe (aber nur auf Länderebene und naja, weniger "brisante" Themen, weiß ich doch, dass meist bei den Entscheidern schon eine Meinung vorab besteht, die so glaube ich sehr schwer zu beeinflussen ist. Leider.

    Und noch ein ganz anderer Gedanke dazu: Wenn ich lese, was alles in zb der Nutztierzucht geforscht und gemacht werden darf, wo es schon um Genscheren und Chromosomenveränderungen geht, frage ich mich wo da die ethischen Bedenken sind. Und dabei geht es ja wirklich nur um Geld und Wirtschaftlichkeit. Die EZS dient ja einzig dazu kinderlosen Menschen zu Ihrem Glück zu verhelfen.

  8. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Hallo Miss Molly,
    du bestätigst das, was ich von solchen Anhörungen auch mitbekommen habe. Jede Partei darf "Experten" einladen und befragen. Nun ist es aber wohl häufiger bei diesen Themen so, dass die Parteien genau die einladen, die ihre bereits vorgefertigte Meinung bestätigen. – Das ist sehr zu bedauern.