Handys machen unfruchtbar


Die Ohio-Studie
Zumindest hat dies Ashok Agarwal während der Jahrestagung der American Society for Reproductive Medicine in einer Studie belegt. Agarwal, der am Reproductive Research Center der Cleveland Clinic tätig ist, hatte bei 361 Männern die Spermien untersucht und dabei festgestellt, dass die Zahl, Qualität und Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat mit zunehmender Handybenutzung abnimmt. Die Beweglichkeit der Spermien ist um 30% schlechter im Verglaich zu Männern, die keine Handys verwenden.

Die Ergebnisse der Studie
Männer, die keine Handys benutzen, haben gemäß dieser Studie 86 Millionen Spermien pro Milliliter. 68 Prozent sind hinreichend beweglich und 40 Prozent weisen eine normale Form auf. Schon bei den Männern, die weniger als zwei Stunden am Tag mit dem Handy telefonieren, betrug die Zahl der Spermien nur noch 69 Millionen/ml, 65 Prozent waren ausreichend beweglich und 31 Prozent waren normal. Bei denjenigen, die Handys täglich mehr als vier Stunden nutzen, sank die Zahl der Spermien auf 50 m/ml, 45 Prozent wiesen eine ausreichende Beweglichkeit, 21 Prozent waren morphologisch normal.

Agarwal behauptet nun nicht, dass seine Untersuchung ein Nachweis für die Schädlichkeit von Handys für die männliche Fruchtbarkeit sei, aber er fordert die Forscher auf, diese Möglichkeit auch angesichts eines weltweit zu beobachtenden Rückgangs der Fruchtbarkeit näher zu untersuchen.

Was die Medien daraus machen
Es ist interessant, dass ausgerechnet diese Nachricht in der Presse große Verbreitung erfuhr. Oft auch ohne eine Einschränkung der Aussage, die sicherlich angezeigt ist (Ähnlich wie in der Überschrift dieses Artikels). Denn offensichtlich sind die Durchschnittwerte der Spermienkonzentration auch bei den Männern mit exzessivem Handygebrauch immer noch im Normbereich, wenngleich durchschnittlich geringer als bei den Männern, die keine Handys besitzen. Und auch die durchschnittliche Beweglichkeit zeigte selbst bei den Power-Usern nur eine geringe Abweichung von der Norm.

Gab´s alles schon mal
Aber die einfache Nachricht lässt sich natürlich besser dem Leser vermitteln als komplizierte medizinische Sachverhalte und Handy-Nutzer gibt es weltweit. Andere Studien zu diesem Thema wurden ebenfalls bereitwillig von der Presse verbreitet. Jedoch war all diese Studien wissenschaftlich eher dünn. 2/2005 erschien eine Studie, in der Ratten 12 Stunden täglich einer starken elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt wurden, woraufhin die Fruchtbarkeit abnahm. Ungarische Wissenschaftler veröffentlichten im Jahre 2004 ebenfalls eine Studie, die jedoch ebenfalls aufgrund des Designs und der geringen Anzahl an Probanden zu Recht kritisiert wurde. Genauer bin ich darauf schon einmal in einem anderen Artikel eingegangen, auch mit Wortmeldungen bekannter deutscher Wissenschaftler zu dieser Thematik, die so auch jetzt noch gelten.

Methodische Fehler
„Spiegel online“ fasst die Kritik an der aktuellen Studie so zusammen:

Man könnte über das Gruppendesign räsonieren: Was sagt es über einen Mann aus, wenn er mehr als vier Stunden am Tag telefoniert? Vielleicht, dass er einen stressigen Managerjob hat. Das ist schlecht für den Blutdruck. Vielleicht, dass er übermäßig viel Zeit in Konferenzsesseln, Auto- oder Flugzeugsitzen verbringt. Das wärmt das Gemächt und ist – nachweislich – schlecht für die Spermienproduktion. Weiter hergeholt, aber nicht von der Hand zu weisen wäre, dass diese Männer vielleicht auch mehr Alkohol und Nikotin konsumieren. Von diesen Nervengiften weiß man, dass sie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Doch Agarwal macht die – unspektakuläre – Verschlechterung der Spermien unter seinem Mikroskop an einer einzigen Dimension [Anm.: Variable] fest.

Vom Handy weiß man, dass es lokal das Körpergewebe erwärmen kann, höchstens um ein Paar Grad Celsius, weswegen Forscher auch scherzhaft vom „Wollmützeneffekt“ sprechen. Wohlgemerkt: Das bezieht sich auf die Ohrmuschel und bestenfalls den Schädel. Um so die Spermienbildung zu beeinflussen, müsste man mit anderen Körperteilen telefonieren.

Genau das greift auch Harald Schmidt auf (25.10.):

  • „Ich habe keine Angst, dass mich das Handy unfruchtbar macht, ich wähle mit den Fingern
  • Ich glaube auch nicht, dass die Handys unfruchtbar machen, es sind vielmehr die klingeltöne, die einem auf den Sack gehen

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Kommentar

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1 Kommentar
  1. […] mit eher geringfügiger statistischer und wissenschaftklicher Aussagekraft handelt, wie in diesem Blog bereits 2006 erläutert, wird dabei wohlweislich verschwiegen. Auch dass andere Studien zu anderen Ergebnissen kommen und […]