Man kann es sich aussuchen: Schlechte Spermien oder Heuschnupfen

Medikamente gegen Allergien können die Spermienqualität beeinträchtigen

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Welchen Einfluss haben Antihistaminika auf die Spermienqualität? Eine Studie zeigt, dass die häufig gegen Allergien verwendeten Antihistaminika negative Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit haben können.

Im Zusammenhang mit Allergien, sei es nun Heuschnupfen, Lebensmittelallergien oder Überreaktionen des Immunsystems auf Fremdstoffe (Allergene), spielen Histamine eine große Rolle. Sie vermitteln die akuten Abwehrreaktionen des Körpers auf die Allergene und lassen Augen tränen, Nasen laufen und die Haut rot werden.

Antihistaminika gegen Allergien

Gegen diese lästigen Symptome der Allergien sind Antihistaminika die am häufigsten verwendeten Medikamente. Und da Allergien in der westlichen Welt auf dem Vormarsch ist, steigt der Bedarf und die Anwendungshäufigkeit der Antihistaminika. So hilfreich sie sind: Sie haben bedauerlicherweise auch Nebenwirkungen. Neben der oft beklagten Müdigkeit gibt es offenbar auch Auswirkungen auf den Hormonstoffwechsel und die Fruchtbarkeit.

Antihistaminika vermindern die Spermienqualität

Argentinische Wissenschaftler führten einen systematische Rückschau auf bislang zu diesem Thema veröffentlichte Studien durch1)Mondillo C, Varela ML, Abiuso AMB, Vázquez R
Potential negative effects of anti-histamines on male reproductive function.
Reproduction. 2018 Mar 9. pii: REP-17-0685. doi: 10.1530/REP-17-0685.
. Wichtig ist dabei, das es sich hier um Untersuchungen an Tieren handelte, deren Übertragbarkeit auf den Menschen nicht eins zu eins gegeben ist, jedoch durchaus Rückschlüsse auf die menschliche Fruchtbarkeit zulässt. Studien an Menschen existieren bislang nur in geringer Zahl und bedauerlicherweise ebenso geringer Aussagekraft.

Im Tierexperiment führten hochdosierte Gaben von Antihistaminika zur Beeinträchtigung aller relevanten Parameter der Spermienproduktion. Auch die Testosteronwerte waren betroffen.

Die Ergebnisse sind nachvollziehbar, da sich Histaminrezeptoren auch an Hodenzellen (Leydigzellen) befinden. Antihistaminika blockieren die Wirkung des Histamins an menschlichen Zellen – und das eben auch am Hoden. Aber nicht nur die Testosteronsynthese in den Leydigzellen kann beeinflusst werden, sondern auch die Spermienproduktion selbst, da sich entsprechende Rezeptoren auch in den „Tubuli“ befinden, also dem Ort der eigentlichen Spermienherstellung.

Weitere Studien notwendig

Obwohl die negativen Auswirkungen der Antihistaminika auf die Hodenfunktion theoretisch und im Tierexperiment belegt bzw. nahegelegt werden, sind weitere Studien – vor allem solche mit menschlichen Probanden – notwendig. Die Autoren der aktuellen zusammenfasenden Übersicht erhoffen sich dadurch dann auch eine verbesserte Therapie der von Allergien betroffenen Männer. Natürlich möglichst mit dem Fokus auf den Erhalt der Fruchtbarkeit.

Was sonst noch wichtig ist, wenn man seine Spermienqualität verbessern möchte, finden Sie in unserer Übersicht zu diesem Thema: Mythen und Fakten: Was kann man für bessere Spermien tun?

 

 


Literatur   [ + ]

1. Mondillo C, Varela ML, Abiuso AMB, Vázquez R
Potential negative effects of anti-histamines on male reproductive function.
Reproduction. 2018 Mar 9. pii: REP-17-0685. doi: 10.1530/REP-17-0685.

Kommentar

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2 Kommentare
  1. Libby1234 schreibt

    Danke für den wie immer interessanten Beitrag!

    Nur: Der Titel verwirrt mich jetzt… Müsste doch heißen: „Gute Spermien oder kein Heuschnupfen“ oder auch „Schlechte Spermien oder Heuschnupfen“, oder? Wer würde sich denn bei der Alternative im Titel für den Heuschnupfen entscheiden?

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Danke….