TESE: Einfrieren oder gleich ICSI?


Wenn keine Spermien im Ejakulat zu finden sind, kann dies auf einen Verschluss der Samenwege zurückzuführen sein oder auf eine verminderte Spermienproduktion im Hoden (nonobstruktive Azoospermie). In solchen Fällen ist eine Hodenbiopsie (TESE) zur Gewinnung von Spermien mit anschließender ICSI der übliche Behandlungsweg. In einer aktuelle israelischen Studie wurde untersucht, ob die sofortige Verwendung der durch TESE gewonnen Spermien zu besseren Ergebnissen führt, als die mittlerweile übliche nach Einfrieren der Hodenprobe oder der daraus gewonnen Spermien.

Dazu wurde bei 13 Paaren zunächst eine *icsi*-Behandlung und zeitgleich zur Eizellentnahme einer Hodenbiopsie durchgeführt. Trat keine Schwangerschaft ein, wurde in einem weiteren Zyklus das bei der Biopsie eingefrorene Hodengewebe verwendet.

Wie eigentlich zu erwarten war, zeigte sich nach Einfrieren und wieder Auftauen ein signifikanter Verlust der Beweglichkeit der Spermien, was dazu führte, dass in 38,5% der Behandlungen nur unbewegliche Spermien zur Verfügung standen. In der „frischen Gruppe“ waren dies nur 7,7%. Trotz dieses deutlichen Unterschieds hinsichtlich der Beweglichkeit war die Befruchtungsrate annähernd gleich (44,9 gegenüber 41,1%) und ebenso die Schwangerschaftsrate (18,2% bzw. 15,4%). Die Autoren schlussfolgern, dass der Motilitätsverlust der Spermien durch den Einfrierprozess die Erfolgsraten der ICSI nicht schmälert.

Zu dem gleichen Schluss kam eine türkische Arbeitsgruppe, die in einer retrospektiven Untersuchung ebenfalls die Erfolgsraten bei eingefrorenen und frischen Proben verglich. In dieser Studie kamen jedoch nicht nur Biopsien aus dem Hoden zum Einsatz (TESE) sondern auch Punktate aus dem Nebenhoden (MESA). Die Befruchtungsrate bei der ICSI zeigte bei den Proben aus dem Nebenhoden keinen Unterschied, bei den TESE-Proben ergab sich eine Differenz von 65,8% zu 72,3%. Auch in dieser Studie waren die Einnistungsraten und Schwangerschaftsraten jedoch identisch, unabhängig davon ob eingefrorene oder frische Spermien verwendet wurden.

Die Unterschiede bei der Befruchtungsrate in den beiden Studien ist erklärbar durch die Tatsache, dass in der ersten Studie ausschließlich Hodenbiopsien untersucht wurden, bei denen nur wenige motile Spermien gefunden werden konnten. Also „Extremfälle“, was mit „Severe hypospermatogenesis“ zum Ausdruck kommt.

Hauser R, Yogev L, Amit A, Yavetz H, Botchan A, Azem F, Lessing JB, Ben-Yosef D.
Severe hypospermatogenesis in cases of nonobstructive azoospermia: should we use fresh or frozen testicular spermatozoa?
J Androl. 2005 Nov-Dec;26(6):772-8

Ulug U, Bener F, Karagenc L, Ciray N, Bahceci M.
Outcomes in couples undergoing ICSI: comparison between fresh and frozen-thawed surgically retrieved spermatozoa
Int J Androl. 2005 Dec;28(6):343-9


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