Auch Männer leiden unter Kinderlosigkeit


Frauen leiden mehr unter Kinderlosigkeit als Männer? Diese These wurde von der Psychologin Laura Peronace von der Universität in Cardiff widerlegt. Auch die Vermutung, dass Männer besonders dann unter der Unfruchtbarkeit leiden, wenn sie selbst der Verursacher sind, scheint nicht zu stimmen. Wenn ein Mann selbst unfruchtbar ist, belastet ihn dies ebenso wie wenn die Frau oder beide Partner Ursache der Kinderlosigkeit sind.

„Die vorherrschende Meinung ist, dass die Unfruchtbarkeit besonders für Männer beschämend und entmännlichend ist“, sagt Peronace. Um zu klären, wie Männer auf die Diagnose der Unfruchtbarkeit und die anschließenden Behandlungen reagierten, wurden 256 Männer ausgewählt, die bereits an einem Forschungsprogramm der Universitäten Cardiff und Kopenhagen teilnahmen.

Die Männer wussten im Durchschnitt seit etwa vier Jahren von ihrer Unfruchtbarkeit. Die Wissenschaftler befragten die Teilnehmer der Studie mit Hilfe von Fragebögen zu zwei Zeitpunkten: vor Beginn einer Behandlung, bei der die Männer eine Beratung in Anspruch nehmen konnten, und ein Jahr später. Zur Auswertung wurden die Teilnehmer den Ursachen der Kinderlosigkeit gemäß in vier Gruppen unterteilt.

Je länger die Männer von ihrer Unfruchtbarkeit wussten, desto mehr belastete sie die Situation und auch die Partnerschaft und umso schlechter entwickelte sich ihre psychische Gesundheit. „Überraschenderweise unterschieden sich dabei die vier Gruppen nicht“, sagt Peronace. „Die Männer litten gleich stark, egal was die Ursache für die Kinderlosigkeit war.“

Eine Beratung kurz nach der Diagnose der Unfruchtbarkeit wurde von vielen Paaren nicht gewünscht. Zu einem späteren Zeitpunkt jedoch, wenn bereits mehrere Versuche künstlicher Befruchtung fehlgeschlagen waren, wurde sie als hilfreich erlebt. Am wichtigsten scheint für die Paare jedoch die Unterstützung durch den Partner und durch Freunde und Verwandte zu sein, ergab die Untersuchung. Doch diese sozialen Netze werden mit der Zeit schlechter, stellten Peronace und ihre Kollegen fest.

Um den Betroffenen zu helfen, mit der ungewollten Kinderlosigkeit zurechtzukommen, sollten sie daher motiviert werden, sich selbst Hilfe zu suchen. Es sei wichtig, neue soziale Netze aufzubauen, die nicht nur enge Freunde und Familienangehörige umfassen, erklärt Peronace. Dies könnten zum Beispiel andere Paare sein, die ebenfalls kinderlos sind, oder auch professionelle Beratungsstellen. Oder vielleicht auch unseere Foren.

European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE): 23rd annual meeting (Abstract no. 216)


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ninoa schreibt

    Die Ergebnisse dieser Studie stimmen ziemlich genau mit unseren Erfahrungen überein.

  2. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    warum auch sollte es nicht so sein?
    ist menschlich.

  3. Elmar Breitbach
    Alex schreibt

    Klar ist das für den Mann eine Belastung, da brauch ich doch keine Studie dafür. Wenn die Frau heult weil sie schon wieder ihre Tage bekommen hat anstatt schwanger zu sein, trifft das jeden Mann (der seine Frau/Freundin wirklich liebt)! Ich bin mir sicher dass die ganze "Auseinandersetzung" mit dem Thema Unfruchtbarkeit sogar psychisch beide enorm belastet. Gerade wegen des ständigen "im Hinterkopf" behalten wird die psychische Belastung so enorm hoch, dass DESWEGEN nichts mehr geht. Und das ständige Nachfragen der Freunde und Verwandtschaft "ist es bei euch auch bald so weit" oder "wann wollt ihr ein kind / wann fangt ihr an" belastet nur noch mehr. Also zieht man sich zurück und die Familientreffen werden mehr und mehr zum Spießrutenlauf. Dann wird sich entschieden ein Kind zu adoptieren, bzw. die Frau findet sich damit ab dass sie kein Kind bekommt und SCHWUPPS – ist sie schwanger. In meinem Bekanntenkreis ist das mehreren Paaren so gegangen. Warum? Meiner Meinung nach weil sie den Druck endlich wegbekommen haben. Den "selbstgemachten" und den von aussen.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich habe hier mal einen Artikel zu den psychischen Belastungen bei ungewollter Kinderlosigkeit heraus gesucht, um eine aktuelle Meldung unterzubringen. Diese hier: http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article6905088/Wenn-Arbeit-psychisch-krank-macht.html

    Hier ist von Arbeit die Rede, die psychisch rank macht. Krankschreiben wegen psychischer Leiden haben sich seit 1990 fast verdoppelt und verursachen inzwschen 11% aller Fehltage.

    "Die Behandlungskosten für depressive Störungen lägen inzwischen bei mehr als vier Milliarden Euro im Jahr. Für ihre Analyse hatte die Kammer Daten gesetzlicher Krankenkassen ausgewertet."

    Nicht ausgewertet wurde, welcher Anteil auf ungewollt Kinderlose entfällt, die ihre Kinderwunschtherapie nicht bezahlen können und daran verzweifeln. Das jedoch wäre sicher mal interessant, zu erfahren.