Befruchtung ohne Spermien

Eine Eizelle kann sich ohne Spermien zu einem Embryo entwickeln


Schlechte Nachrichten für Männer: Sie werden nicht mehr gebraucht, denn es scheint tatsächlich zu funktionieren: Die Weiterentwicklung einer Eizelle ohne eine Befruchtung durch ein Spermium. Britische Forscher haben das Enzym Phospholipase C-Zeta (PLCζ), welches zuerst in Samenfäden entdeckt wurde, in eine unbefruchtete Eizelle injiziert und diese entwickelten sich anschließend weiter bis hin zu Blastozysten1)Swann, K., Larman, M. G., Saunders, C. M., & Lai, F. A. (2004). The cytosolic sperm factor that triggers Ca2+ oscillations and egg activation in mammals is a novel phospholipase C: PLCζ. Reproduction127(4), 431-439..

Entwicklung bis zum Blastozystenstadium ohne Spermien

Phospholipase C-Zeta löst über das eindringende Spermium eine Aktivierung der Eizelle aus, denen dann die Befruchtungsprozesse folgen bis hin zu den ersten Zellteilungen.

In diesem Entwicklungsstadium könnte man diesem „Embryo“ embryonale Stammzellen entnehmen. Mit diesen Stammzellen hofft man viele bisher nicht behandelbare Erkrankungen therapieren zu können, die Herstellung aus menschlichen Embryonen ist jedoch umstritten bzw. ethisch bedenklich. Das neue Verfahren könnte die bisherigen Bedenken umgehen, da es sich hierbei nicht um einen „echten“ Embryo handelt.

Andere Wissenschaftler, wie Josephine Quintavalle von der britischen Lebensschutzorganisation Comment on Reproductive Ethics sehen das kritischer. Eine Weiterentwicklung der Blastozysten zu menschlichem Leben sei nicht ausgeschlossen.

Wer bis hier aufmerksam gelesen hat, der stellt sich sicherlich die Frage, wo denn der zweite Chromosomensatz herkommt, der sonst durch die Spermien in die Eizelle eingebracht werden. Der SPIEGEL hat es erklärt:

Männliches Erbgut war für das Wachstum des Zellhaufens nicht notwendig, da jede Eizelle bereits zwei weibliche Chromosomensätze besitzt. Bei der Reifung der Eizelle wird normalerweise einer dieser Sätze ausgestoßen und bei der Befruchtung durch den männlichen ersetzt. Swann und seine Kollegen unterdrückten das Ausstoßen jedoch mit einer chemischen Behandlung

Nun ist das Befruchten einer Eizelle ohne Spermien sicherlich ein interessantes Projekt, aber nicht zum Schwangerwerden. Jedoch ist die Phospholipase C-Zeta möglicherweise bei der Befruchtung von Eizellen hilfreich2)Kashir, J., Heindryckx, B., Jones, C., De Sutter, P., Parrington, J., & Coward, K. (2010). Oocyte activation, phospholipase C zeta and human infertility. Human reproduction update, 16(6), 690-703.. Wenn trotz reifer Eizellen und ICSI eine Befruchtung ausbleibt, wird durch die Hinzugabe von CalciumIonophor versucht, die Befruchtung zu verbessern. Dies direkt im Inneren der Eizelle durch die Injektion von  PLCζ  zu bewirken ist ein vielversprechender Ansatz bei Befruchtungsversagen trotz ICSI.


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Literatur

Literatur
1 Swann, K., Larman, M. G., Saunders, C. M., & Lai, F. A. (2004). The cytosolic sperm factor that triggers Ca2+ oscillations and egg activation in mammals is a novel phospholipase C: PLCζ. Reproduction127(4), 431-439.
2 Kashir, J., Heindryckx, B., Jones, C., De Sutter, P., Parrington, J., & Coward, K. (2010). Oocyte activation, phospholipase C zeta and human infertility. Human reproduction update, 16(6), 690-703.
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