Porno auf Krankenschein: Geldverschwendung?


Ausgerechnet die britische Tageszeitung „the Sun“ regt sich darüber auf, dass für Pornos in Reproduktionsmedizinischen Zentren Geld des britischen Gesundheitssystems ausgegeben wird.

Die konservative, oder eher rechtsgerichte Organisation 2020health.org führte eine Umfrage in den britischen Kinderwunsch-Zentren durch: 92 Kliniken wurden befragt und 33 davon gaben zu, dass sie die Räumlichkeiten für die Spermienabgabe mit pornographischem Material versorgten. (Ei wei… Mein tief empfundenes Mitleid gilt den armen Männern, die in den anderen 59 Kliniken zur Tat schreiten mussten) Und es kommt noch schlimmer: 18 Praxen erwarben den Schund auf Kosten der Steuerzahler (ja, in England kann man sehen, wo Rösler hin will: Steuerzahler), SKANDAL! So die Direktorin des Gesundheits-„Thinktank“ 2020health: „Eine offizielle Zustimmung für diese Vorgehensweise von Seiten der Regierung ist uns nicht bekannt!“ (Na, das wäre ja auch mal ein Spaß, eine entsprechende Anfrage sollte man unverzüglich auf den Weg bringen und in einer Generaldebatte des Parlaments diskutieren).

Spermien unterm Mikroskop
Spermien unterm Mikroskop
In dem Artikel wird auch angegeben, dass die schmutzigen Zeitschriften und Videos dazu dienen, Spermienspendern ihre harte Arbeit zu erleichtern. Das erhöht bei Lesern des Artikels natürlich die Entrüstung. Vermutlich ist es jedoch wie in Deutschland auch: 99,9% der Spermienproben werden diagnostisch oder therapeutisch bei der Behandlung von Kinderwunsch-Paaren gewonnen, also von den (Ehe-)männern.

Bei allem initialen Amüsement ist jedoch zu sagen, dass diese Bigotterie von „Sun“ und 2020health nur schwer auszuhalten ist, wenngleich sie schön aufzeigt, dass das Verhältnis dieser Kreise zum Sex erheblich gestört ist. Sei es nun als virtueller Akt in einer Zeitschrift oder im Labor.

Darauf, dass man auch mit anderem Anschauungsmaterial in Spenderäumen Erfolg haben kann, hatte ich schon vor einiger Zeit hingewiesen.

Und zur guter Letzt findet sich im Guardian eine wunderschöne Replik auf diesen „Erguss der Sun“ (sorry, musste sein), in der auf viele wissenschaftliche Studien aus Mensch- und Tierreich verwiesen wird, die zeigen, dass bestimmte visuelle Reize sehr hilfreich sein können.

Via Twitter, dank @Esowatchcom


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Kommentar

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10 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Floydine schreibt

    Dass die Atmosphäre in einem Spenderraum nicht gerade lustfördernd ist, muss doch allen klar sein. Und dieses Health-Dingsbums neidet den Nicht-Normalreproduzierern dann auch noch diese kleine Hilfe. Auch mein tiefes Mitgefühl gilt den armen Männern, die ihren Teil in einer der 59 pornofreien Zentren beitragen mussten.

  2. Elmar Breitbach
    Steffi schreibt

    Ich geh mal stark davon aus, dass niemand der "Pornoheft-Gegner" auch nur die leiseste Ahnung davon hat, was die Behandlung und das drum herum für die Patienten bedeutet. Ich beneide keinen Mann, der in den Spendenraum muss und fand es ganz schlimm, dass in meiner Praxis die Männer in ein Klo mussten, an dem jeder vorbeigelaufen ist. Aber wenigstens lagen 2 Heftchen dort. Deshalb gilt auch mein Mitgefühl den Männern, die in diesen 59 Zentren waren.
    Und Respekt vor den Männern überhaupt, die so etwas leisten müssen! Ob mit oder ohne Hilfe.

  3. Elmar Breitbach
    Chrissi schreibt

    Leider gehört auch unser Kiwuz zu denen, wo es nur Nackte in Hochglanzmagazinen à la Playboy gibt (oder die "härteren Sachen" werden regelmäßig von Patienten entwendet). Glücklicherweise schlägt mein Mann sich da ganz wacker. Das Höchste aller Gefühle war allerdings als mein Mann vor der "Spende" mitgeteilt bekam, das Schloss sei kaputt, aber es komme schon niemand herein. Ohne Worte!

  4. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    das ist keine erfundene geschichte, sondern in einer deutschen uniklinik vor 10 jahren so passiert:

    mir wurden eizellen entnommen und ich lag noch im aufwachraum. mein mann bekam den schlüssel zu einer kammer mit blauem, aufblasbaren sofa und ein paar gebraucht aussehende heftchen. mitten im eher lustfreien werk lief eine kakalake über seine schuhe und wäre fast in der heruntergelassenen hose verschwunden (überflüssig zu erwähnen, dass er von vorn anfangen konnte). nach kenntnisnahme der story, war ich froh sediert und im tiefschlaf gewesen zu sein – eine punktion ist wahrscheinlich angenehmer.

    prostitution ist legal und mittlerweile gesellschaftlich anerkannt und ein akt, der tatsächlich der zeugung dient (selten genug bewußt vollzogen) wird mit diesem schmuddelimage belegt – pfui, wer sich sowas ausdenkt und so darüber urteilt!

  5. Elmar Breitbach
    chesire schreibt

    Irgendwie kann ich mir partout nicht vorstellen, dass die Pornos einen so signifikanten Anteil an den Kosten haben, dass es sich lohnen wuerde, darueber zu diskutieren.

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ chesire: "Jeder Cent unserer Steuerzahler ist zuviel für diesen Schmutz!". Hüter der Moral, eine ganz gefährliche Spezies.

  7. Elmar Breitbach
    chesire schreibt

    Uhm. Eigentlich muesste es diesen Huetern der Moral doch recht sein, wenn Kinder nur noch mit KB gezeugt werden. Dann braucht es diesen liederlichen Sex nicht mehr.

  8. Elmar Breitbach
    Michael schreibt

    Nun, immerhin ist es ja sogar in Studien belegt, dass Pornografie die Spermien verbessert:

    http://www.krone.at/Wissen/Hetero-Pornos_gut_fuer_Spermien-Qualitaet-Sex-Studie-Story-31645

    Auch nachzulesen im Buch "Krieg der Spermien"

    Der "Wettkampf" motiviert sozusagen die Spermien.

  9. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Vielleicht sollte man lieber bei allen Männern die Spermien so gewinnen wie bei meinem? TESE für alle sage ich nur! Das kostet den Steuerzahler dann zwar Unsummen und den Mann einiges an Schmerzen, ist aber dann auch für die Prüden unter uns moralisch nicht verwerflich…

    Oder alternativ: Jeder Mann bringt seine Sammlung von zu Hause mit, wenn vorhanden *lol*. Die, die keine haben, haben dann halt Pech gehabt.

    Tja, ist schon lächerlich, über welche verschwindend geringen Kosten man sich bei einer Behandlung Gedanken macht, die eh schon Tausende Euro verschlingt… *kopfschüttel*

  10. Elmar Breitbach
    hopesandfears schreibt

    So what…. bei mir (Mann) war es ganz einfach:

    Laptop / minidvdplayer mitgenommen und entsprechendes verwutztes 😉
    und ab gings dass die Spermies nur so gröhlten vor Freude….

    eins davon entwickelt sich grad prächtig im Bauch meiner Frau!