TESE: Eingefrorene nicht schlechter als frische


Ich hatte kürzlich hier schon zwei Studien vorgestellt, welche die optimale Behandlung bei einer nonobstruktiven Azoospermie zum Thema hatten. Eine nonostroktive Azoospermien bezeichnet das völlige Fehlen von Spermien im Ejakulat aufgrund einer verminderten Spermienproduktion im Hoden. In solchen Fälle wird dann üblicherweise eine operative Spermienentnahme aus dem Hoden durchgeführt (TESE) und die so gew0nnen Samenzellen im Rahmen einer *icsi* zur Befruchtung der Eizellen verwendet.

Logistisch einfacher ist es, diesen Eingriff zunächst durchzuführen und die Samenzellen bis zur weiteren Verwendung einer Kryokonservierung zuzuführen.

Unter diesem Einfrierprozess leidet jedoch die Beweglichkeit der Spermien, weshalb die Überlegung naheliegt, die Spermien dann operativ zu gewinnen, wenn sie benötigt werden, also am Tage der Eizellentnahme, um sie dann gleich „frisch“ verwenden zu können.

Die zwei Studien aus dem letzten Jahr zeigten keine Unterschiede in der Schwangerschaftsrate, jedoch waren die Fallzahlen recht klein und daher trotz eines guten Studiendesigns nicht beweiskräftig genug.

Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe hat nun eine Studie veröffentlicht, bei der die Befruchtung von insgesamt 3280 Eizellen von 188 Patientinnen untersucht wurde. Insgesamt wurden 318 Behandlungszyklen dokumentiert, in denen 38 mal frische Spermien verwendet wurden und in 280 Fällen eingefrorenes Material.

Die Befruchtungsrate zeigte dabei keine nennenswerten Unterschiede nach Verwendung von eingefrorenen (59,9%) und frischen Spermien (53,6%). Ebenso waren die Schwangerschaftsraten (27,3% bzw. 27%) praktisch identisch in den beiden Gruppen.

Statistische Bewertung: Während es statistisch signifikant nachgewiesen werden konnte, dass sich die Schwangerschaftsraten in beiden Gruppen („frisch“ und eingefroren) nicht voneinander unterscheiden, war dies mit der genannten Fallzahl für die Befruchtungsraten nicht möglich.

Da jedoch die Befruchtungsrate für die Erfolgsbewertung einer Therapie im Vergleich zur Schwangerschaftsrate weniger von Bedeutung ist, ziehen die Autoren der Studie aus den Ergebnissen den Schluss, dass das Einfrieren von Hodenbiopsaten zu ähnlich guten Resultaten führt, wie frisch gewonnene Proben und daher diese Methode aufgrund der organisatorischen Vorteile vorzuziehen ist. Nicht zuletzt auch deswegen, weil man diese Prozedur beim Mann dann nicht wiederholen muß, sollte eine Schwangerschaft nicht eintreten.

Wald M, Ross LS, Prins GS, Cieslak-Janzen J, Wolf G, Niederberger CS
Analysis of Outcomes of Cryopreserved Surgically Retrieved Sperm for IVF/ICSI.
J Androl. 2006 Jan-Feb;27(1):60-5.


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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ergebnisse mit einer höheren Fallzahl gibt es dazu auch erstmalig im D.I.R. 2004. Hier gibt es nun eine neue Tabelle, in der die Erfolge in Abhängigkeit von der Spermiengewinnung ausgewertet werden, u.a. auch TESE und Kryo-TESE.

    Bei der TESE wurden 297 Behandlungszyklen mit Embryonentransfer dokumentiert mit 21,89% klin. Schwangerschaften. Geburten und Aborte pro Schwangerschaft wurden noch nicht vollständig dokumentiert, jedoch 44,62% Geburten und 30,77% Aborte ausgewiesen.

    Bei der Kryo-TESE wurden 1270 Behandlungszyklen mit Embryonentransfer dokumentiert mit 26,14% klin. Schwangerschaften. Geburten und Aborte pro Schwangerschaft wurden noch nicht vollständig dokumentiert, jedoch 47,59% Geburten und 20,78% Aborte ausgewiesen.

    Also hier waren die Ergebnisse bei der Kryo-TESE sogar etwas besser.

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    danke. da hätte ich auch mal reinsehen können 🙂

  3. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Da in der gleichen Tabelle auch die Erfolge der Spendersamen-IVF dokumentiert wurden, hätte ich mir ja gewünscht, dass auch die Spendersamen ICSI mit aufgeführt wird. Leider (ich frag mich warum) tauchen unter ICSI die Befruchrtungen mit Spendersamen nicht mit auf. Dabei werden mittlerweile mehr Heterologe ICSI als Heterologe IVF durchgeführt, weil es angeblich so viel aussichtsreicher sein soll. Ich bin da noch am Zweifeln und suche einen statistischen Beleg dafür.

    Doc Breitbach – falls Sie dazu auch noch was finden, bitte auch dazu noch einen Blog. Vielen Dank!

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen: Die Proben für HI sind leider oft nur mittelmäßig und aufgrund des Aufwandes, den man mit einer IVF betreibt entscheidet man sich oft lieber zu einer ICSI, um nicht Gefahr zu laufen, später ohne oder mit zu wenigen befruchteten Eizellen dazustehen.

    Ist aber eine gute Idee, ich werde das mal auf meine (leider lange) Todo-Liste setzen

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Danke. Haben Sie denn eine aussagefähige interne Statistik Ihrer Klinik, die Heterologe IVF und ICSI vergleicht? Um wieviel Prozent liegt da die ICSI über der IVF?

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ Rebella,

    nein, eine wissenschaftlich aussagefähige Auswertung der Daten haben wir nicht, dazu sind die Fallzahlen auch nciht ausreichend hoch. Ich vermute aber, dass die Ergebnisse ähnlich gut sind, da man die ICSI ja nur bei entsprechenden Befunden durchführt, um sicher zu gehen und bei besseren Befunden wird dann eine IVF gemacht. Dadurch wird also gewährleistet, dass (fast) immer befruchtete Eizellen zur Verfügung stehen nud wenn man diese hat, dann sind die sich daraus ergebenden Schwangerschaftsraten gleich.

    Wie gesagt: Ohne Gewähr…..

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Nach meinen Erfahrungen, die ich hier in den Foren gesammelt habe, wird aber heute (nahezu) jedem Paar, das eine Reagenzglasbefruchtung mit Spendersamen beabsichtigt, gleich zur ICSI geraten. Zumindest kenne ich keinen Fall, wo es dann nur die IVF gab. Für mich ist das unverständlich, da es eine – etwas ältere – Studie der Universität Jena gibt, nach der die Erfolgsraten bei heterologer IVF 2,1mal so hoch waren wie bei homologer IVF. Das bestätigten damals auch meine Beobachtungen mit relativ geringen Fallzahlen im Forum (10 – 15 Fälle). Ich kann nicht behaupten, dass meine Beobachtungen jetzt mit der H-ICSI so exorbitant – wenn überhaupt – besser wären. Wenn man dabei dann mal an die zusätzlichen Kosten denkt …

  8. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Hm, diese Studie der Universität Jena kenne ich auch (vom Hörensagen) und die dort genannten Schwangerschaftsraten sind sehr hoch und unverständlich für mich ist, dass die Schwangerschaftsraten bei der homologen IVF im Vergleich sehr viel schlechter waren. Diese Daten halte ich, soweit ich sie kenne, für wenig aussagekräftig.

    Wie gesagt, einen systematischen Vergleich zwischen HIVF und HICSI kann ich leider auch nicht anbieten, da muss ich passen