Morphologie der Spermien unwichtig bei IVF


Das Aussehen (Morphologie) der Spermien ist einer von drei Faktoren, die man bestimmt, wenn man die Qualität der Spermien untersucht. Die Frage nach der Relevanz dieser Untersuchung für die Feststellung der männlichenFruchtbarkeit ist unklar. Vielleicht von mir noch der Hinweis, dass dies unter anderem Thema meiner Doktor-Arbeit war und die Morphologie bei Inseminationen im Gegensatz zu Zahl und Beweglichkeit der Spermatozoen keine wesentliche Rolle zu spielen scheint.

Oft wird bei schlechter Morphologie (Teratozoospermie) jedoch gleich eine ICSI empfohlen, weil man davon ausgeht, dass ein hoher Anteil morphologisch auffälliger Spermien die Befruchtungsfähigkeit einschränkt. Die Frage ist, ob dies bei ansonsten normalen Spermienparametern gerechtfertigt ist, wurde in einer aktuellen Studie untersucht.

In einer retrospektiven Untersuchung wurden 535 IVF-Behandlungszyklen bei 495 Paaren untersucht. In den Ejakulatuntersuchungen fanden sich in der Studiengruppe weniger als 5% normal geformte Spermien, wobei die sogenannten „strict criteria“ angewendet wurden. Hier liegt der Normwert bei mindestens 15% Spermien mit normaler Morphologie.

Verglich man die Resultate der IVF mit denen, wo die Spermienqualität ohne Einschränkungen normal war, dann zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Befruchtungs- und Schwangerschaftsrate sowie die Zahl lebendgeborener Kinder waren in beiden Gruppen ohne wesentliche Unterschiede. Auch wenn bei den Paaren mit schlechter Spermienmorphologie einer ICSI durchgeführt wurde, führte dies nicht zu einer Verbesserung der Erfolgsraten.

Die isolierte Teratozoospermien scheinen den Ausgang einer IVF nicht zu beeinflussen, was in Anbetracht der möglichen Restrisiken bei der ICSI im Zweifel zu einer Entscheidung für eine IVF führen sollte. Eine ICSI ist in diesen Fällen nicht erfolgreicher.

Keegan BR, Barton S, Sanchez X, Berkeley AS, Krey LC, Grifo J
Isolated teratozoospermia does not affect in vitro fertilization outcome and is not an indication for intracytoplasmic sperm injection.
Fertil Steril. 2007 Apr 18; [Epub ahead of print]


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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    fassi schreibt

    ..das finde ich echt überraschend !

    Während man doch sonst bei anderen Zellen oder Gewebsproben gerade anhand einer veränderten oder atypischen Morphologie wichtige Rückschlüsse auf Störungen ziehen kann ( z.B PAP / Krebsvorsorge)

    ..und hier scheint das am IVFICSI Ergebnis nichts zu ändern..

  2. […] die Frage nach dem Einfluss der Morphologie auf den Ausgang einer künstlichen Befruchtung. In einer älteren Studie konnte bereits gezeigt werden, dann bei einer konventionellen IVF die isolierte Teratozoospermie […]