Bessere Spermien durch Antioxidantien: Fakt oder Fiktion

Vor allem den Vitaminen C und E wird nachgesagt, die Spermien zu verbessern.


Wenn es darum geht, die Spermien zu verbessern, gibt es leider zahlreiche Mythen, die immer wieder weiter gegeben werden, ohne sie in Frage zu stellen. Auch die Gabe von Antioxidanzien zur Verbesserung der Spermien wird im Internet häufig empfohlen. Auch in durchaus seriösen Medien. Stimmt es denn wirklich, dass die Spermienqualität durch die Antioxidantien verbessert werden kann?

Wir konnten hier ja kürzlich bereits ausführlich zeigen, dass Folsäure und Zink zur Verbesserung der Spermien nicht so viel bringen, wie man sich erhofft. In unserem Artikel über Mythen und Fakten zur Spermienqualität verweisen wir auf die aktuelle Zusammenfassung in der Cochrane Bibliothek zu diesem Thema1)Smits, R. M., Mackenzie‐Proctor, R., Yazdani, A., Stankiewicz, M. T., Jordan, V., & Showell, M. G. (2019). Antioxidants for male subfertility. Cochrane Database of Systematic Reviews, (3).. Hier ist die Aussage eher so: „könnte etwas bringen, schadet nicht“.

Wie immer ist bei solchen Übersichtsstudien das Problem, dass viele Parameter in den einzelnen Studien nicht erfasst wurden. Und die Frage, ob mehr Kinder geboren werden, wenn die Väter Antioxidantien zu sich nehmen.

Vitamincocktail zur Verbesserung der Spermienqualität im Test

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus neun IVF-Zentren in den USA führten eine Studie2)Steiner, A. Z., Hansen, K. R., Barnhart, K. T., Cedars, M. I., Legro, R. S., Diamond, M. P., … & Huang, H. (2020). The effect of antioxidants on male factor infertility: the Males, Antioxidants, and Infertility (MOXI) randomized clinical trial. Fertility and Sterility. durch, um die Wirkung eines Vitamincocktails zu testen. Die Mischung bestand aus einer Zusammenstellung der „üblichen Verdächtigen“, wenn es um die Verbesserung der Spermienqualität geht: 500 mg Vitamin C, 400 mg Vitamin E, 200 µg Selen, 1.000 mg L-Carnitin, 20 mg Zink , 1.000 μg Folsäure, 10 mg Lycopin täglich.

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Tomaten enthalten viel Lycopin, welches stark antioxidativ wirken soll „Tomatoes“ by tony_the_bald_eagle

Es handelt sich genau um die Substanzen, die immer wieder zur Verbesserung der Spermienqualität empfohlen werden. Nur Lycopin ist recht neu und wird als Wunderwaffe gegen allerlei Beschwerden gehyped. Wikipedia beschreibt den Stoff so:“Lycopin, auch Lycopen oder Leukopin gehört zur Klasse der Carotinoide und wird in hohen Konzentrationen in Tomaten – von deren wissenschaftlichem Namen Solanum lycopersicum auch die Bezeichnung des Stoffes herrührt – und Hagebutten gefunden. […] Lycopin zählt zu den Antioxidantien und gilt als Radikalfänger, d. h., es kann bestimmte reaktionsfreudige Moleküle im menschlichen Körper unschädlich machen.“ Lycopin hat also alles, was man braucht, um gesund zu sein und den Spermien zu mehr Fruchtbarkeit zu verhelfen.

Eingeschränkte Spermienqualität: helfen Antioxidantien?

In der Studie wurden 174 Paare untersucht. Die Männer hatten mindestens einen der folgenden Kriterien erfüllt:

  • Spermienkonzentration ≤ 15 Mio./ml
  • Spermienbeweglichkeit ≤ 40%
  • Normale Morphologie ≤ 4%
  • DNA Fragmentation > 25%

Die Behandlung erfolgte mindestens über 3 Monate und maximal 6 Monate. In den ersten drei Monaten versuchte das Paar auf normalem Wege schwanger zu werden und in weiteren drei Monaten schlossen sich Inseminationen an. Die Hälfte der Männer bekam den Vitamincocktail, die andere lediglich ein Placebo.

Die Spermienkonzentration wies eine unterschiedliche Veränderung auf, jedoch „wirkte“ Placebo besser als die Antioxidantien. Bei Beweglichkeit, Morphologie und DNA-Fragmentation gab es jedoch keine Unterschiede im Vergleich zu den Antioxidantien.

Auch die Schwangerschaftsrate gab keinen Anlass zur Hoffnung. Auch hier waren die Unterschiede statistisch nicht signifikant: 15% nach einem halben Jahr mit Vitaminen und 24% ohne Antioxidantien. Selbst der Trend spricht eher für die Placebos.

Trotz der geringen Fallzahl lässt sich aus den Ergebnissen der Studien erkennen, dass Antioxidantien bei eingeschränktem Spermiogramm die Fruchtbarkeit nicht erhöht.

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Literatur   [ + ]

1. Smits, R. M., Mackenzie‐Proctor, R., Yazdani, A., Stankiewicz, M. T., Jordan, V., & Showell, M. G. (2019). Antioxidants for male subfertility. Cochrane Database of Systematic Reviews, (3).
2. Steiner, A. Z., Hansen, K. R., Barnhart, K. T., Cedars, M. I., Legro, R. S., Diamond, M. P., … & Huang, H. (2020). The effect of antioxidants on male factor infertility: the Males, Antioxidants, and Infertility (MOXI) randomized clinical trial. Fertility and Sterility.
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