Bisphenol A – ein Spermienkiller


Was passiert eigentlich, wenn man Bisphenol A an Mäuse verfüttert? Das Gleiche, was passiert, wenn man das Futter männlicher Mäuse mit „Pillen“-Östrogen anreichert. Die Spermienqualität reduziert sich signifikant und das auch auf Dauer. Die Reifeteilungen bei der Spermiensynthese veränderte sich deutlich und in der Folge sterben mehr Spermien bereits im Prozess der Herstellung im Hoden ab. So die Ergebnisse einer Studie [1].

Veränderungen sind von Dauer

Die Forscher um Pat Hunt von der Washington State University nahmen zusätzlich Spermienstammzellen von mit Östrogen oder Bisphenol A behandelten Mäusen und transplantierten diese in nicht exponierte Mäuse . Auch in dieser neuen Umgebung verlief die Reifeteilung und die Entwicklung der Spermien aus diesen Zellen gestört. Der Effekt von hochdosierten Östrogenen und Bisphenol A scheint also auch nach einmaliger Exposition von Dauer und nicht reversibel zu sein. Bei Mäusen unter toxischen Dosen.

Dieses Mausmodell könnte erklären, warum verschiedene Studien der letzten Jahrzehnte eine Abnahme der Spermienqualität beim Menschen aufzeigen„, erläutert Studienleiter Hunt.“Mit diesen durch die Umwelt zugeführten Substanzen werden Zellen abgetötet, während sie Spermien produzieren„. Wie Amis das gerne machen, malt er auch gleich den Teufel an die Wand: „Wir beobachten die Verschlechterung der Spermienqualität über Jahrzehnte. Was, wenn das über mehrere Generationen fortdauert?

Eventuell sollte man besser auf Glasflaschen wechseln?
Eventuell sollte man besser auf Glasflaschen wechseln?

Sicherlich nicht gut für die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit. Wie häufig passiert eigentlich eine Aufnahme von Bisphenol A?

Bisphenol A ist leider überall

Als Weichmacher in Kunststoffen findet die Substanz über Verpackungen Eingang in unsere Nahrung. Die Möglichkeiten dazu sind leider vielfältig und man kann ihnen kaum aus dem Weg gehen. Studien an unfruchtbaren Männern ergaben einen schwachen statistischen Zusammenhang zwischen erhöhten Bisphenol-Spiegeln im Urin und verminderter Spermienqualität [2]. Beweisend war dieser Zusammenhang jedoch nicht.

Offenbar müssen die aufgenommenen Dosen auch sehr hoch sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)hat im Herbst 2008 mitgeteilt: „Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat geprüft, ob die Studien Erkenntnisse liefern, die eine Änderung der gesundheitlichen Risikobewertung erforderlich machen. Das Institut sieht unter Berücksichtigung der Daten aus beiden Studien keinen Anlass, die bisherige Risikobewertung für Bisphenol A zu ändern. Wird die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2007 festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,05 Milligramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht eingehalten, besteht für Verbraucher kein gesundheitliches Risiko„. Dem Schloss sich auch die WHO an. Dort kam Expertengremium im November 2010 zu dem Schluss, dass in Studien zur Reproduktionstoxizität ein Effekt durch Bisphenol A erst ab einer hohen Dosis auftritt.

Das deutsche Verbraucherschutzministerium hat 2011 die Verwendung von Bisphenol A in Babyfläschchen und Schnullern verboten.

Es ist also noch einiges unklar, aber es scheint so, dass man gut daran tut, den Weichmachern möglichst aus dem Weg zu gehen – wenn möglich.


[1] PLoS Genet. 2015 Jan 23;11(1):e1004949. doi: 10.1371/journal.pgen.1004949. eCollection 2015.
Estrogenic exposure alters the spermatogonial stem cells in the developing testis, permanently reducing crossover levels in the adult.
Vrooman LA1, Oatley JM1, Griswold JE, Hassold TJ, Hunt PA

[2] Meeker JD, Ehrlich S, Toth TL, Wright DL, Calafat AM, Trisini AT, Ye X, Hauser R
Semen quality and sperm DNA damage in relation to urinary bisphenol A among men from an infertility clinic.
Reprod Toxicol. 2010 Dec;30(4):532-9. Foto von stevendepolo


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar
  1. Blah
    Blah schreibt

    Danke Doc! Das ist für uns relevant. Blöderweise ist es ziemlich kompliziert, sich davor zu schützen.

    Was ich als Betroffene auch noch außerordentlich interessant finde ist das hier, was ich gerade entdeckt habe. Offensichtlich gibt es eine Studie, die auch Endometriose mit einer BPA Belastung in Verbindung bringt.

    Klar ist BPA jetzt nicht an allem schuld, aber interessant ist es trotzdem, zumal wir ein Paar mit beidseitigen Problemen sind, die rein theoretisch mit BPA in Verbindung stünden.
    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/bmc.1241/abstract