Den Versuch kann ich schon abhaken.


Das ist einer der häufigsten Sätze in unserem Kinderwunschforum. Unterschwellig schwingt natürlich auch bei den größten Pessimisten die Hoffnung mit, dass es doch nicht so negativ verläuft, wie man sich es gerade einredet. Und bei manchen, die solche Nachrichten posten, muß man zu recht vermuten, dass sie es eigentlich auch nicht glauben und darin auch nur bestätigt werden möchten.

Wie auch immer, diese Haltung, zunächst das Schlechte anzunehmen, um sich dann über einen positiven Ausgang umso mehr freuen zu können, ist nichts Neues und hat nun auch einen wissenschaftlichen Namen. Solche Menschen werden als „Defensive Pessimisten“ bezeichnet, wie in einem Artikel von News@nature.com berichtet wird, den ich bei Weiß (ZEIT) fand:

Wer eine Prüfung ablegen musste oder ein Vorstellungsgespräch hinter sich gebracht hat, redet sich oft ein, dass es miserabel gelaufen ist, damit hinterher die Freude umso größer ist, dass doch alles gut gegangen ist – oder damit die Enttäuschung nicht so schlimm ist.

Nun wurde diese These wissenschaftlich untersucht und: sie stimmt nicht. Im Gegenteil, die Menschen, die grundsätzlich alles rosig sehen, fühlen sich auch nicht so schlecht und nicht so verantwortlich für ihr Versagen. Psychologe Thomas Gilovich rät also davon ab, weil man sich mit dieser Taktik nur unglücklich mache.

Allerdings gibt es natürlich auch eine Kehrseite. Manchen Leuten hilft es doch, sich ein Versagen vorzustellen – sie bereiten sich dann auf einen Test oder einen Vortrag besser vor. „Defensive Pessimisten“ nennt man sie. Umgekehrt ignorieren die Frohnaturen leider manchmal die großen Zusammenhänge. Nehmen sie alle Fehlschläge locker und sehen sich selbst nicht in der Verantwortung, dabei übersehen sie vielleicht, dass sie demnächst gefeuert werden.


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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    cuba schreibt

    Defensive Pessimisten……für mich ist es wohl eher ein "Selbstschutz" wer nicht zu hoch fliegt kann auch nicht zu tief fallen 😉

  2. Elmar Breitbach
    Saabeline schreibt

    Täuschen zum Selbsterhalt?! Der Satz „den Versuch kann ich abhaken“ beim Kinderwunsch mit Pessimismus aus dem Bereich Beruf zu vergleichen, ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Sind es nicht die verschiedene Lebenssituationen, die z.B. einen sog. beruflichen Pessimisten gleichzeitig im persönlichen Bereich (z.B. Mann Mitte 50 trifft auf langbeinige 25-jährige Blondine und hegt die Hoffnung von großer langlebiger Liebe) zum hoffnungsgeschwängerten Optimisten schwelgen lassen kann?
    Die Definition für Pessimismus ist meines Erachtens eine persönliche Einstellung, die durch individuelle Anlagen (Charakter), Erziehung und Erfahrungen geformt wird. Individuelle Anlagen wie Fähigkeiten, Talent und Begabung sind stabile Komponenten, die mit jeweiligen variablen Bedingungen, wie Gemütsverfassung (Hormone ;-)) Tagesform, Anstrengung und eigenen Einsatz gegenüber äußeren Einwirkungen wie Glück, Pech, (un)-günstiger Zeitpunkt, und Aufgabenschwierigkeit gegenüber stehen.
    Daher kann ich nur sagen, finde ich den Begriff von defensiven Pessimisten im Bereich von „Kinderwunsch“ unpassend.
    Es handelt sich hier sicherlich eher um Relativierung der eigenen Hoffnung zur Realität!

  3. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    es wurde hier das Beispiel des Vorstellungsgesprächs gewählt, jedoch ist diese Sichtweise auf viele "Prüfungssituationen", zu denen der Schwangerschaftstest sicherlich auch zählt, anwendbar.

    Der Unterschied ist vielleicht, dass man den Ausgang dieser Prüfungen beim Schwangerschaftstest weniger beeinflussen kann. Wobei dies sicherlich auch nur von wenigsten akzeptiert wird, denn der Aufwand, der bei der Prüfungsvorbereitung betrieben wird, ist oft nicht unerheblich, genauso wie sich viele die Schuld geben, wenn es nicht geklappt hat, die Prüfung also "vermasselt" wurde. Undeingedenk der Tatsache, dass die Einflussmöglichkeiten gegen Null gehen

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    In Bezug auf die Realisierung des Kinderwunsches verbuche ich solche Äußerungen oder Annahmen auch unter "Selbstschutz". Das habe ich an mir selber deutlich gemerkt. Nach den Versuchen, in denen ich nicht so hohe Erwartungen hatte, konnte ich nicht so tief fallen.

    Bei Ergebnissen, auf die ich selbst mit meinem eigenen Einfluß entscheidend hinarbeiten kann, ist die Situation eine andere. Hier kann ich eigentlich nur dann wirklich Erfolg haben, wenn ich meine eigene Arbeit immer wieder bezweifele und genau deshalb immer wieder verbessere. Hier liegt der qualitative Unterschied, denn bei Befruchtungsversuchen konnte ich leider nicht besonders viel tun, um den Erfolg zu beeinflussen (wenn ich´s auch doch immer wieder mit den lächerlichsten Mitteln versucht habe).

    Gruß, Rebella

  5. Elmar Breitbach
    saabeline schreibt

    @ Rebella,
    wohl wahr, bei den Befruchtungsversuchen hat man selbst wenig aktiven Handlungsspielraum um den Erfolg zu beeinflussen. Ein eine verhaltene Hoffnung, um die Enttäuschung besser zu verkraften, zum Selbschutzes, könnte ich nicht mit "defensiven Pessivismus" erklären.
    Gruss saabeline

  6. Elmar Breitbach
    C schreibt

    auf wikipedia gibt es nen guten bericht über defensive pessimisten.

  7. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    Bei uns in der vorlesung hieß sowas "Mißerfolgserwartungshaltung" und ging einher mit Lageorientierung, im Gegensatz zur Handlungsorientierung.

    Hat durchaus auch seinen sinn, unter Umständen, man spart Energie. Nur die nachfolgenden Depressionen sind dann natürlich nciht so schön….