Ein Viertel der Paare erfolgreich ohne Therapie


Das ist das Ergebnis einer französischen Studie [1], für die erfolglos mit einer IVF therapierte Paare hinsichtlich ihrer späteren Familiensituation befragt wurden.

Dazu wurden 724 Paare telefonisch befragt, die vor 10 Jahren ihre IVF-Behandlung begonnen hatten. 40% der Frauen wurden letztlich erfolgreich mit einer IVF behandelt und trugen eine Schwangerschaft aus. Ca. ein Viertel erfüllte sich in den folgenden Jahren seinen Kinderwunsch entweder durch eine Adoption (die Hälfte derer, die noch Eltern wurden) oder wurden ohne ärztliche Hilfe schwanger, in absoluten Zahlen also ca. 20% derer, die vorher mit Hilfe der künstlichen Befruchtung keinen Erfolg hatten.

Insgesamt wurden also durch Schwangerschaft oder Adoption insgesamt zwei Drittel der Paare schließlich Eltern.

Die Zahlen sind so auf Deutschland nicht übertragbar. Die Erfolgsraten in Frankreich sind bekanntermaßen nicht besonders gut [2] (23% gegenüber annähernd 30% in anderen europäischen Ländern). Die 40% Gesamterfolgsrate sollte in anderen Ländern deutlich überschritten werden und der Anteil an spontanen Schwangerschaften nach erfolgloser Therapie dürfte in Deutschland eher im mittleren einstelligen Bereich anzusiedeln sein.

Dennoch zeigen die Zahlen, dass nach Beendigung der Therapie Schwangerschaften noch relativ häufig auftreten, wobei sich die Frage stellt, ob diese Erkentnis für die psychische Verfassung eines Paares, welches nach einer erfolglosen Therapie den Versuch unternimmt, mit dem Kinderwunsch abzuschließen, hilfreich ist.

1: de La Rochebrochard E, Quelen C, Peikrishvili R, Guibert J, Bouyer J
Long-term outcome of parenthood project during in vitro fertilization and after discontinuation of unsuccessful in vitro fertilization.
Fertil Steril. 2008 Aug 13. [Epub ahead of print]

2: Pouly JL, Larue L
Are French results in assisted reproductive techniques so bad?
Gynecol Obstet Fertil. 2007 Jan;35(1):30-7
Comment in:
Gynecol Obstet Fertil. 2007 Apr;35(4):287-9.
Gynecol Obstet Fertil. 2007 Jan;35(1):82-3.


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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Aus fachlicher Sicht würde ich das mit Nein beantworten. Ich halte es für wichtig, dass sich das Paar zur Gänze den Tatsachen stellt, um dann auch ein erfülltes Leben ohne Kinder gestalten zu können. Das dürfte schwerfallen, wenn im Hinterkopf immer der Gedanken herumspukt, dass es vielleicht doch klappt. Das Leben sieht dann einfach anders aus, was Vorsorge, Wohnen und Reisen angeht.
    Leider sind das aber häufige Rückmeldungen von Familie udn Freunden: "Einfach nicht dran denken, dann klappt es schon."

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @tintenklecks: Genau dieser von Ihnen zitierte Satz fiel mir dabei auch wieder ein

  3. Elmar Breitbach
    rose schreibt

    Gerade bei einer geplanten Adoption ist es sehr wichtig, mit dem eigenen Kinderwunsch abgeschlossen haben und nicht noch im Hinterkopf haben, dass es vielleicht doch noch klappen könnte (auch wenn es das manchmal anscheinend tut). Das wäre unfair und nicht im Sinner der Kinder.

  4. Elmar Breitbach
    Donza schreibt

    Sind denn dort auch die Frauen erfasst, die bereits ein (oder mehrere) Kind(er) durch IVF/ICSI bekommen hatten?
    Im Elternforum gibt es ja schon einige "ICSI/IVF-Mütter", die noch mal spontan schwanger wurden…

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Donza: Nein. Hintergrund des Artikels ist, ob Kinderlose Eltern werden können und auf welchem Wege, wenn die IVF nicht hillft, deswegen ja auch der Hinweis auf die Adoption. Wobei ich den Anteil derer, die durch Adoption Eltern wurde in dieser Studie ziemlich hoch finde, aber das mag an den günstigeren Voraussetzungen für Adoptionswillige in Frankreich liegen