80%ige Wahrscheinlichkeit für ein Mädchen. Nur mit Diät?


Die Frage, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, ist den meisten Lesern dieses Blogs herzlich egal. Und jene, die bereits Eltern sind und (wie ich) von jeder Sorte eines haben, können auch keine zuverlässige Auskunft darüber geben, welches von beiden schlimmer ist. Tatsache ist jedoch, dass viele in Familienplanung befindliche Paare offenbar ganz genau festlegen wollen, welches Geschlecht das Kind haben wird und das selbstverständlich vor oder während der Zeugung. Anders ist es kaum zu erklären, das der Artikel Junge oder Mädchen: Methoden zur Wahl des Geschlechts der meistgelesene in diesem Blog ist. Dieser Artikel zeigt jedoch lediglich auf, welche Methoden empfohlen werden, um das Geschlecht des Kindes während der Zeugung zu beeinflussen, jedoch ist keine dieser Methoden dazu wirklich in der Lage (Bis auf die genetische Untersuchung von Embryonen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung).

Wenn man ein Mädchen möchte, lässt es sich beeinflussen

Ein Artikel, der im Dezember des letzten Jahres erschien, zeigte jedoch, dass das richtige Timing des Geschlechtsverkehrs und die Ernährung wohl doch einen Einfluss haben könnten. Zumindest Paare, die sich ein Mädchen wünschen, scheinen dies begünstigen zu können.

Niederländische Wissenschaftler nahmen 150 Paare in die Studie auf, die sich ein Mädchen wünschten. Den Frauen wurde eine natriumarme und calciumreiche Diät empfohlen und mit Blutuntersuchungen geprüft, ob diese Anweisungen eingehalten wurden. Mit LH-Teststäbchen wurde der Eisprung bestimmt und die Paare angewiesen, bereits ca. 2 Tage vor dem Eisprung Verkehr zu haben.

Wie das Leben so spielt, wurden natürlich nicht alle Frauen in dieser Studie schwanger, so dass wir es mit relativ kleinen Zahlen zu tun haben. Mit den Daten von 28 Frauen wurde zunächst ein Rechenmodell entwickelt, welches dann abschließend bei 50 Paaren zu Einsatz kam. In 81% der Fälle, in denen die Daten des Paares dem Rechenmodell zufolge eine Schwangerschaft mit einem Mädchen voraussagte (21), traf dies auch zu (16).

Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen

In den USA, wo „Family balancing“ in den letzten Jahren zunehmend in Mode kommt, wurde dieser Artikel ziemlich gehyped mit der Aussage, dass man die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen zu bekommen, mit Diät und Sex ca. 2 Tage vor dem Eisprung auf 80% erhöhen kann. Falsch: Es wird in dem Artikel lediglich gesagt, dass die Voraussage des Geschlechts diese Genauigkeit erhält, wenn das Paar dem Rechenmodell entspricht, was nicht zwangsläufig der Fall ist bei Einhaltung der Anweisungen.

Dieses „Rezept“ nun als zuverlässige Methode darzustellen – basierend auf einer Zahl von 21 Schwangerschaften – ist ein klein wenig zu ambitioniert. Aber wer es dennoch versuchen möchte:

  1. Natriumarme Kost
  2. Reichlich Milchprodukte (mind. 500g/Tag)
  3. Wenig Kartoffeln (fragt nicht, ich weiß es auch nicht)
  4. 400-600 mg Magnesium, 500-700 mg Kalzium, 5-7.5 Mikrogram Vitamin D

[Update 17.9. 10:00]: In den Kommentaren wurde von raise darauf hingewiesen, dass es auch eine Möglichkeit gäbe, die Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Jungen zu erhöhen. Man möge einfach nach Gorleben ziehen. Dort ist die statistische Wahrscheinlichkeit höher, einen Jungen und Krebs zu bekommen, so berichtete der NDR.

Diese Darstellung überzeugt durch ihre Simplizität und lässt sich vermeintlich aus den bisher bekannten Daten problemlos herauslesen. Dabei handelt es sich jedoch um eine „gefühlte“ Statistik. Untersucht man diese Aussagen einmal wirklich nach den Regeln der Wissenschaft und [wichtig!] ohne Emotionen, dann lässt sich diese „weniger-Mädchen-in-Gorleben“-Theorie nicht halten, wie Jörg Rings von den Science-Blogs bereits vor einiger Zeit sehr ausführlich belegte.

Noorlander AM, Geraedts JP, Melissen JB
Female gender pre-selection by maternal diet in combination with timing of sexual intercourse–a prospective study.
Reprod Biomed Online. 2010 Dec;21(6):794-802.


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Kommentar

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9 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    raise schreibt

    Wir können ja jetzt auch eine Methode für die anbieten, die lieber einen Jungen wollen: Umzug nach Gorleben oder nach Remlingen in die Nähe der Asse: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/gorleben687.html . Das erhöhte Krebsrisiko dort nimmt man als kleine Nebenwirkung dort sicher gerne in Kauf.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Danke raise. Dann hätten wir das dann ja auch geklärt. Wobei diese Nachricht aus Sicht eines Statistikers mindestens problematisch ist. Ich habe es oben im Artikel noch einmal ergänzt.

    Ach ja: Und in dem verlinkten Artikel der Sciencelogs sollte man auch dann noch alle Kommentare lesen 😉 Dann braucht man sich für das Wochenende nichts anderes mehr vorzunehmen.

  3. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    "Family balancing"? Soll damit angedeutet werden, dass Familien, in denen das Geschlechterverhältnis nicht ausgeglichen ist, in irgendeiner Weise pathologisch sind?

    Andererseits habe ich während des Sommerurlaubs im österreichischen Radio Werbung für ein Medikament namens Amorex gehört. Dessen Hersteller behauptet allen Ernstes, gewöhnlicher Liebeskummer sei ein pathologischer Zustand …

  4. Elmar Breitbach
    Andreas Lachner schreibt

    Dieser Blog hier wird immer a) populärwissenschaftlicher und b) ironischer. Während ersteres naja ist, finde ich persönlich 2teres gut, ob das auch die anderen Leser teilen, weiß ich nicht. Ob Bub oder Mädel ist für sehr sehr viele noch ein Luxusproblem, und das ist das eigentliche Thema der Site.

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Andreas: Ich stimme uneingeschränkt zu. Auch Ihrer Beurteilung.

    Aber Populärwissenschaft bedeutet weniger Aufwand und mir fehlt aktuell schlicht die Zeit.

  6. Elmar Breitbach
    Micki schreibt

    Also ich würde jetzt mal so eine Mädchen-Diät-Studie in Gorleben vorschlagen, damit die armen, überzähligen Jungs dort in ein paar Jahren auch was zum Heiraten haben…;-)

  7. Elmar Breitbach
    Jessi schreibt

    Das mit der Diät verstehe ich nicht aber das mit dem Zeitpunkt schon. Dazu muss man nur wissen, dass die weiblichen Samenzellen zwar langsamer sind als sie männlichen dafür jedoch länger leben.
    Sprich: Sex zum ES soll die Wahrscheinlichkeit auf einen Jungen erhöhen und Sex vor dem ES die Wahrscheinlichkeit auf ein Mädchen.
    Eine Garantie ist das natürlich nicht, aber man kann es ja zumindest versuchen, wenn man sich ein bestimmtes Geschlecht wünscht (weil man zum Beispiel von jeder Sorte eins will… 😉
    Die Studie finde ich mit so wenig Paaren aber nicht besonders aussagekräftig.

  8. Elmar Breitbach
    Sadeta schreibt

    Hallo ist die seite noch auktuell

  9. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ja.