Klinefelter-Syndrom: Erfolgsraten bei TESE


Das so genannte Klinefelter-Syndrom ist eine relativ häufige Folge von Chromosomenverteilungsstörungen. Diese Männer haben statt der üblichen zwei Geschlechtschromosomen (X und Y) drei (Zweimal X und einmal Y). Neben einigen unterschiedlich ausgeprägten körperlichen Besonderheiten (oft sind diese Männer äußerlich völlig unauffällig) liegt meist eine sogenannte Azoospermie vor, also das völlige Fehlen der Spermien im Ejakulat.

Damit ergibt sich naturgemäß eine Kinderwunschproblematik. Da die Spermienproduktion im Hoden nicht selten in geringem Ausmaß jedoch noch vorhanden ist, kann man diese mit Hilfe einer Hodenbiopsie (TESE) gewinnen und im Rahmen einer ICSI zur Kinderwunschbehandlung verwenden.

In einer aktuellen Studie wurden die Ergebnisse einer solchen TESE-ICSI mit denen verglichen, die bei Männern mit Azoospermie aber normalem genetischen Befund durchgeführt wurden. Die Ergebnisse von 33 Klinefelter-Patienten wurden mit 113 Männern mit einem unauffälligen Chromosomensatz verglichen. Das Durchschnittsalter betrug 32,0 ± 6,4 bzw. 34,3 ± 5,8. Die Männer aus der Klinefelter-Gruppe waren also signifikant jünger, was nicht unwichtig ist, da die Chance Spermien bei einer Hodenbiopsie zu finden, bei diesen Männern sehr stark vom Alter abhängt.

Unter diesen Studienbedingungen waren die Erfolgsraten jedoch sehr gut (56%), besser sogar als jene von der Kontrollgruppe (44%). Die Befruchtungsraten der gewonnenen Eizellen unterschieden sich nicht. Die so entstandenen Embryonen wurden mit Hilfe der PID (Präimplantationsdiagnostik = Chromosomenuntersuchung des Embryos) untersucht. 59% wiesen dabei einen normalen Chromosomensatz auf. Mit 39% und 33% waren die Schwangerschaftsraten in beiden Gruppen ähnlich gut, unterschieden sich jedenfalls nicht statistisch signifikant voneinander.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es sich hier nicht um Mosaik-Befunde handelte, also Männer, die in einem Teil ihrer Zellen einen normalen und in einem anderen Teil die XXY-Konstellation trugen. Über diese wurde bereits verschiedentlich mit guten Erfolgsraten berichtet. Auch bei vollständigem XXY-Befund ist eine Hodenbiopsie mit anschließender ICSI offenbar erfolgversprechend, wie diese Untersuchung bestätigen konnte.

Yarali H, Polat M, Bozdag G, Gunel M, Alpas I, Esinler I, Dogan U, Tiras B
TESE-ICSI in patients with non-mosaic Klinefelter syndrome: a comparative study.
Reprod Biomed Online. 2009 Jun;18(6):756-60.


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8 Kommentare
  1. Rebella
    Rebella schreibt

    Wer hätte das gedacht? Noch vor 10 Jahren hieß es, Klinefelter Männer könnten überhaupt keine Kinder zeugen, auch nicht per TESE. Deshalb waren wir damals auch reichlich sauer auf den Andrologen, weil er die Hodenbiopsie vor dem genetischen Befund durchführen ließ.

    Ich hatte inzwischen schon mitbekommen, dass es mittlerweile einige Kinder von Klinefelter Männern gibt. Was mich noch mehr interessiert und hieraus leider nicht hervorgeht, ist die Frage: Wie häufig findet man bei Klinefelter Männern (ohne Mosaik) noch befruchtungsfähiges Material? Lohnt es sich wirklich, die Hodenbiopsie durchzuführen? Hat man die 33 Männer für die Studie in der ganzen Welt über Jahre eingesammelt oder vielleicht sogar in einem einzigen Zentrum in einem relativ kurzen Zeitabschnitt?

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Rebella: In einem Zentrum ja. Über einen relativ kurzen Zeitabschnitt kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dazu ist es dann doch zu selten, es sei denn, man hat sich diesbezüglich einen sehr guten Namen gemacht und hat deswegen einen getsigerten Zulauf von Klinefelter-Patienten. Die Spermienauffindungsrate von > 50% finde ich auch bei jungen betroffenen Männern sehr hoch. Nicht, das ich das jetzt komplett in Zweifel ziehen möchte, aber die meisten anderen Publikationen liegen deutlich niedriger. Auch eige Erfahrungen reichen nicht an diese Werte heran.

  3. Rebella
    Rebella schreibt

    Meinten Sie, Spermienauffindungsrate von über 50% bei den Klinefelter Männern (ohne Mosaik), die sich einer Hodenbiopsie unterzogen? Da würde ich auch staunen. Ich habe im Forum in den Jahren, die ich hier bin, noch von 3 oder 4 KS Männern gelesen, die das gewagt haben. Bei keinem von diesen Männern wurden Spermien gefunden.

    Deshalb habe ich auch so ein zwiegespaltenes Gefühl, wenn die Leute vom Klinefelter Verein so euphorisch auf die Möglichkeit der TESE verweisen. Da sage ich mir immer, die wissen nicht wirklich, was das bedeutet, enttäuscht zu werden.

    Mit Enttäuschungen müssen wir alle leben. Aber ich meine, man sollte vor einer solchen Aktion ungefähr einschätzen können, wie realistisch ein positives Ergebnis ist.

  4. Fee
    Fee schreibt

    Heutzutage findet man ja für alles eine Lösung außer AIDS und ähnliche krankheiten hat man bisher nicht überwindet. Aber gegen Spermienlosigkeit wird man bald bestimmt eine Lösung finden.
    Enttäuschungen werden dann eine Ende haben.

  5. lapaula
    lapaula schreibt

    man fühlt sich wie ein versuchskaninchen man ist es glaubich auch haben schom so viele ergebnisse gehört es geht es geht nicht da ist nix jetzt da war damals doch was alles selbe klinik das man uns seelisch kaput macht egal jetzt steht uns tese noch mal bevor.

  6. Mario Hillerdt
    Mario Hillerdt schreibt

    Hallo Rebella,

    Deine pauschale Aussage

    "… Deshalb habe ich auch so ein zwiegespaltenes Gefühl, wenn die Leute vom Klinefelter Verein so euphorisch auf die Möglichkeit der TESE verweisen. Da sage ich mir immer, die wissen nicht wirklich, was das bedeutet, enttäuscht zu werden…"

    möchte ich so nicht unkommentiert lassen. Es gibt sicherlich einige Betroffene in der Deutschen Klinefelter-Syndrom-Vereinigung e.V., die sich sicher sind, dass die TESE etwas bringt, jedoch nicht ALLE denken so.

  7. Wiwwi
    Wiwwi schreibt

    Die Ärztin, die bei meinem Mann das KS feststellte, sagte ihm bei der Ergebnis-Besprechung gleich knallhart, daß er niemals Kinder würde zeugen können. Das fanden wir schon mächtig unsensibel – es stimmt im Endeffekt, trotzdem ist es in so einer Situation hammerhart. Als dann der Operateur, der die TESE durchführte, darauf hinwies, daß eine max.Chance von 50% besteht, schöpften wir wirklich erstmal wieder Hoffnung. Ich gebe aber zu, daß mir die 2.Art besser gefiel: man konnte sich langsam auf die Möglichkeit "nichts finden" einstellen und bekam nicht gleich den Holzhammer ab. Sieht natürlich jeder anders, das ist schon klar. Daher bin ich natürlich für eine realistische Aufklärung, aber auf keinen Fall für eine durchweg negative Sichtweise im Hinblick auf eine TESE für KS-Männer.

  8. Rebella
    Rebella schreibt

    Hallo Mario,

    ja, ich hatte bei euch einige getroffen, die diese Möglichkeit relativ euphorisch sahen. In einem Heftchen vom Klinefelter Verein steht auch darüber geschrieben. Und ich meine, da hätte man etwas mehr dämpfen sollen.

    Ich meine auch nicht, dass ein Arzt zu einem Mann mit Klinefelter Syndrom sagen sollte, da geht gar nichts mehr. Ich bin einfach grundsätzlich für eine realistische Aufklärung. Im Sinne: Es gibt da eine Möglichkeit, da sind die Chancen aber sehr gering, so dass man nicht darauf bauen sollte. (Informationen über Kosten und über die Belastung gleich mitliefern.) Konkrete Zahlen über die bisherigen Erfolge (Geburtenraten nach TESE bei Klinefelter Vätern) konnte ja bisher auch keiner nennen. Ich gehe davon aus, dass auch die Ärzte sie nicht kennen. Wenn du mehr dazu weißt, freue ich mich, wenn du das hier dokumentierst.