Spermien: Kaputtes Erbgut vermindert Erfolgsraten


Schlechte Befruchtungsraten bei ICSI, fehlende Weiterentwicklung der Embryonen, schlechte Schwangerschaftsraten und erhöhte Fehlgeburtsrate. Das kann die Folge von defektem Spermien-Erbgut sein.

Dabei geht es nicht um fehlende Chromosomen, sondern die Brüchigkeit der eigentlichen Erbsubstanz (DNA-Fragmentierung). Tritt eine solche Fragmentierung gehäuft auf, dann sind die Chromosomen zwar äußerlich in Ordnung, das Erbgut, welche diese enthalten, jedoch nicht intakt.

Eine Studie zeigt nun die Folgen einer solcherart gehäuften DNA-Fragmentierung auf. Dazu wurden bei 322 Paaren, die sich einer IVF (88) oder ICSI (234) unterzogen 2 bis 5 Monate vor der eigentlichen Behandlung die Spermien des Mannes untersucht. Mit Hilfe der sogenannten „terminal deoxynucleotidyl transferase-mediated digoxigenin-dUTP nick-end labeling (TUNEL)“ Technik wurde die Häufigkeit von DNA-Bruchstücken im Erbgut der Spermien untersucht. Diese komplizierte Name steht für eine Methode, die das Enzym „terminal deoxynucleotidyl transferase“ verwendet. Dies dockt am Ende eines DNA-Strangs an und wenn man es entsprechend markiert, lässt sich die Zahl und Art der Bruchstücke im Erbgut feststellen.

Die Ergebnisse:

  • Es fand sich eine Korrelation zwischen der Spermienqualität und der Zahl der DNA-Fragmentierungen
  • Die Befruchtung blieb trotz ICSI bei Fragmentierungen häufiger aus
  • War der Fragmentationsindex > 15%, dann kam es häufiger (ICSI=18,2%) zu einem Stillstand der Embryonalentwicklung (Arrest)
  • Bei der ICSI stieg die Rate an Fehlgeburten um das Vierfache, wenn mehr als 15% der Spermien von einer Fragmentierung des Erbguts betroffen waren

Wenngleich aufgrund der guten Korrelation der Spermienqualität mit dem Anteil gestörten Erbguts auch ohne eine solche Technik die Erfolgsraten einschätzbar sind, so kann man dies mit der TUNEL-Technik im Vorfeld jedoch wesentlich besser abschätzen und eine zuverlässigere Prognose für das betroffene Paar erstellen.

Benchaib M, Lornage J, Mazoyer C, Lejeune H, Salle B, Francois Guerin J.
Sperm deoxyribonucleic acid fragmentation as a prognostic indicator of assisted reproductive technology outcome.
Fertil Steril. 2006 Oct 27; [Epub ahead of print]


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Sehr interessant. Gibt es auch Erkenntnisse dazu, bei wievielen Männern diese Fragmentierungen in zu hoher Anzahl vorliegen?

    Wie teuer ist dieses Verfahren? Wäre es denkbar, dieses auch bei Spendern anzuwenden und dann nur solche auszuwählen, bei denen ausreichend wenig Fragmentierungen vorliegen?

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Das Verfahren ist nicht billig, ich kann aber über die Preise nicht viel sagen. Zumindest vermutlich zu teuer, um bei gutem bis sehr gutem Spermiogramm eine solche Untersuchung durchzuführen. Denn ich habe es nicht ausdrücklich erwähnt: In der Gruppe derer, die mit eine IVF behandelt werden konnten, also auch bessere Spermien zur Verfügung hatten, waren die Ergebnisse nur unwesentlich unter dem Durchschnitt.

    ich vermute, dass die Methode durch vermehrten Einsatz noch billiger werden wird und auf mittlere Sicht zumindest bei ICSI-Paaren als Zusatzleistung zur Verfügung stehen wird

  3. Elmar Breitbach
    dacat schreibt

    Wo kann ich bzw. mein Mann diese Untersuchung in Deutschland durchführen lassen? Es wäre ein Lichtblick.

  4. Elmar Breitbach
    Jozi schreibt

    Bei uns wurde nicht TUNEL, sondern eine CMA3 Untersuchung gemacht, die einen Anhaltspunkt auf DNA Schäden gibt. Das Ergebnis war niederschmetternd. Aber was dann? Hört man auf, weil man schlechtere Chancen hat? Insofern ist die Frage, was einem der Test bringt. Insbesondere, wenn er teuer ist.