Angst, Depressionen und Schwangerwerden


Wer kennt ihn nicht. Den Spruch mit dem „Lockerbleiben“. Denn ohne Lockerbleiben wird das nichts mit der Schwangerschaft. So der gutgemeinte Hinweis der Mutter, Schwiegermutter, Tante und besten Freundin, die Ihnen ja nur einen guten Rat mit auf den Weg geben möchten. Schließlich sind sie auch so schwanger geworden. Einfach locker geblieben. Und Sie sind nicht nur verkrampft, sondern auch ängstlich, vielleicht sogar depressiv. So wird das nichts werden.

Natürlich ist es schöner, wenn man die Kinderwunschbehandlung unbeschadet übersteht und nicht von Ängsten und Depressionen gequält wird. Aber ist ein Zustand der Entspannung wichtig, um schwanger zu werden?

Es spielt es offenbar keine große Rolle, ob eine Frau besonders ängstlich ist oder zu Depressionen neigt. Dies zeigt eine niederländische Studie an 783 Frauen, die sich zum ersten Mal einer solchen Behandlung unterzogen und die sowohl vor als auch während der Therapie Fragebogen zu ihrer Gemütsverfassung ausfüllten. Es wurden also auch Änderungen der Gemütsverfassung während der Therapie erfasst.

Weder die per standardisiertem Fragebogen gemessene Ängstlichkeit vor oder während der Therapie noch das Vorhandensein von depressiven Verstimmungen beeinflusste den Erfolg der Therapie (Schwangerschaftsrate und fortlaufende Schwangerschaften). Selbst der Abbruch einer Behandlung war nicht durch der Gemütsverfassung der Patientin vorhersehbar.

Eine wichtige Studie, wie ich finde. Die große Zahl untersuchter Frauen und das saubere Studiendesign lassen eine schlüssige Aussage über den Zusammenhang zwischen Gemütsverfassung und Therapieerfolg bei IVF und ICSI zu.

Auch ist diese Information vielleicht geeignet, den Teufelskreis zu unterbrechen, in dem viele Patientinnen während einer Therapie stecken: Die Therapie führt zu Ängsten, Sorgen und vielleicht auch depressiven Verstimmungen. In der Annahme, dass dies wiederum die Schwangerschaftsraten verschlechtert, entsteht schlechtes Gewissen und eine Verstärkung der psychischen Belastung. Ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Jedoch für das Wohlbefinden (der Frau, nicht des Embryos) durchbrochen werden sollte. Vielleicht helfen die Ergebnisse dieser Studie dabei.

Lintsen AM, Verhaak CM, Eijkemans MJ, Smeenk JM, Braat DD
Anxiety and depression have no influence on the cancellation and pregnancy rates of a first IVF or ICSI treatment.
Hum Reprod. 2009 Jan 28


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Kommentar

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12 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Aus meiner Sicht wäre es auch illusorisch, dieser Situation locker und mit Heiterkeit zu begegnen und unangenehme Gefühle sind in den meisten Fällen angesichts der Erlebnisse völlig gesund, oder? Manchmal erreicht man mit der Akzeptanz dieser Gefühle mehr als mit einem "Weghabenwollen" (ich spreche nicht von wirklichen depressiven Symptomen, die gehören zum Therapeuten).
    Entsprechend direkt entgegne ich auf solche Ratschläge. Denn ich möchte mir Hinweise darauf, dass ich nur nicht entspannt genug wäre, gerne ersparen. Ich bin zwar nicht entspannt, aber das ist auch völlig okay so.

  2. Elmar Breitbach
    Wildfang schreibt

    Die "Macht mal Urlaub, dann klappt das auch"-Theorie ist genauso ein Mythos wie die berühmten Geschichten von resignierten Paaren, die dann adoptiert oder sich alternativ einen Hund angeschafft haben und kurz darauf doch plötzlich noch Eltern wurden.
    Das erklärt sich wohl durch die selektive Wahrnehmung, genauso wie der hartnäckige Mythos, bei Vollmond würden mehr Kinder geboren. Man merkt sich eben nur das, was die eigene Theorie besätigt, und sei sie auch noch so krude.

  3. Elmar Breitbach
    Teviona schreibt

    Dieser Artikel hat mir richtig gut getan, da der Teufelskreis, sich auch noch Vorwürfe zu machen, nicht unbedingt positiv für die Stimmung ist.
    Die "wir waren in Urlaub und dann war ich schwanger"-Theorie ist glaub ich oft auch eine Verschleierung einer Kinderwunschbehandlung mit "Auszeit" für PU und TF..
    Wenn ich den locker-bleiben-Satz von Freunden/Familie höre, kann ich innerlich ruhiger bleiben und mir den "Schuh nicht so sehr anziehen".
    DANKE!

  4. Elmar Breitbach
    Sommersonne1976 schreibt

    Hallo,
    ich könnte ein Buch über die Kommentare schreiben, die ich mir ständig von Bekannten und Kollegen anhören muss, warum wir noch keine Kinder haben.
    Das geht von "Du arbeitest zu viel" bis zu "Dein Mann ist auch viel zu dünn".
    Anm.: Er ist nicht viel zu dünn, er ist Langstreckenläufer und hat deshalb keinen Bierbauch wie die Männer meiner Kollegen den mit 30 bekommen haben.

    Sommersonne

  5. Elmar Breitbach
    Steffi schreibt

    Manche Leute drehen sich halt alles so, wie sie es grad gebrauchen können. Bei meiner letzten ICSI war ich völlig am Ende, weil ich vorher eine FG hatte und mein Vorgesetzter dann auch noch versuchte, mich zu kündigen. Als es dann klappte, durfte ich mir anhören: "Guck mal, dieses Mal hattest Du halt so viel um die Ohren, dass Du nicht so viel dran gedacht hast und deshalb hat es geklappt"…

  6. Elmar Breitbach
    mjuka schreibt

    Ich glaube schon, dass an dem Urlaubs-Spruch was dran ist. Bei zwei meiner Freundinnen war es so und bei beiden weiß ich, dass sie im Urlaub eeeeeeeeendlich mal wieder Sex hatten…

    *winke* Ute

  7. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Na, einen Hund haben wir inzwischen und der macht vieles leichter, nur schwanger eben nicht *lol*.

  8. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Diese Studie tut gut, denn in der Tat nimmt sie den bekannten Unkenrufern deutlich den Wind aus den Segeln (wobei ich bei manchen hier Zweifel hätte, dass sie sich selbst von belegbaren Daten in ihrer Meinung beeinflussen lassen würden). Was natürlich nicht heißen muss, dass es sich auf die allgemeine Befindlichkeit und im täglichen Leben positiv auswirkt, wenn man Ängste und Depressionen aktiv bekämpft – mir war das bei der eigenen Behandlung sehr wichtig, dass ich mich abgesehen vom Kinderwunsch sonst körperlich und seelisch wohl fühlte.

  9. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Oh Mann, man sollte nicht zu lange Sätze machen, das weiß man eigentlich, aber ich bin anfällig für sowas… Bitte gedanklich in meinem vorigen Beitrag ein "nicht" zwischen Leben und positiv einfügen…

  10. Elmar Breitbach
    judy schreibt

    Danke für diese Artikel, hat mich beruhigt. Bin nicht Entspannt, durch die Behandlungen, Zweifel, Druck und Erfolglosigkeit. Wie könnte ich auch, wie könnte es jemand, der Monat für Monat durchmacht, sich selbst täglich mit Nadel sprizten, mehrmahls im Monat zu Frauenarzt gehen, immer wieder anhören, tja, es tut mir Leid, hat diesmal nicht geklappt und wir machen weiter…
    Das macht mir auch noch schlechtes Gewissen, das ich nicht locker bleiben kann.
    Die Sätze, was Ihr auch schon geschrieben habt, "macht Urlaub, dann klappt es", "denk nicht immer daran", usw. kenne ich zu gut.
    Dagegen hilfst Ohren zumachen und an was angenehmes denken 🙂 oder einen anderen Thema ansprechen.
    Ich lebe meine Leben weiter, lese, lache, liebe, arbeite und hoffe.
    Hoffe trotzdem "unlocker" weiter und gebe nicht auf.

  11. Elmar Breitbach
    Wolke schreibt

    Ich danke auch SEHR für diesen Artikel! Diese vermeintlichen Glaubenssätze setzen auch mich unter Druck. Ich befinde mich gerade in der WS meiner 1. ICSi und gleichzeitig mitten in dem von Ihnen beschriebenen Teufelskreislauf – Angst-schlechtes Gewissen-Zunahme des Drucks. Da kommt dann leicht das GEfühl auf: "So kann es ja gar nichts werden". Nochmals ganz herzlichen Dank, ich fühle mich direkt besser 🙂

  12. Elmar Breitbach
    Cipralex schreibt

    Hallo zusammen,

    mir hängt es auch schon zu den Ohren raus „Entspann dich doch mal…“, „Setz dich doch nicht so unter Druck…“, „Denk doch mal an etwas anderes…“, „Hast du denn schon mal Entspannungstechniken ausprobiert…“, „Es gibt sooo viele Paare, bei denen es geklappt hat, als sie die mal losgelassen haben…“. ICH KANN DAS ALLES NICHT MEHR HÖREN! Ich weiß, dass sie es alle nur lieb meinen, aber *!$(§!“%&“!*
    Ich kann an nichts anderes mehr denken, als an unseren Kinderwunsch und deswegen klappt es bei mir nicht, mit dem Lockerlassen. Ich habe daher die psychologische Beratung in Anspruch genommen, nehme seitdem Cipralex gegen meine Depression. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal unter einer Depression leiden könnte, weil ich doch immer alles unter Kontrolle habe, aber genau das ist jetzt mein Problem. Ich versuche mich damit abzufinden, dass ich nicht alles unter Kontrolle habe. Ich nehme die Tabletten und drücke die Daumen…
    Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch bei uns mit dem Kinderwunsch eines Tages klappen wird!