Erste Fruchtbarkeitspille für den Mann: Wirklich neu?

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Die Behandlung der männlichen Unfruchtbarkeit ist schwierig, da die Gründe für eine schlechte Spermienqualität oft unbekannt sind und eine gezielte Therapie nicht möglich ist. Laut einer Pressemitteilung der österreichischen Gesellschaft für Urologie und des Berufsverbands der österreichischen Urologen soll nun die erste Fruchtbarkeitspille für den Mann auf den Markt kommen.

In einer kleinen Pilotstudie konnte bei Männern mit einem eingeschränkten Spermiogramm eine Verbesserung beobachtet werden, berichten die Wissenschaftler.

Wer nun hofft, dass dieser Ankündigung wesentlich Neues folgt, muss leider enttäuscht werden. Die „Pille“ enthält im Wesentlichen bekannte Substanzen, wie sie auch bereits in den „FAQ“ (=häufigen Fragen) der Kinderwunsch-Seite seit ca. 7 Jahren aufgezählt sind: L-Carnitin, der Aminosäure L-Arginin, Coenzym Q10, Vitamin E, Zink, Folsäure, Glutathion und Selen sind in diesem Medikament enthalten, mithin die „üblichen Verdächtigen“, wenn es um Nahrungsergänzungen zur Verbesserung der Spermienqualität geht.

Die Einzelsubstanzen konnten ihre Wirksamkeit bisher in kaum einer Studie nachweisen, wie z. B. kürzlich in einer Studie zu L-Carnitin nachzulesen war. Vor allem, wenn die Zielgröße nicht die Verbesserung der Parameter des Spermiogramms, sondern die Zahl der eingetretenen Schwangerschaften ist.

Folsäure scheint unter bestimmten Voraussetzungen (hohe Homozysteinwerte) hilfreich für die Verbesserung der Spermienqualität zu sein, möglicherweise auch antioxidative Substanzen, wie ebenfalls hier nachzulesen ist.

Auch zu Kombinationen der genannten Substanzen gab es schon verschiedentlich Veröffentlichungen, die jedoch keine klare Aussage zur Wirksamkeit zuließen. Erfreulich ist daher die Ankündigung, im Herbst 2006 die Ergebnisse der Pilotstudie mit einer größeren Untersuchung untermauern zu wollen.

Ein großer Vorteil der Inhaltsstoffe des nun vorgestellten Präparats ist das Fehlen von Nebenwirkungen. Ob es jedoch wirksam ist, muss sich erst noch erweisen. Die Pille als neu und wirksam vorzustellen ist in Anbetracht der sattsam bekannten Wirkstoffe und der geringen Zahl an bisher untersuchten Probanden eher mutig zu nennen. Den Wissenschaftlern und den Männern mit Fruchtbarkeitsproblemen ist zu wünschen, dass die angekündigte Kontrollstudie ein Erfolg wird. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man die Ergebnisse der Studie nicht hätte abwarten können.


Nachtrag: In Deutschland ist dieses Präparat nun unter dem Namen Orthomol fertil im Handel.

Die Pressemitteilung
Webseite des Herstellers


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    K.Go. schreibt

    Hi, die Gleichsetzung von orthomol fertil und profertil stimmt nicht(ich hatte das auch imemr gedacht), aber siehe da – ein Vergleich der Inhaltsstoffe ergibt: Orthomol fertil plus enthält zwei andere Wirkstoffe als Profertil – nämlich N-Acetylcystein und Kupfer, aber dafür kein Glutathion und L-Arginin (wie in Profertil).

    Aufgrund der Studienlage würde ich dann dem "echten" Profertil den Vorzug geben.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Danke für die Mühe des Vergleicghs und die Mitteilung

  3. Elmar Breitbach
    Christian Fliegner schreibt

    Sehr geehrte Damen und Herren
    Meine Verlobte und ich wünschen uns ein Kind. So sehr wie ich mich auch davor, dabei und danach auch entspanne, ich wünschte es käme viel mehr Sperma raus.
    Gibt es da ein supergünstiges Präparat was die Produktion von Sperma sowie auch Samenzellen anregt, so das viel mehr "rauskommt"??? Mfg Christian Fliegner

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Christian Fliegner: Das Volumen des Ejakulats hat nichts mit der Qualität der Spermien zu tun. Wenn Sie es wirklich wissen wollen, dann sollten Sie ein Spermigramm durchführen lassen.