Sorgt die EU für billigere Medikamente?


Die Pharmaindustrie steht gegenwärtig unter heftigem Beschuss durch die europäische Wettbewerbsbehörde. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes legte der Europäischen Kommission heute einen Bericht vor, aus dem hervorgeht, dass die Firmen mit illegalen Absprachen und dem Missbrauch ihrer Patente den Marktstart günstiger Nachahmermedikamente verzögert haben.

Bei manchen „Cashcows“ der Pharmaindustrie bestehen bis zu 1000 Einzelpatente, die zu einer künstlichen und medizinisch nicht nachvollziehbaren Verlängerung des Zeitraums führen, in dem die Medikamente nur von einem Hersteller vertrieben werden können. Außerdem scheinen Absprachen der Patentinhaber untereinander aber auch mit den Produzenten von Generika (=preisgünstige Nachahmerpräparate) zu bestehen. Neelie Kroes fasste diese Situation in einem Bild zusammen: „Wenn jemand das Recht erhielte, meinen Garten zu betreten, dann könnte ich ihm Geld dafür anbieten, dass er dies unterlässt„. Offenbar besteht der konkrete Verdacht, dass Geld an die Hersteller von Generika geflossen sei, um die Entwicklung von Generika zu unterbinden. Für die Hersteller eine „Win-win“ Situation, jedoch nicht für die Patienten, die dadurch sehr viel höhere Preise zahlen müssen, als es notwendig wäre.

Am Montag hatte es bei zahlreichen Pharmaunternehmen in Europa unangekündigte Durchsuchungen gegeben, um diesen Verdachtsmomenten nachzugehen. Wenn man sich vor Augen hält, dass die Wettbewerbskommissarin es bereits geschafft hat, dass der Stromriese Eon sein Stromnetz verkaufen muss, dann stehen der Pharmaindustrie harte Zeiten bevor. Bleibt zu hoffen, dass die Patienten davon profitieren. Wenn man bedenkt, dass 2/3 der Kosten für eine künstliche Befruchtung alleine durch die Medikamente entstehen, ist dies sicherlich auch für Kinderwunsch-Patienten zu wünschen.


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Ich frage mich immer, warum Medikamente in D so viel teurer sind als im Ausland, das kann eigentlich nicht nur an den Absprachen liegen, denn die Hersteller bieten die gleichen Medikamente ja überall an und daraus würde ich schließen, dass die Absprachen überall bestehen.
    Wenn ich z.B. an HCG denke, dass in D fast nur noch in Form von deutlich übersteuerten Medikamenten erhältlich sind, dann ist das schon komisch.