Bessere Erfolge durch genetische Untersuchung?


Wer diese News in den letzten Tagen aufmerksam gelesen hat, der wird sich über diese Überschrift wundern, war doch kürzlich ein Artikel hier erschienen, der genau das Gegenteil behauptete. Hier ging es aber um die mittlerweile recht häufig (im Ausland) angewendete Präimplantationsdiagnostik, bei der vereinfacht ausgedrückt, nachgezählt wird, ob die Zellen des Embryos eine normale Anzahl an Chromosomen aufweisen.

Eine genetische Untersuchung hingegen untersucht einzelne Gene und eine amerikanische Gruppe von Wissenschaftlern versuchte nun diejenigen Gene herauszufinden, welche die Entwicklung der Embryonen positiv beeinflussen und letztlich damit auch ihre Fähigkeit zur Einnistung.

Die ursprüngliche Zielsetzung der Wissenschaftler war es, den Unterschied zwischen reifen Eizellen und unreifen Eizellen herauszufinden. Letztere werden bei der sogenannten IVM verwendet. Bei dieser Methode werden unreife Eizellen gewonnen und im Reagenzglas nachgereift. Diese Eizellen sind jedoch oft unzureichend entwickelt, was mit der Unreife des Zytoplasmas (Zellinhalts) erklärt wurde, ohne jedoch diese Theorie belegen zu können.

Die Forscher vermuteten unterschiedliche Genexpressionen als Ursache für die Entwicklungsverzögerungen von in vitro maturierten Eizellen. Es geht dabei nicht um das Vorhandensein einzelner Gene, sondern um deren Aktivität, die mit modernen biotechnischen Untersuchungen untersucht werden können.

Unreife Eizellen funktionieren anders als reife

Vergleicht man die Aktivität einzelner Gene bei reif gewonnenen Eizellen und von unreifen Eizellen, dann erkennt man deutliche Unterschiede. Es konnten mehr als 2000 Gene isoliert werden deren Aktivität bei unreifen Eizellen deutlich höher war (Faktor 2) als bei reifen Eizellen. Dies ist möglicherweise Ergebnis einer veränderten Regulation einzelner Gene durch die Unreife der Eizellen. Dadurch kann es zu vorübergehenden falschen Verwendung einzelner Gene kommen, die dann zu einer gestörten weiteren Entwicklung führen.

Anwendung als Screening-Test?

Die gleichen Forscher untersuchten nun auch die Genaktivität von reifen Embryonen (Blastozysten):

Die Forscher luden 48 Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen, zur Mitarbeit an der Studie ein. Wurden die Embryonen zu Blastozysten, entfernte das Team zwischen acht und 20 Zellen aus einer bestimmten Zellschicht, dem Trophectoderm. An diesen Zellen wurde nun die Aktivität der Gene analysiert.

Bei allen Teilnehmerinnen wurde mindestens ein Blastozyst eingesetzt. Als die Kinder geboren wurden, wurden Blutproben von der Nabenschnur oder Proben aus den Wangenzellen entnommen und mit der DNA aus den Zellen der Blastozysten verglichen. Damit konnte ermitteln werden, welche Embryonen sich weiterentwickelt hatten. Genetische Verfahren wurden in der Folge eingesetzt, um zu ermitteln welche Gene in den überlebensfähigen Blastozysten exprimiert wurden.

Ziel dieser Untersuchungen ist es, bestimmte Gene einzugrenzen, deren Aktivität einen entscheidenden Einfluss auf die Vitalität und Einnistungsfähigkeit von Embryonen hat. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Es konnten bisher aber bereits einige Gen-Gruppen identifiziert werden.

Das ist eine sehr spannende Arbeit, die auch im Editorial von Human Reproduction als „Editors Choice“ besondere Erwähnung fand. Während ich bis jetzt zwar gerne gegen die aktuelle Regelung des deutschen Embryonenschutzgesetzes gewettert habe, wusste ich aus eigener Erfahrung andererseits auch, dass gute Schwangerschaftsraten auch unter diesen gesetzlichen Regelungen möglich sind. Späte Selektion von Embryonen oder gar PID wäre „nice to have“ aber nicht zwingend notwendig.

Sollte sich jedoch herauskristallisieren, dass sich diese vorläufigen Studienergebnisse bestätigen und wir mit diesen Methoden eine deutliche Verbesserung der Schwangerschaftsraten bei Verminderung der Mehrlingsraten zu erwarten hätten, dann könnten die IVF-Zentren in den deutschsprachigen Ländern eigentlich nur dichtmachen oder auswandern.

By Jones GM, Cram DS, Song B, Kokkali G, Pantos K, Trounson AO
Novel strategy with potential to identify developmentally competent IVF blastocysts.
Hum Reprod. 2008 May 13;

Jones GM, Cram DS, Song B, Magli MC, Gianaroli L, Lacham-Kaplan O, Findlay JK, Jenkin G, Trounson AO
Gene expression profiling of human oocytes following in vivo or in vitro maturation.
Hum Reprod. 2008 May;23(5):1138-44.

Editor’s Choice: Hum. Reprod. 2008 23: 1003.

Via (zum Teil): Pressetext.com


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