Männliche Unfruchtbarkeit geht mit erhöhtem Risiko für Prostatakrebs einher.

Wer durch ICSI Vater wird, hat ein erhöhtes Risiko.


Das Risiko für eine bösartige Erkrankung ist bei Männern mit einer eingeschränkten Fruchtbarkeit erhöht, wie auch eine aktuelle Studie für den Prostatakrebs bestätigt.

Man wird nie genau sagen können, ob eine Neigung zu bösartigen Veränderungen an Hoden oder Prostata zu einer Verschlechterung der Spermienqualität führt oder ob die eingeschränkte Fruchtbarkeit erst das Risiko für Krebserkrankungen erhöht. Dass es hier einen Zusammenhang zu geben scheint, wurde in einer Übersichtsarbeit 2015 gut zusammengefasst1)Tvrda, E., Agarwal, A., & Alkuhaimi, N. (2015). Male reproductive cancers and infertility: a mutual relationship. International journal of molecular sciences16(4), 7230-7260. [Link zur Studie].

Im Vordergrund der Studien zum Thema Fruchtbarkeit und Krebs standen bei den Männern vor allem bösartige Veränderungen des Hodens. Zuletzt rückte aber auch der Prostatakrebs in den Fokus der Forscher2)Walsh, T. J., Schembri, M., Turek, P. J., Chan, J. M., Carroll, P. R., Smith, J. F., … & Croughan, M. S. (2010). Increased risk of high‐grade prostate cancer among infertile men. Cancer116(9), 2140-2147.. Da dieser meist erst im sechsten oder siebten Lebensjahrzent eintritt, ist der Zusammenhang hier nicht so augenfällig. Eine aktuelle Studie belegt das erhöhte Risiko nun jedoch auch recht überzeugend.

Schwedische Studie zeigt erhöhtes Risiko für Prostatakrebs

Eine Studie aus Schweden3)Al-Jebari Y, Elenkov A, Wirestrand E, Schütz I, Giwercman A, Lundberg Giwercman Y
Risk of prostate cancer for men fathering through assisted reproduction: nationwide population based register study.
BMJ. 2019 Sep 25;366:l5214
glich die Daten von Geburtsregistern mit Gesundheitsdatenbanken über einen Zeitraum von 20 Jahren (1994-2014) ab [Link zur Studie]. Dabei wurden die Daten von 1.181.490 in Schweden geborenen Kindern und die Art ihrer Zeugung mit der Krankengeschichte der Väter abgeglichen.

  • 20.618 Kinder wurden durch eine IVF gezeugt
  • 14.882 Schwangerschaften entstanden durch eine ICSI
  • 1.145.990 Kinder wurden auf normalem Wege gezeugt.

Bei 77 der „IVF-Väter“ (0.37%), 63 der ICSI-Väter (0.42%) und 3244 der übrigen Väter (0.28%) trat in dem Untersuchungszeitraum ein Prostatakrebs auf. Zunächst ist dies erst einmal beruhigend, denn die absolute Zahl der betroffenen Männer ist in jeder Gruppe niedrig. Aber relativ gesehen, gibt es Unterschiede, die statistisch signifikant sind. Wurden die Männer durch eine künstliche Befruchtung Väter, dann stieg das relative Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, um über 60%. Bei den Männern, deren Kinder durch eine ICSI gezeugt wurden, war auch das Risiko für einen frühen Eintritt der Erkrankung (< 55 Jahre) deutlich erhöht.

Höheres Risiko nur bei schlechten Spermien?

Interessanterweise waren aber nicht nur die Väter nach ICSI betroffen, wie man vermuten würde, da diese ja eine schlechte Spermienqualität aufweisen. Man fragt sich jedoch, warum zum Beispiel Männer betroffen sind, deren Kind durch eine IVF entstand, weil die Eileiter der Partnerin verschlossen waren. Das macht medizinisch keinen Sinn. Das ist jedoch leider immer das Problem bei empirischen Studien, man kann solche Details nicht klären.

Auch die Autoren der Studie schlussfolgern aus den Ergebnissen, dass von einem erhöhten Risiko für eine bösartige Erkrankung der Prostata vor allem auszugehen ist, wenn eine künstliche Befruchtung wegen eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit durchgeführt wird. Für diese Männer ist daher zu einem früheren Beginn der ohnehin jedem Mann anzuratenden Krebsvorsorge zu raten.

Schwächen der Studie

Bei der Studie handelt es sich um eine retrospektive Analyse von Krankheitsregistern. Eine saubere Klärung von Ursachen und Wirkungen lassen sich aus solchen empirischen Daten nicht ziehen. Auch wäre die Studie in 20 Jahren vermutlich wesentlich aussagekräftiger, denn in der aktuellen Version waren die Männer im Mittel 45 Jahre alt. Das Risiko für Prostatakrebs steigt jedoch erst in der Mitte des sechsten Lebensjahrzehnts.

Außerdem: Hier flossen nur die Daten von Vätern ein. Männer mit schlechten Spermien, die keine Väter wurden, sind nicht enthalten.

Zusammenfassung

In einem Kommentar weist der Androloge Channa Jayasena darauf hin, dass es sich in der vorliegenden Studie um den stärksten Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und Prostatakrebs handelt. Aktuell ist unklar, wodurch dies bedingt ist. Es werden genetische Ursachen vermutet.

Auch wenn der Zusammenhang nicht geklärt ist, ist Männern mit einer eingeschränkten Fruchtbarkeit zu raten, sich einer Vorsorge zu unterziehen. Und dies auch möglicherweise früher als sonst oft üblich, also mit 50.

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Literatur   [ + ]

1. Tvrda, E., Agarwal, A., & Alkuhaimi, N. (2015). Male reproductive cancers and infertility: a mutual relationship. International journal of molecular sciences16(4), 7230-7260.
2. Walsh, T. J., Schembri, M., Turek, P. J., Chan, J. M., Carroll, P. R., Smith, J. F., … & Croughan, M. S. (2010). Increased risk of high‐grade prostate cancer among infertile men. Cancer116(9), 2140-2147.
3. Al-Jebari Y, Elenkov A, Wirestrand E, Schütz I, Giwercman A, Lundberg Giwercman Y
Risk of prostate cancer for men fathering through assisted reproduction: nationwide population based register study.
BMJ. 2019 Sep 25;366:l5214
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