Klinefelter-Syndrom: TESE ab dem 35. Lebensjahr nicht sinnvoll

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Dem sogenannte Klinefelter-Syndrom liegt eine Fehlverteilung der Chromosomen beim Mann zugrunde. Statt eines X-Chromosoms und eines Y-Chromosoms (XY) haben diese Männer zwei X-Chromosomen (47, XXY). Daraus resultieren eine gestörte und verzögert eintretende Pubertät, oft mit Hochwuchs einhergehend und vor allem eine gestörte Spermienbildung bei kleinem Hodenvolumen und eine häufige angeborene männliche Ursache der Unfruchtbarkeit (mit einer Häufigkeit von 0,1 bis 0,2%).

Sehr selten nur wurde über Spermien im Ejakulat berichtet, dieses scheinen Ausnahmen zu sein, die jedoch eher die Regel bestätigen, dass meist eine sogenannte Azoospermien vorliegt, also das völlige Fehlen von Spermien im Ejakulat. In einigen Fällenist dann jedoch noch die Spermienproduktion im Hoden erhalten. Dies gilt vor allem für Männer, bei denen nicht alle Körperzellen den typischen 47,XXY-Befund aufweisen, sondern auch Zellen mit einem normalen Chromosomensatz nachweisbar sind, sogenannte Mosaike.

Vor allem in diesen Fällen besteht die Chance, einen Kinderwunsch mit Hilfe der künstlichen Befruchtung (ICSI) in Verbindung mit einer operativen Entnahme der Spermien aus dem Hoden zu erfüllen (TESE).

Es stellt sich die Frage, inwieweit die chromosomalen Fehverteilungen an die Kinder weitergegeben werden, wenn das Erbgut des Mannes ein X-Chromosom zuviel aufweist. Rein rechnerisch müssten 25% der Spermien eines solchen Mannes ein X-Chromosom oder ein Y-Chromosom aufweisen (was normal wäre), in weiteren jweils 25% müssten die Spermien jedoch zwei Geschlechtschromosomen beinhalten, also entweder zwei X- oder ein X- und ein Y-Chromosom. Das Resultat wäre dann rechnerisch 25% Klinefelter-Jungen und 25% triple-X-Mädchen (47,XXX). Dem ist jedoch nicht so, offenbar werden die überzähligen Chromosmen nur sehr selten weitergegeben und während der sogenannten Reifeteilungen eliminiert. Auch die oben erwähnten Mosaike sind sicherlich ein Grund für die geringe Inzidenz von Erbkrankheiten der Kinder solcher Väter. Daher ist eine Kinderwunschbehandlung auch bei Klinefelter-Männern möglich, ohne ein hohes genetisches Risiko für ihre Nachkommen.

Der Erfolg einer ICSI ist ist bei den Männern mit Klinefelter-Syndrom als gering einzuschätzen. Die Erdfolgsrate hängt dabei von der Genetik ab (Mosaik oder komplettes XXY-Syndrom), aber offenbar auch vom Alter der Patienten. Während in der Pubertät die Spermienproduktion unter günstigen Voraussetzungen noch vorhanden ist, scheint sie mit zunehmendem Alter abzunehmen. Dies konnte auch in einer aktuellen japanischen Studie nachgewiesen werden, in der bei KlinefelterPatienten ohne Mosaik Biopsien am Hoden durchgeführt wurden. Dazu wurde bei 51 Patienten ein solche TESE durchgeführt und bei 26 Patienten konnten Spermien isoliert werden.

Während LH, FSH, Testosteron-Spiegel und das Hodenvolumen keine Aussage über den Erfolg der Therapie zuließ, war das Alter offenbar ein entscheidender Faktor. Während das Alter der Männer, bei denen Spermien gefunden werden konnten 31 Jahre betrug, waren es 38 Jahre im Nichterfolgsfalle. Teilte man die untersuchten Männer in zwei Gruppen (Okada H, Goda K, Yamamoto Y, Sofikitis N, Miyagawa I, Mio Y, Koshida M, Horie S
Age as a limiting factor for successful sperm retrieval in patients with nonmosaic Klinefelter’s syndrome
Fertil Steril. 2005 Dec; 84(6):1662-1664


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