Wenn das Risiko Realität wird


Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD e.V.) beschäftigte sich auf seiner 11. Tagung im September 2005 in Frankfurt am Main mit der Problematik von Mehrlingsschwangerschaften und der Bedeutung einer frühzeitigen Einbindung von psychosozialer Beratung in die medizinische Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit

BKiD e.V. Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland setzt sich zusammen aus zertifizierten psychosozialen Beratern und Beraterinnen, die in besonderer Spezialisierung Paare mit unerfülltem Kinderwunsch begleiten.

Risiko Mehrlinge

Die Folgen einer höhergradigen Schwangerschaft nach reproduktionsmedizinischer Behandlung stellt für Eltern, Ärzte und Berater/innen eine enorme Herausforderung dar. Obwohl im Rahmen der vorgeschriebenen Aufklärung das statistische Risiko benannt wird, trifft das Ergebnis die meisten Paare vollkommen unvorbereitet. Neben den medizinischen Risken wie Fehlgeburt, Frühgeburtlichkeit und das Risiko von Behinderungen bei den geborenen Kindern werden die psychischen Belastungen oft deutlich unterschätzt, so Petra Thorn, 2. Vorsitzende von BKiD: Chronische Erschöpfung und Überforderung, eine höhere Trennungsrate betroffener Eltern und die Neigung zu Depressionen v.a. der Mütter, machen eine intensive Begleitung von Beginn an notwendig.

Einen Ausweg scheint hier für der selektive Fetozid zu bieten, die so genannte „Reduzierung“ der Schwangerschaft. Dieser wirft jedoch neue Fragen auf. Welcher Fetus wird „reduziert“? Wie können Paare einen „selektiven Schwangerschaftsabbruch“ verarbeiten, obwohl sie sich so sehr Kinder wünschen? Mit diesen Fragen dürfen Paare nicht allein gelassen werden und sollen daher verstärkt auf die Möglichkeit einer fundierten Beratung aufmerksam gemacht werden.

Psychosozialen Beratung zu wenig etabliert

Kritik übt BKiD an der derzeitigen Praxis der Beratung vor, während und nach Durchführung reproduktionsmedizinischen Verfahren. In den Richtlinien der Bundesärztekammer wird gefordert, „dass dem Paar eine kompetente Beratung über dessen mögliche psychische Belastung und die für das Wohl des Kindes bedeutsamen Voraussetzungen zuteil wird“. Fakt ist, dass der größte Teil der Paare über die angewandten Methoden, über körperliche Risiken, Erfolgsaussichten etc. im Rahmen der medizinischen Aufklärungspflicht beraten wird. Psychosoziale Aspekte der Behandlung werden allerdings oft nur am Rande erwähnt.

BKiD fordert die zwingende Einbindung der psychosozialen Beratung durch dafür qualifizierte Fachkräfte in den gesamten Behandlungsverlauf. Hierfür entwickelt BKiD aktuell Richtlinien zur psychosozialen Beratung bei assistierter Reproduktion, die Ende des Jahres vorgestellt werden.

Via: Presseerklärung BKiD
Ansprechpartner: Dr. Tewes Wischmann (1.Vorsitzender BKiD e.V.)
Tel. 06221-568137, Fax:06221-565303
Email
Internet: www.bkid.de


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Mariesche schreibt

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin immer wieder zutiefst erstaunt, wie oft die Frauen auf dieser Seite das Risiko einer Drillings-SS negieren, bzw. mit einem Hinweis auf die Statistik von der Hand weisen. Fetozid ist aber wohl kaum ein geeignetes Mittel, es sollte nur im Grenzfall (nur wo ist der ?) eingesetzt werden. Meiner Meinung nach muss hier die Aufklärung seitens der Ärzte und Biologen stärker auf diese "Gefahr" hinweisen.

  2. Elmar Breitbach
    CarmenLU schreibt

    Es scheint mir doch recht bedenklich, dass die Reduktion als möglicher Ausweg bei Mehrlingsschwangerschaften genannt wird. Was ist das für ein Widerspruch, dass man mit allen Mitteln und aller Energie (medizinisch, finanziell) und unter hoher psychischer Belastung versucht Leben zu schenken, um dann eines oder mehrere der Kinder wieder abtöten zu lassen? Ich glaube, diese Situation zerreißt die Eltern innerlich und man sollte alles versuchen, sie zu vermeiden. Ich bin immer wieder entsetzt, wie leichtfertig viele Frauen sich der Gefahr der Mehrlingsschwangerschaften aussetzen mit dem Argument, ich will meine Chancen erhöhen und mich trifft es schon nicht. Selbst bei nur drei befruchteten Eizellen habe ich mir immer nur max. zwei zurückgeben lassen. Da sollten doch m.E. andere Wege gefunden werden, die die Chancen einer Schwangerschaft erhöhen und weniger gefährlich sind.

  3. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Ich finde es ebenso bedenklich, über Fetozid zu reden. Neben der psychischen Belastung, ein Wunschkind töten zu müssen, wurde auf einer Veranstaltung des DGGG in Berlin explizit darauf hingewiesen, dass die Reduktion eines oder mehrerer Embryonen einer Mehrlings-SS NICHT die Tragzeiten der verbleibenden verlängert. Dass bedeutet, dass die Drillings-SS in der Regel immer eine Frühgeburt bleibt, egal, ob reduziert wird oder nicht.
    Sinnvoller als der Fetozid ist sicher eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes, damit endlich bei vernünftigen SS-Raten ein Single-Embryo-TF möglich wird.

    Die mangelnde psychologische Betreuung ist leider wirklich ein Problem, aber so lange die Kassen nicht zahlen, wird es wohl so bleiben. Uns wurde zudem von einem freien Träger erzählt, eine kostenlose Beratung bekämen wir bei ihnen erst, wenn wir Kinder hätten – welch eine Ironie.

  4. Elmar Breitbach
    Reaba schreibt

    Das ist paranoid: partieller oder totaler Fetozid ist legal, PID/Selektionsmechanismen für die Hinwendung zu SET als Standardverfahren sind es nicht. Sowas gibt es nur in Deutschland…Doppeldenk in Reinkultur von Seiten der Gesetzesmacher – voll moralisch-ethisch erbärmlich und auf Kosten der Frauen/Eltern/abgetriebenen/behinderten Kinder….damit man sich weiter hinter dem vermeindlichen "Schutzcharakter" des EmschG verstecken kann.

    Diese Situation kann kein noch so guter Psychologe "heilen", weil es einfach ekelhaft widersinnig ist nach derzeit geltendem Gesetz mit KiWu-Frauen so weiter zu verfahren! Kann sich eigentlich ein Gesetzgeber im Sinne des Menschenrechts "schuldig" machen? Ich finde diese Qualität erreicht das deutsche EmschG.

    Sorry, aber dafür finde ich keine netten Worte mehr…bin einfach entsetzt!

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich möchte mich atonne und Reaba anschließen und eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes forden, damit endlich Single-Embryo Transfer möglich wird.

    Psychologische Beratung sollte aber trotzdem all denen angeboten werden, die sie wünschen. Denn auch ohne Mehrlinge geraten Kinderwunschpaare in die Krise!