Schlechte Spermien durch Hodenkrampfader?


Krampfadern am Hoden werden als Varikozele bezeichnet und sind ein relativ häufiger Befund bei der urologischen Untersuchung der Fruchtbarkeit des Mannes. Man vermutet, dass der verstärkte Blutfluss im Hoden zu einer Überwärmung des Hodens führen kann und dadurch die Spermienproduktion beeinträchtigt wird. Daher wird in diesen Fällen oft zu einer Entfernung der Varikozele geraten.

Es ist jedoch immer noch umstritten, ob diese Operation tatsächlich zu einer verbesserten Fruchtbarkeit führt und auch die Ergebnisse der dazu publizierten Studien sind uneinheitlich oder werden unterschiedlich interpretiert, wie es auch im Theorie-Teil zum Thema Varikozele ausführlich beschrieben wird. Interessant ist in der dort zitierten Literaturübersicht, dass der Empfehlungen des Arbeitskreis Andrologie der Deutschen Gesellschaft für Urologie die Indikation für diese Operation großzügig stellt, obwohl die Cochrane Database Analyse der kontrollierten Studien zu diesem Thema zeigt, dass Schwangerschaften nach einer solchen Operation nicht häufiger auftreten als ohne.

Möglicherweise liegt dies daran, dass urologische Studien als Endpunkt die Verbesserung des Spermiogramms festlegen, während es in eher reproduktionsmedizinischen Veröffentlichungen die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft ist. Wobei ich hier natürlich parteiisch bin und letzteres auch für sinnvoller halte.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) in Köln hat nun zu diesem Thema auch Stellung genommen und orientiert sich dabei an den Ergebnissen der Cochrane Database.

Das ergab eine Untersuchung von niederländischen Forschern der Cochrane Collaboration, die mehrere Studien mit insgesamt rund 600 Teilnehmern auswerteten. Bereitet die Varikozele keine größeren Beschwerden, sei von einer Operation daher eher abzusehen.

Nun habe ich mich natürlich gleich auf die Suche nach dieser Studie gemacht und bin fündig geworden [1]. Natürlich war ich gespannt, ob sich die Einschätzung zur Operation geändert hatte, wunderte mich jedoch nicht, als ich die gleiche Schlussfolgerung wie vor 5 Jahren fand: „There is no evidence that treatment of varicoceles in men from couples with otherwise unexplained subfertility improves the couple’s chance of conception.“ Kurzübersetzung: Es gibt keinen Beweis für eine höhere Schwangerschaftsrate nach dieser Operation.

Bemerkenswert ist jedoch, dass seit der Publikation von vor 5 Jahren keine neuen Studien mehr hinzugekommen sind, die den strengen Kriterien der Cochrane Collaboration genügen und der Studientext von vor 5 Jahren identisch mit dem von 2009 ist.

Trotzdem werden diese Eingriffe weiterhin durchgeführt mit dem Ziel der Verbesserung der Fruchtbarkeit. Nun mag es ja sein, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Operation die Chancen verbessert und die Operateure aufgrund eigener Erfahrungen trotz dieser Studienlage die Operation propagieren. Sie müssen sich dann jedoch den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Effektivität diese Vorgehensweise nicht mit aktuellen und kontrollierten Studien belegen. Im eigenen Interesse wären solche Belege wichtig, denn sonst setzt man sich schnell dem Verdacht aus, dass man diese Operationen nur aus finanziellen Gründen durchführt.

Evers JL, Collins JA
Surgery or embolisation for varicocele in subfertile men.
Cochrane Database Syst Rev. 2009 Jan 21;(1):CD000479


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Sterni_01 schreibt

    Das Ergebnis der Studie kann ich (leider) bestätigen. Mein Mann hat sich operieren lassen aber die Verbesserung der Spermien blieb aus. Mein Kiwu-Doc hat mal gesagt: "Mit der Erfingung der KB sind die Forschungen am Mann, wie man dessen Zeugungsfähigkeit wieder herstellen kann, praktisch gegen Null gefahren!" Das sagt doch eigentlich alles. Wenigstens sind die unangenehmen Schmerzen weg und so gesehen war der Eingriff nicht völlig überflüssig.

  2. Elmar Breitbach
    feenmama schreibt

    auch bei uns gab es nach dieser OP keinen Erfolg.

  3. Elmar Breitbach
    tmax schreibt

    Ich habe mich vor 3 Tagen operieren lassen. Mir wurde zuvor erklärt, dass die OP ca. 30 min. dauern würde. Nachdem ich eine Stunde auf dem OP-Tisch lag, wurde ich unruhig und es fing zudem auch an unangenehm zu schmerzen.
    Der Arzt sagte mir, dass sich jetzt alle etwas gedulden müssen – sie finden die gesuchte Vene nicht. Bis dahin hatten sie schon eine Vene angestochen und Kontrastmittel eingespritzt(war die falsche). Nach 2 Stunden dann kam die Entschuldigung des Arztes, dass sie die OP ohne Erfolg abbrechen müssen, da nichts zu finden sei und sie nicht weiteres Gewebe verletzen dürfen. Die Krampfader ist aber noch da und es soll jetzt eine alternative Methode (durch die Bauchdecke unter Vollnarkose) angewand werden.
    Vielleicht hat jemand schon Erfahrungen hiermit. Natürlich ist man verunsichert und weiß nicht, ob man sie ein weiteres Mal so einer Prozedur aussetzen soll. Der Erfolg ist ja schließlich auch nicht garantiert. Viele Grüße!

  4. […] auf die Zeugungsfähigkeit beschäftigt. Der 2009 aktuelle Stand der Dinge wurde auch hier ausführlich erläutert. In der Regelmäßig aktualisierten Zusammenfassung fand sich damals – wie auch schon in den […]