Das Schicksal eingefrorener Embryonen, die niemand mehr will


Wenn eine IVF-Behandlung zu einer Schwangerschaft führt, dann ist das sehr erfreulich. Sind im gleichen Behandlungszyklus jedoch Embryonen eingefroren worden, dann stellt sich die Frage, was mit diesen geschehen soll, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist.

In einigen Ländern ist es möglich, solche überzähligen Embryonen als Alternative für eine Eizellspende zu verwenden. Christlich orientierte Gruppen in den USA versuchen, diese Embryonen zur „Adoption“ zu vermitteln, andere werden von den Kinderwunschkliniken zu Festpreisen verkauft.

Was jedoch wünschen sich die „Eltern“ dieser kryokonservierten Embryonen?

In einer Umfrage versuchte man dies in den USA herauszufinden. Dazu wurden 1.350 Frauen befragt, die sich in einer Kinderwunschbehandlung befanden. Neben persönlichen Angaben zur Vorgeschichte des unerfüllten Kinderwunsches wurde die Frage gestellt, ob (eingefrorene) überzählige Embryonen für Forschungszwecke oder andere Patienten verwendet werden können.

Dreiviertel befürworten Stammzellforschung

Insgesamt befürworteten 73% der befragten Frauen eine Verwendung der Embryonen für die Stammzellforschung. Der Studienleiter begründet diesen hohen Anteil mit dem Altruismus der Kinderwunschpatienten, die den Fortschritt in der Medizin fördern und anderen Menschen helfen möchten.

Amerikaner mit spanischen oder afrikanischen Wurzeln waren weniger freigiebig. Ebenso wenig wie Protestanten, jüngere Patientinnen, weniger Wohlhabende und Single.

Embryonenadoption mit geringerer Akzeptanz

Deutlich weniger Paare (56%) würden einer Freigabe ihrer Embryonen für eine Kinderwunschbehandlung zustimmen. Auch hier waren Personen spanischer und lateinamerikanischer Herkunft zurückhaltender, ebenso Frauen, die bisher nicht erfolgreich therapiert wurden. Die Vorstellung, dass das genetisch eigene Kind von einer anderen Frau ausgetragen und aufgezogen wird, scheint weniger akzeptabel zu sein als die Verwendung zu Forschungszwecken.

Insgesamt ist der Anteil derer, die einer weiteren Verwendung ihrer Embryonen zustimmen würden, erstaunlich hoch. Angesichts der sehr emotional geführten Diskussion zur Stammzellforschung wären solche Ergebnisse in Deutschland sicherlich nicht zu erwarten. Über die Verwendung zur Embryonenadoption kann man lediglich spekulieren, möglicherweise wären die Zahlen ähnlich wie in den USA. Die Autoren der Studie wiesen darauf hin, dass eine gesetzliche Regelung unbedingt notwendig sei, um das Gefühl der Spender zu vermeiden, etwas Ungesetzliches zu tun. Verboten sit Stammzellforschung und Embryonenspende in den USA nicht, jedoch auch nicht eindeutig geregelt.

Jain T, Missmer SA
Support for embryonic stem cell research among infertility patients.
Fertil Steril. 2008 Apr 26. [Epub ahead of print]


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Kommentar

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14 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    bibab schreibt

    Hallo, mit diesem Artikel treffen Sie gerade wieder meinen Nerv.
    Ich möchte zeitnah die Kryos kündigen, würde -wenn es ginge- weder eine Spende noch Forschungsversuche akzeptieren.
    In unserer Situation spricht alles dafür, keine weitere Schwangerschaft herauszufordern, auch habe ich keinen weiteren Kinderwunsch (wobei es bestimmt immer wieder schwache Momente geben wird).
    Ich bin den Tränen nahe, weil ich die beiden Embryonen Ende September aufgeben möchte. Dass ich aber dermaßen emotional reagiere und es mir sooo schwerfällt, …ach Mensch.
    Herz und Verstand sind eben zweierlei.
    Gruß Bibab

  2. Elmar Breitbach
    Wildfang schreibt

    Ich finde es schon ein bisschen gruselig, dass ein Embryo, in dem ein ganzes Menschenleben steckt, lieber der Forschung zur Verfügung gestellt wird als einem Kinderwunschpaar, das aus diesem Embryo ein glückliches Kind machen könnte.

  3. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Ich glaube, ich brächte es nicht über das Herz, sie einfach der Forschung zu übergeben- bin also gar nicht altruistisch, wie es scheint. Halte Altruismus aber ohnehin für eine Legende. Zur Not habe ich eben eine kleine Fußballmannschaft. Was ja sehr unwahrscheinlich ist.
    Ich wüßte gerne um psychische Folgen bei den Kindern, die durch Embryonenspende entstanden sind, erst dann kann ich dazu eine Aussage treffen.

  4. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    die psychischen folgen müssten sich eigentlich ganz gut vergleichen lassen mit kindern die sehr früh (mit ein paar tagen) adoptiert wurden, oder?
    mein kind ist aus einem 3er satz kryoembryonen entstanden. wir haben keine kryos mehr…und eigentlich bin ich froh, dass sich uns die frage somit nicht stellt.
    wahrscheinlich würde ich eher transferieren als alles andere…

  5. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Aber der Aufwand und die Beweggründe der "leiblichen" Eltern (wer ist das denn in diesem Zusammenhang, man müßte wohl von den genetischen Eltern sprechen, ich weiß nicht) unterscheiden sich vermutlich schon. Ein Kind auszutragen und dann zur Adoption freizugeben ist aus meiner Sicht tiefgreifender (und bewundernswert). Zwischen Mutter und Kind bestand vielleicht auch ind er Schwangerschaft eine Verbindung. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass Kinder, die nach einer Spende zur Welt gekommen sind, durch diese unterschiedlichen Voraussetzungen anders damit umgehen können und die Identitätssuche (die jeder Mensch erlebt) weniger kompliziert ist. Mit Sicherheit würden mir die kleinen Kryos am Herzen liegen, aber sie wären noch nicht meine Kinder. Trotzdem ein ungutes Gefühl, auch wenn meine Assoziationen keineswegs rational sind.

  6. Elmar Breitbach
    raise schreibt

    Auf jeden Fall bin ich dafür, dass die Eltern, die es wollen, ihre Kryos legal zur Adoption freigeben können sollen. Es gibt sicher nicht wenige, die in den Kryos irgendwie doch schon schützeneswertes Leben, vielleicht sogar schon ihre Kinder sehen, und es mit ihrem Gewissen besser vereinbaren können, sie nicht zu vernichten, sondern austragen zu lassen.

  7. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Ich bin eine die so ein Embryo braucht…
    Ich kann verstehen und freue mich dass viele Paare ihre Embryos zur Forschung geben möchten.
    Nur frage ich mich: was genau bringt das? Mir sind noch keine große Erfolge bekannt.
    Was ich allerdings weniger verstehe:
    Warum wollen die Paare nicht zur Adoption geben, an andere die keine Kinder erzeugen können?
    Ich finde das sehr egoistisch. Und die Begründung es liefen meine Kinder in der Welt, bei andere Eltern, ist für mich null.
    Es wäre schönn wenn beide Paare für diese Kinder da wären, für ihnen, für die Kinder und auch dass sie noch Geschwistern haben und nicht allein auf wer Welt sind ist so gut.

    Warum denken diese Paare nicht dass auch andere sich ihren Glück, Kinder zu haben auch wünschen?

  8. Elmar Breitbach
    Eilein schreibt

    Also wenn ich dass entscheiden müsste, dann würde ich sie definitiv zur adoption frei geben. Für die Forschung wären sie mir zu Schade. Für mich sind es Menschen, die das Recht auf leben haben auch wenn die Befruchtung außerhalb des Mutterleibes stattfand. Ich fände es einen schönen Gedanken, dass diese Menschen leben und nicht als Versuchsobjekt benutz werden.

    LG Eilein

  9. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich würde an erster Stelle sehen, dass ich meine eingefrorenen Embryonen noch selbst austrage. Wenn das nicht geht (weil ich evt. krank bin oder vielleicht nach einer Mehrlingsgeburt mit weiteren Kindern einfach überfordert), würde ich sie zur Embryoadoption frei geben. Und wenn das auch nicht geht (z.B., weil das schon so viele Leute gemacht haben und kein Bedarf mehr daran ist), gebe ich sie auch für die Forschung frei. Nur Wegwerfen ist für mich die schlechteste Alternative.

    Wir hatten auch das Glück, dass wir keine übrigen eingefrorenen Embryonen mehr hatten. Und auch für mich war das eine Erleichterung.

  10. Elmar Breitbach
    suppenhuhn66 schreibt

    ich wurde durch eine eizellspende schwanger und bin der spenderin unendlich dankbar. hätte ich eine embryonenspende gebraucht (die im ausland ja möglich ist) hätte ich sie auch in anspruch genommen.

    embryos zu "verwerfen" finde ich ganz schrecklich! damit ist keinen geholfen…..dann doch lieber der forschung spenden…

    liebe grüße
    suppenhuhn

  11. Elmar Breitbach
    Daniela schreibt

    Meine erste ICSI war erfolgreich,8 EZ erfolgreich befruchtet!
    6 Zygoten wurden kryokonserviert und 2 eingesetzt. Nun, Familienplanung ist abgeschlossen und am liebsten denke ich nicht weiter nach und zahle die kosten halbjährlich.
    Ich würde meine Zygoten (sind doch meines Wissens keine Embryonen!) am liebsten an andere Frauen für Ki-Wu-Behandlungen spenden. Zweitbeste option wäre, sie der Forschung zur Verfügung zu stellen.
    Ich finde die Gesetzgebung in Deutschland grausam. Dennoch kann ich nicht aus Pflichtbewusstsein noch 3 mal Kryo-Transfers durchziehen!

    lg Daniela

  12. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    Meine Freundin – Witwe – ist auf Embryonenspende angewiesen, geht den schweren Weg übers Ausland, aber ich bin froh, dass es für sie einen solchen Weg überhaupt gibt. Ich selber würde, hätte ich Kryos, diese auch spenden, z. B. der Freundin, denn die Verbindung besteht nicht aus Genen, sondern aus Herz, und diese Liebe wächst in den neun,5 Monaten so wie der Bauch 🙂

  13. Elmar Breitbach
    Tigerin schreibt

    Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast…

    Ich weiß nicht, wie die Amis zu ihrem Ergebnis gekommen sind, aber kryokonservierte Embryonen bzw. Vorkernstadien zu verwerfen kann ich weder mit meinen Gefühlen noch mit meinem religiösen Verständnis verantworten. Ebenso wenig würde ich sie der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Die einzigen Möglichkeiten sind sie selbst auszutragen oder sie von einem anderen Kinderwunschpaar adoptieren zu lassen, was der ignorante Gesetzgeber hierzulande leider nicht erlaubt.

  14. […] sich alleine gelassen mit der Entscheidung, was sie mit ihren Eizellen tun sollen. In einer hier veröffentlichten Umfrage aus den USA gaben 73% der Paare an, dass sie die Embryonen in der Forschung verwenden lassen […]