Die Praxisgebühr ist abgeschafft!

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Man glaubt es nicht: Sie wollen tatsächlich die Praxisgebühr abschaffen. Wurde wirklich langsam Zeit. Sie wurde eingeführt, weil Ulla Schmidt (Unvergessen! Eine von zu vielen „Gesundheitsexperten“ in der Politik mit niederrheinischem Akzent) der Meinung war, die Versicherten würden zu oft zum Arzt gehen.

Eine regulierende Wirkung blieb jedoch aus. Die Hypochonder gingen nun wegen Verarmungswahns auch noch zusätzlich zum Psychologen, eine Abnahme der Arztbesuche trat nicht ein. Die Ärzte entwickelten Angstneurosen wenn sie zu Beginn des Quartals, dieses Geld zur Bank tragen mussten. Wer dachte, dass wir Ärzte diese Einnahmen behalten, hat nichts verstanden. Wie übrigens auch sonst niemand bei dieser völlig überflüssigen Gebühr.

Die Erfindung des Perpetuum mobile

Weil es uns aktuell ja wirtschaftlich (noch) gut geht, haben die Krankenkassen mehr zahlende Mitglieder denn je und sammelten daher (zu viele?) Überschüsse ein. Einige Kassen wollten dies in homöopathische Behandlungen investieren. Bevor dieser und ähnlicher Dummsinn umgesetzt werden konnte, kam jemandem die hervorragende Idee, die Praxisgebühr an die Mitglieder zurückzuzahlen.

Man stelle sich das vor: Ärzte sammeln mit erheblichem Aufwand Geld für die Kassen. Diese erhalten das Geld nach Durchlaufen mehrerer (auch nicht billiger) Verwaltungsakte zugeteilt. Und dann wird das Geld von den Kassen an die Versichterten zurückverteilt. So ähnlich funktionieren auch viele Perpetuum mobile. Und natürlich ausgeklügelte Geldwaschanlagen.

Man kann nun von unserem Gesundheitsminister halten, was man möchte, aber hier erkannte er richtig, dass

  1. hier die Selbstverwaltung der Krankenkassen Amok läuft
  2. und jemand anderer als er selbst von der positiven finanziellen Entwicklung profitiert.

Also kam er auf die Idee, die Praxisgebühr ganz abzuschaffen.Die Reaktion des politischen Gegners (auch in der Koalition) war genervt. Frau Aigner übernahm vor Schreck eine Position, die normalerweise der FDP sehr gut zu Gesicht gestanden hätte: Sie wollte – vermutlich aus reinem Trotz – die Praxisgebühr belassen, aber dafür den Arbeitgeberanteil absenken. Ups? Christlich Sozial geht anders. Soll sie mal bei Seehofer nachfragen. Der kann das, wenn er will. Er hat sie jedoch fein hängenlassen und nun ist es endlich soweit:

Die FDP stimmt dem Betreuungsgeld zu

Wo da die Logik ist?!? Also ehrlich mal, was für eine bescheuerte Frage. Natürlich war das ein Kuhhandel. Oder dachte wirklich jemand, es wäre um die Praxisgebühr gegangen?


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Kommentar

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20 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    iliana schreibt

    Ich mag Ihren Humor und Ihren Schreibstil Dr. Breitbach xD

  2. Elmar Breitbach
    gruenegurke schreibt

    *applaus*

  3. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    hey, mir wären die 40 euro so mumpe, echt, sch.. drauf – aber bitte ABBUCHEN, ja? solange ich anachronistisch noch BARGELD mitschleppen muss für nen doc-besuch, sorry, da spar ich dat lieber, also den docbesuch, nich dat geld. dat versauf ick, weil ick mich so ärjere über den anachronismus…

  4. Elmar Breitbach
    rambolilly schreibt

    So geil geschrieben (vielen Dank) und noch viel mehr Wahrheit drin. Achja, könnte man das von unseren Politikern auch mal sagen….

  5. Elmar Breitbach
    Frau_Lohse schreibt

    Auch wenn ich jetzt Haue bekomme-bin selbst im Gesundheitswesen tätig und natürlich war diese Praxisgebühr Schwachsinn. Aber man hätte doch lieber mal die Beiträge sinken sollen, damit auch mal die Einzahler profitieren! Oder den Leistungskatalog sinnvoll umstrukturieren, z.B. mehr Geld für Reproduktionsmedizin etc. Dafür höhere Selbstbeteiligung für Unsinnskrankheiten, es kann nicht sein, dass manch Gesunder 18mal im Quartal wegen Schnupfen zum Arzt rennt! Da müßte schon irgendwie eine Steuerung rein, denn diese Zeit und das Geld fehlt für die wirklich Bedürftigen, für die die Ärzte keine Zeit und keinen Nerv mehr haben. Bin also nicht nur froh, dass die Gebühr wegfällt ohne weitere Regulierungsmassnahmen und Entlastungen für die Versicherten…

  6. Elmar Breitbach
    remis schreibt

    Seit wann liegt Aachen am Niederrhein? Das letzte Mal als ich vor wenigen Tagen da war, lag es noch im Rheinland…
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96cher_Platt

  7. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    LOL…Niederrhein, ehrlich…LOL
    DEN Akzent haben nur Aachener – reicht nicht mal 10km bis ins Umland!

    Nach der Abschaffung der "fähigsten" Gesundheitsministerin aller Zeiten erfolgte nun die, wenn auch zeitlich viel zu verzögerte, Abschaffung des Eintrittsgelds zum Arzt.
    Eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann KiWuBehandlungen wieder vollfinanziert werden 😉

  8. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    OK, liebe Rheinlandspezialisten. Dann liegt Düren wohl auch nicht am Niederrhein.
    http://www.wiwo.de/koepfe-der-wirtschaft/karl-lauterbach/5287230.html

    Und mal ehrlich: Dem Rest der Republik ist es mal wieder wurschtegal.

    Schön in der Vita von Lauterbach ist:
    "Niederlage bei der Wahl zum gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion" – Als ob das etwas geändert hätte.

  9. Elmar Breitbach
    kekskeks schreibt

    Das ging jetzt aber schnell mit der Abschaffung… mich hat es eh gewundert, dass die Ärzte jahrelang kostenlos das Geld als durchlaufenden Posten für die Krankenkassen eingezogen haben. Und seelenruhig zusehen, wie die Kassen Milliardenüberschüsse aufbauen, einen riesen Verwaltungsapparat haben, und die Ärzte mit 18 EUR oder so (Gyn?) pro Patient im Quartal abspeisen. Und dann ein "Ja" von der FDP zum Betreuungsgeld? Was ist daran noch liberal? Ich bin eh dafür, dass Frauen endlich den gleichen Lohn wie Männer bekommen (und nicht wie sehr oft üblich weniger, auch wenn es ein vergleichbarer Job beim selben Arbeitgeber ist – selbst erlebt). Und dass das dt. Bildungssystem endlich wieder besser wird und es Betreuung für Kleine gibt (warum kommt der Ausbau eigentlich nicht voran?), damit ich als Frau nicht meinen Job kündigen muss… dafür verzichte ich dann auch gern auf die "Herdprämie" ("Ruhighalteprämie", weil es eh nicht genug Plätze gibt, auf die man doch angeblich einen Rechtsanspruch hat?) Ach, ich wünsch´ mir noch so viel…

  10. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    öscher platt bzw dialekt lässt sich nicht leugnen. der lauterbach hat in aachen studiert, die andere dame ist direkt von dort. GSD komme ich nur aus bardenberg 🙂 das ist gaaaanz was anderes ;-)aber raushören tu ich die nachbargemeinden SOFORT.

    wie solche typen den ruf der wunderbaren stadt aachen schädigen…. puh… man sollte sie nachträglich ex-partu-äh- ? ja, also den geburtsort ausschließen kann man irgendwie nicht, so im sinne von ex-kommunizieren…. mist…

  11. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    greta, ich glaube, wir sind hier nicht die einzigen alt-kreis-ACler … wenn da mal jemand genau in seinen Perso guckt, dann .. 😀

  12. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    wer denn noch ???????????????? sach et, bitte!

  13. Elmar Breitbach
    grünhorn schreibt

    Natürlich liegt Düren _nicht_ am Niederrhein. Also ehrlich.

  14. […] Die KinderWunschSeite: Die Praxisgebühr ist abgeschafft! (via […]

  15. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    Auch wenn ich jetzt wieder den Miesepeter spiele:

    Der durchschnittliche Deutsche geht 18 mal pro Jahr zum Arzt. Also im Schnitt alle drei Wochen. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Die Vermutung von Ulla Schmidt, dass die Deutschen unnötig oft zum Arzt gehen, war daher nicht völlig aus der Luft gegriffen. Nur scheint die Praxisgebühr das falsche Mittel gewesen zu sein, um daran etwas zu ändern.

  16. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Das ist schon richtig. Das hat mit Miesepeter nichts zu tun. Aber die Praxisgebühr hat an diesen häufigen Arztbesuchen eben nichts geändert.

  17. Elmar Breitbach
    Björn Webdesigner schreibt

    Also ich gehe wenns hoch kommt 2 mal im Jahr zum Arzt und das ist auch nur der Zahnarzt.. Warum nicht alle Leute abgestraft werden, die wegen niedrigen beweggründen zum Arzt gehen wie "Ohhh ich hab Bauchschmerzen" bleibt mir schleierhaft.

  18. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    man könnte als Praxisbetreiber ja Gutscheine für die Patienten ausgeben, für jedes Quartal einen oder so – klappt beim Grünschnitt ja auch…

    ich stelle mal die These in den Raum, dass wenn die diagnostische Trefferquote mit sich anschließender therapeutischer Konsequenz individuell erfolgreicher wäre, es weniger Beschwerden und somit weniger Arztbesuche gäbe.
    Gar nicht auszudenken welche Einsparungen mit einem Entlohnungssystem, dass nicht von der geleisteten Behandlung ausgeht, sondern die durch Abwesenheit gekennzeichnete Gesundheit des Patienten im Hinblick auf Prophylaxe etc entlohnt (ggfs exklusive der Patienten mit fatalen Erkrankungen) zu erreichen wären – besonders für die Gesundheit des Patienten.
    Nur dann geht Durchschleusen von 100 Patienten pro Tag mit je 3 min Sprechzeit nicht mehr.

    Ich behaupte mal, dass kaum jemand aus Spass an der Freud im Wartezimmer sitzt, sondern weil sehr oft das gesundheitliche Problem, dass Beschwerden verursacht nicht einmal annähernd diagnostisch eingegernzt wird, geschweige denn adäquadt behandelt wird. Dann kommt der Patient wieder und wieder und wieder in die Sprechstunde und wenn er/sie Glück hat, wird auch geholfen. Oft wohl eher nicht.

  19. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    Die Angelegenheit ist tatsächlich komplex. Es sind ja auch in kaum einem anderen Land so viele Medikamente rezeptpflichtig wie in Deutschland. Zum Beispiel ist es längst nicht überall so, dass Frauen gezwungen werden, sich mindestens alle 6 Monate ein neues Rezept für hormonelle Verhütungsmittel zu holen. Wenn ich mir allerdings diesen ganzen Hype um die sog. ganzheitliche Medizin anschaue, dann gewinne ich den Eindruck, dass es auch nicht wenige Menschen gibt, die jede banale Befindlichkeitsstörung therapiert haben wollen.

  20. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Man könnte es auch so machen wie beim Betreuungsgeld: Wer nicht zum Arzt geht, bekommt eine ordentliche dreistellige Summe pro Monat überwiesen. Das Nichtwahrnehmen von staatlichen Leistungen zu belohnen ist ja offenbar das nächste ganz große Ding unserer Politiker.