Krebspatientin durch IVF schwanger


Die Nachrichtenagentur AFP berichtet über die erste dokumentierte Schwangerschaft nach Krebsbehandlung in Deutschland. Mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ist die 34-jährige in der 15. Woche und der Verlauf der Schwangerschaft ist bisher komplikationslos, teilte das Kinderwunschzentrum der Uniklinik Düsseldorf am Montag mit. Die Frau war 2007 an Vaginalkrebs erkrankt und wurde nach der Operation mit einer kombinierten Radio-Chemotherapie behandelt.

Bei einer Krebsbehandlung werden die Eizellen meist nachhaltig geschädigt, so dass eine normale Eizellreifung nicht mehr möglich ist. Im vorliegenden Fall waren der Patientin vor der Krebsbehandlung Eizellen entnommen und eingefroren worden. Die bereits befruchteten Eizellen wurden im so genannten Vorkernstadium konserviert und ein Jahr später, nach einer hormonellen Stimulation zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, eingesetzt.

Da Stimulationen schon seit einigen Jahren in Deutschland vorgenommen würden, sei es wahrscheinlich, dass es auch in Deutschland bereits eine Schwangerschaft nach Krebs gebe, erklärte Jan Krüssel vom Kinderwunschzentrum. Es sei aber bisher kein Fall dokumentiert.

Update 20.1.: Das Deutsche Ärzteblatt bringt diese News ebenfalls. Ergänzend zum obigen Text:

Es sei aber der erste publizierte Fall und die erste Meldung an das 2006 von deutschen Universitätskliniken gegründete Netzwerks „Fertiprotekt“, über das die deutschen Repromediziner ihre Erfahrungen austauschen wollen.

Die IVF-Behandlung von Krebspatienten bezeichnet Krüssel als schwierig. Was sich technisch unkompliziert anhöre, müsse im Zusammenspiel aus persönlichen Lebensumständen, Art der Krebserkrankung und der Fertilitätsbehandlung betrachtet werden.

Bei der 34-jährigen Frauen lagen einige günstige Umstände vor: Der Tumor habe nicht sensibel auf das Sexualhormon Östrogen reagiert (zur Vorbereitung des Endometriums werden Östrogene verabreicht, was die IVF bei östrogenabhängigen Malignomen wegen des Rezidivrisikos unter Umständen verbietet).

Außerdem habe zum Zeitpunkt der Erkrankung eine feste Partnerschaft bestanden, sodass bereits befruchtete Eizellen verwendet werden konnten, was die Schwangerschaftschancen erhöhe. Auch das junge Alter der Patientin habe sich ebenso günstig auf die statistischen Chancen einer möglichen Schwangerschaft ausgewirkt wie auch die Anzahl der entnommenen Eizellen.


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    AnnetteEllen schreibt

    Naja, dann hinken die Dokumentationen.
    Meine Freundin wurde mit Anfang 20 entgegen aller Meinungen spontan ohne Stimu ss, nachdem sie als Kind Chemotherapie wegen Leukämie hatte und die Eierstöcke "eigentlich" verkümmert sind.
    Als man in der Kiwu versuchen wollte, ob man stimulieren kann, fand man beim US eine (spontan entstandene) Fruchthöhle.
    Leider eine Totgeburt in der 20.SSW, allerdings war das kleine Mädchen völlig gesund. Vielleicht macht das ja manchen Mut.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @AnnetteEllen: Das liegt auch daran, dass die Eierstöcke als Kind ohnehin inaktiv sind und daher nicht so empfindlich gegenüber den Chemotherapeutika.

  3. Elmar Breitbach
    AnnetteEllen schreibt

    Leider liegen die Hormonwerte trotzdem im Menopausenbereich und auf jegliche Stimu reagierte sie danach nicht.
    Sinn und Unsinn eines "Wunders"….

  4. Elmar Breitbach
    Charlotta-Marlene schreibt

    Hmm, also ich habe eine Bekannte, die bekam mit Anfang 20 Morbus Hodkin, wurde mit Chemo und Bestrahlung behandelt. Mit Mitte 20 bekam sie einen kleinen "Unfall", einen kerngesunden zauberhaften Jungen und in 4 Wochen hat sie ET für ein kleines Mädchen, auch kerngesund. Mir war gar nicht klar, dass eine Chemo das definitive "aus" für eine natürliche SS heißt. Meine Bekannte ist halt nur während beiden SS zur genetischen Beratung gegangen.

  5. Elmar Breitbach
    Wildfang schreibt

    Häh? Noch kein Fall bekannt? Was für’n Quatsch!

    Ich selbst bin einer, zwar mit IVF, aber sogar mit einer eigenen Eizelle. Ich hatte vor einigen Jahren ebenfalls Chemo und Bestrahlung. Danach war zwar der Zyklus gestört und auf natürlichem Weg ging nichts mehr, aber mit der IVF hat es geklappt.

    Die Chemo schädigt nicht unbedingt die Eizellen, führt aber bei vielen Frauen zu vorzeitigen Wechseljahren. Das muss aber nicht passieren. Ich habe schon von einigen Schwangerschaften nach Krebsbehandlung gehört und kenne außer mir noch andere Fälle. Eine Nachbarin von mir wurde auch nach Morbus Hodgkin auf natürlichem Weg schwanger.

    Ein bisschen genauer sollten die schon recherchieren bei AFP und das jetzt nicht als Mega-Sensation hinstellen! Kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das wirklich der erste dokumentierte Fall sein soll. Sogar mir wurde im Jahr 2000 das Einfrieren befruchteter EZ angeboten (in meinem Fall war dafür aber nicht mehr genug Zeit).

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Wildfang: Das sagt Krüssel ja auch, das es der erste dokumentierte Fall sei, nicht der erste überhaupt. Der Express zeigt ein Bild der Protagonisten und titelt
    Einmalig! – Trotz Krebstherapie schwanger.

    So muss man es dann schon formulieren, damit es gelesen wird 😉

  7. Elmar Breitbach
    Wildfang schreibt

    Ach so! Okay, dann habe ich "dokumentiert" irgendwie fehlinterpretiert. Danke für den Hinweis und den schönen reißerischen Express-Link 🙂

  8. Elmar Breitbach
    coco7573 schreibt

    Ich bin ehemalige Krebspatientin. Im Jahr 2000 bin ich an Morbus H. erkrankt. Ich wurde mit Chemo und Bestrahlung behandelt. Wir haben 3x IUI und 3x ICSI gemacht, leider ohne Erfolg. Ich hatte nie gute Eizellen. Nun bin ich dabei den Kinderwunsch abzuschließen. Natürlich gibt es immer wieder Fälle, wo Krebspatientinnen auch auf natürlichen Wege schwanger werden. Leider habe ich die Hoffnung darauf aufgegeben.