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Hilft Testosteron bei Unfruchtbarkeit des Mannes?

Ich frage für einen Urologen...

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Immer noch wird von manchen Urologen Testosteron gegeben, um ein schlechtes Spermiogramm zu verbessern. Wie sinnvoll ist dieser Therapieansatz? Hilft Testosteron bei Unfruchtbarkeit?

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, bei einem eingeschränkten Spermiogramm eine Verbesserung herbeizuführen. Sehr ausführlich wurden die Tipps dazu hier zusammengefasst: Verbesserung der Spermienqualität, Mythen und Fakten. Und leider ist schnell erkennbar, dass man zur Verbesserung der Spermienqualität nicht viel beitragen kann, die Möglichkeiten sind sehr beschränkt. Man kann viel falsch machen, aber wenig richtig.

Man kann es ja mal versuchen…

Wenn eine gezielte Behandlung nicht möglich ist, wird man es als Arzt möglicherweise unbefriedigend finden, gar nicht helfen zu können. Viele urologische Kollegen verschreiben dann Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel, um die Spermien zu „pimpen“. Mit im Einzelfall ganz ordentlichen Erfolgen, jedoch bringt auch dies meist nichts.

Früher konnte man ja immer noch einmal empfehlen, mit dem Rauchen aufzuhören oder sich besser zu ernähren und Sport zu treiben. Aber heute raucht ja niemand mehr und die allgemeine Hype zur Selbstoptimierung bedingt auch, dass der Tipp zur besseren Ernährung und zur körperlichen Ertüchtigung ins Leere läuft. Und mit möglicherweise besten Absichten wird dann immer noch und mal wieder Testosteron verabreicht.

…aber doch kein Testosteron!!!

Die meisten Urologen wissen ja, dass dies keine gute Idee ist, aber immer mal wieder werde ich mit folgendem Szenario konfrontiert: Ein Paar kommt zum Erstgespräch und der Mann legt ein Spermiogramm von seinem Urologen vor. Das ist nicht richtig gut, aber an der unteren Norm. Dann folgen noch ein paar Hormonwerte. Hier ist alles prima, nur das Testosteron ist etwas niedrig. „Ja, und mein Urologe meint, das wäre der Grund für die etwas niedrigen Spermienwerte und hat mir deshalb Testosteron gespritzt. Testosteron bei Unfruchtbarkeit helfe optimal„.

Dazu muss man zwei Sachen wissen: Die Bestimmung des Testosterons ergibt nur dann normale Werte, wenn es früh am Morgen abgenommen wird. Praktisch jeder Mann hat schon Mittags und später Werte unter der Norm. Es sei denn, er hat eine Testosteronspritze bekommen. Versteht sich, dass in diesen Fällen die Blutentnahme meist am Nachmittag erfolgte. Und: die Depotspritze wirkt natürlich erst einmal eine ganze Weile. Mindestens einen Monat, aber durchaus auch noch eine ganze Weile darüber hinaus. Bei dem geschilderten Paaren kann man dann nur ein Kontrollspermiogramm 3-6 Monate später verabreden, denn so lange dauert es meist, bis alles wieder hergestellt ist.

Aber selbst wenn der Testosteron-Wert wirklich niedrig ist…

macht die Gabe von Testosteron bei Unfruchtbarkeit nichts besser. Im Hoden werden Spermien und Testosteron produziert. Diese Produktion wird von Hormonen der Hirnanhangsdrüse gesteuert. Das Zwischenhirn (Hypothalamus) redet da auch noch ein Wörtchen mit, aber lassen wir das mal weg, es ist letztlich auch von untergeordneter Bedeutung. Ist das Testosteron niedrig und/oder ist die Spermienproduktion eingeschränkt, dann wird über einen Feedbackmechanismus die Hirnanhangsdrüse aktiver und schüttet die Hormone LH bzw. FSH aus, um die Tätigkeit der Hoden anzuregen.

Gibt man nun Testosteron als Medikament von außen hinzu, dann registriert das die Hirnanhangsdrüse. „Die Produktion läuft ja prima“, denkt sie sich und stellt die Ausschüttung von FSH ein. Der Hoden wiederum bekommt dann keine stimulierenden Hormone mehr und die Spermienproduktion fällt ab. Gelegentlich bis hin zur Azoospermie. Der gleiche Mechanismus wie der eben beschriebene läuft bei der Antibabypille der Frau genauso ab. Nur mit Östrogenen und nicht mit Testosteron.

Von Testosteron bei Unfruchtbarkeit ist abzuraten!

Die meisten Urologen wissen um diesen Sachverhalt, aber es gibt Kollegen, die sich nicht beirren lassen in ihrem Tun. Das kritisiert auch der Münchner Androloge Dr. Philip Hüppe beim Urologiekongress in Dresden: „Es ist erschreckend, wie oft Ärzte bei Kinderwunsch Testosteron verordnen„, kritisierte der Urologe. „Offenbar ist das auf fehlendes Verständnis der Wirkungen auf die Gonadotropine [Anmerkung: das o. g. FSH und LH] zurückzuführen – die Testosteronersatztherapie kann die Spermatogenese unterdrücken,wird er von der Ärztezeitung zitiert.

Um also die in der Überschrift gestellte Frage abschließend zu beantworten: Nein, Testosteron bei Unfruchtbarkeit hilft nicht, sondern bewirkt das Gegenteil

 


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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Gwirksi schreibt

    Lieber Elmar.
    Dazu habe ich eine Frage an Sie…meine bessere Hälfte überlegt, ob er d-Asparagin nehmen soll…soll die Testosteron Produktion anregen (er geht ins Fitness Center, daher…) Greift hier der selbe Wirkmechanismus oder nicht?

    Also darf er?

    Danke und LG gwirksi

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Meines Wissens ist es eine Aminosäure. Es wird – wie alle proteinreichen Nahrunsgmittel – den Muskelaufbau verbessern. Mit der Testosteronbildung hat es jedoch nichts zu tun. Dass er kein Testosteron ohne ähnliche Substanzen nehmen darf, wird er ja hoffentlich wissen.