Micro-TESE: Spermien auch nach Chemotherapie


Sind im Ejakulat eines Mannes keine Spermien vorhanden, dann ist es mit Hilfe einer Hodenbiopsie oft noch möglich, durch eine Hodenbiopsie (TESE) ausreichend Samenfäden für eine künstliche Befruchtung zu finden.

Nach einer Chemotherapie sind die Keimzellen jedoch oft nachhaltig zerstört und auch in multiplen Biopsien können dann nur selten Spermien nachgewiesen werden. Sicherlich ist es am besten, bereits VOR einer Chemotherapie Spermien abzugeben und für die spätere Verwendung einzufrieren. Aber gelegentlich wird daran nicht gedacht oder die Umstände lassen keine Zeit mehr dafür.

Im „Journal of clinical oncology“ publizierte nun eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler ihre Erfahrungen mit der „microdissection TESE“, bei der mit Hilfe eines Operationsmikroskops die Hodenkanälchen sorgfältig abgesucht werden, um noch vitale Zonen besser erkennen zu können. Auch in Deutschland wird diese Methode unter dem Begriff „Micro-TESE“ angewandt.

Bei 73 Patienten wurden insgesamt 84 Operationen mit dieser Technik durchgeführt. Trotz der durchweg ungünstigen Voraussetzungen konnten bei 37% der Männer und 42,9% der Eingriffe Spermien gefunden werden. Die Ergebnisse der anschließenden ICSI-Therapien litten nicht unter der üblicherweise sehr geringen Spermienzahl: Die Befruchtungsrate lag bei 57,1% und die Lebendgeburtenrate bei 42%.

Die Ausbeute war nachvollziehbarerweise auch abhängig von der Art der vorher durchgeführten Chemotherapie. Insbesondere, wenn Alkylantien zu Einsatz kamen, lag die Auffindungsrate deutlich niedriger.

Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass auch nach einer Chemotherapie eine (Mikro-)TESE sinnvoll sein kann, empfehlen jedoch auch das Einfrieren von Spermien vor der Chemotherapie als besten Weg, die Fruchtbarkeit indirekt zu erhalten.

Eine weitere Gruppe von Patienten, die einen Sonderstatus bei Männern mit einer Azoospermie hat, sind Männer mit einem Klinefelter-Syndrom. Diese weisen eine Trisomie der Geschlechtschromosomen auf (XXY). Sind bei jungen Männern die Aussichten für einen positiven Ausgang der Operation recht gut, so ist dagegen in höherem Alter (> 35) ist die Prognose für das Auffinden von Spermien bei einer konventionellen TESE eher schlecht. Deshalb kommt auch hier in spezialisierten Zentren die mikrochirurgisch unterstützte Hodenbiopsie zum Einsatz.


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