Der Fußballer, der Konjunktiv und das Präteritum


Die Bundesliga hat wieder begonnen. Für mich eigentlich ein Grund zur Freude. Bis die Nachspiel-Berichterstattung begann: „Wenn der Lahm durchgeht, dann steht es 2:2 und wir gewinnen das Spiel„. Sagte ein Bayern-Spieler. Nun kann man verstehen, dass er noch nicht so recht mit dem Spiel abgeschlossen hatte und möglicherweise immer noch hofft, dass Lahm durchgeht. Jetzt in dieser Sekunde. Und alles gut wird. Wird es aber nicht. Das Spiel ist gelaufen. Und verloren.

Die Fussballer-Präsens-Regel
Dieser Aussage ging eine Schilderung in der korrekten Vergangenheitsform voraus:“Wir standen nur im Raum und….. so weiter. An dem Punkt seiner Schilderung, an dem es jedoch spannend wurde, wechselte er in das Präsens. Und in einer Art unwillkürlicher Beschwörung der geschilderten Szene – vielleicht in der unbewussten Absicht, nachträglich noch deren Ausgang zu ändern – ließ er den Kunjunktiv auch gleich außen vor. Denn „Lahm ging durch, es stand 2:2 und wir gewannen das Spiel“ wäre zwar eine richtige Verschiebung in die Vergangenheit, aber immer noch falsch. Man kann es nur wiederholen: Die Bayern haben zur Freude aller Nordlichter eins zwischen die Hörner bekommen.

Der Satz wurde daher zu recht mit dem Wort „wenn“ eingleitet. Und dem sollte dann gefälligst auch der Konjunktiv folgen. „Wäre Lahm durchgegangen, dann hätte es 2:2 gestanden….„.

Ich habe hier ja schon mal kürzlich darüber berichtet, dass mein Sprachempfinden leicht zu stören ist. Das ist aber hier nicht der Punkt, der mich in diesem Zusammenhang am meisten befremdet.

Das Konjunktiv-Komplott
Irritierend ist, dass sich auch Reporter und sogar Journalisten dieser Sprachregelung anschließen. Aber merkwürdigerweise ausschließlich, wenn von Fußball die Rede ist. Dann aber immer. Das führt dann zu ziemlich merkwürdigen Stilblüten. Denn selbst, wenn der Kunjunktiv angekündigt wird, findet er nicht statt: Augenthaler blieb die Flucht in den Konjunktiv: «Wenn wir das 1:0 machen – und das müssen wir machen – dann gehen wir vielleicht mit 3:0 vom Platz.» So nachzulesen auf einem Internet-Sportportal.

Nicht, dass der Fussballer den Konjunktiv nicht kennte
Doch, doch. Und er setzt ihn sogar ein. In manchen Interviews wird jede Antwort mit den Worten „Ich würde mal sagen….“ eingeleitet. Da freut man sich dann schon, aber dann sagt er es trotzdem: ….wenn das Spiel 90 Minuten dauert, gewinnen wir. Ein schöner und optimistischer Satz. Nicht aber von jemandem, der gerade wegen eines Tors in der 92. Spielminute verloren hat.


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    LeeLee schreibt

    Wenn man Sie so in Natura sieht, sehen Sie immer so nett aus… ,-)

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    bin ich doch auch… 😀

  3. Elmar Breitbach
    zuckerschnute 1408 schreibt

    Wie sagte schon ein Redegewandter Schwabe (auch Fußballer)
    "Mir sind die, wo g´wenna wellad"

  4. Elmar Breitbach
    Stefan schreibt

    Und heute wird Hannover leider verlieren weil sie zu wenig Tore geschossen haben werden 😉

  5. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Also ich glaube ja, dass Mertesacker heute einen gaaanz schlechten Tag haben wird und Naldo nur im Weg rumsteht 😀

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Also, wenn 96 das 2:1 macht (und das müssen sie machen), dann gewinnen sie… 😀

  7. Elmar Breitbach
    stefan schreibt

    und aus der Traum 😉

  8. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Pfft