Kinderwunsch-Praxen: Verbesserungsvorschläge


Ich hatte vor 2 Wochen darum gebeten, Ihre Kritikpunkte an Kinderwunsch-Praxen aufzuführen und im Rahmen einer Umfrage zu bewerten. Basierend auf den Abstimmungen von 165 Teilnehmern ergaben sich interessante Ergebnisse, die ich hier einmal im Einzelnen vorstellen möchte.

Für die aufmerksamen Leser: Aufgrund von Überschneidungen ergeben sich mehr als 100% bei Addition der einzelnen unten aufgeführten Kapitel.

Diagnostik (24-38%)
Als Einzelpunkt mit Abstand am wichtigsten bewertet wurde „Über das normale Maß hinausgehende Diagnostik (Einnistungsstörungen)„. Fast jeder vierte Besucher entschied sich für diesen Punkt. Sicher ist dies nicht unbedingt bei allen Paaren von Bedeutung, da auch mit einer sparsamen Basisdiagnostik Erfolge zu erzielen sind, wenn keine speziellen Störungen bestehen. Jedoch spätestens nach einem oder mehreren Fehlversuchen stellt sich die Frage nach den Ursachen des ausbleibenden Erfolgs.

Den Punkt „individuellere Betreuung; Eingehen auf Probleme u. Wünsche der Patientin“ kann man auch hier erwähnen, denn die Diagnostik sollte ebenfalls individuell dem Paar angepasst sein. 14% stimmten für diesen Punkt, was dem zweithäufigsten Ergebnis entspricht.

Organisation, Räumlichkeit, Lage (28%)
Erstaunlich fand ich, dass niemand die gute Erreichbarkeit oder die verkehrsgünstige Lage als den wichtigsten Punkt angab (0%). Es wurde ja bereits eingangs erwähnt, dass nur eine Antwort möglich war. Es bedeutet also sicherlich nicht, dass dieser Punkt ohne Bedeutung ist, jedoch im Vergleich mit anderen Kritikpunkten als unwichtig angesehen wurde.

Die Wartezeiten wurde häufig als zu lang empfunden (5%) und fanden auch in den Kommentaren zur Umfrage Erwähnung. Eine Wochenendsprechstunde wurde von 3% der Besucher gewünscht, wobei unklar bleibt, ob dies zur besseren Vereinbarkeit mit der eigenen Berufstätigkeit gefordert wurde oder aus medizinischen Erwägungen heraus, da ein freies Wochenende befürchten lässt, dass die Behandlungen nicht unbedingt zeitgerecht durchgeführt werden und damit suboptimal. Der Wunsch, die Termine auf die Berufstätigkeit abzustimmen wurde in einem gesonderten Punkt häufig geäußert (12%)

Die Forderung nach besserer telefonischer Erreichbarkeit verdient sicherlich auch in dieser Rubrik Erwähnung (2%) ebenso wie der Wunsch nach einem einzelnen Arzt als Ansprechpartner (4%).

Schönere Räumlichkeiten zur Spermiengewinnung wurden von 2% gefordert, jedoch muss man da auch sehen, dass die meisten Besucher von wunschkinder.net weiblich sind und hier vermutlich andere Prioritäten setzen als es z. B. auf einer Internetseite zum Thema Andrologie der Fall wäre.

Kommunikation mit Praxis und Arzt (20%)
Während sich bei den ersten Gesprächen oft recht viel Zeit genommen wird, scheint diese im weiteren Verlauf der Behandlung zu fehlen. Bereits ausgezogen auf dem Stuhl zu sitzen und auf den Arzt zu warten, wurde von 5% der Frauen als unpassend moniert. Auch einen festen Ansprechpartner zu haben statt ständig wechselnder Ärzte war ein häufig geäußerter Wunsch (4%). Die telefonische Erreichbarkeit scheint auch oft suboptimal zu sein (2% wünschten sich eine bessere Erreichbarkeit des Arztes). In diese Rubrik gehört sicherlich auch die Forderung nach „Psychologischer Betreuung und mehr Einfühlungsvermögen und gegenüber dem betroffenen Paar„, der auch bei „Therapie“ bereits aufgeführt wurde (10%).

Aufklärung (13%)
Mangelnde Aufklärung wurde häufig moniert: Über die Chancen (2%), medizinische Abläufe (7%), zeitliche und psychische Belastung (1%), Risiken (3%). Als Einzelpunkte stehen diese Punkte nicht so weit vorne, in der Summe sind Aufklärungsdefizite aber offenbar ein Problem.

Therapie (12%)
Aus meiner Sicht sehr interessant war die Tatsache, dass die Polkörperdiagnostik und der Blastozystentransfer nicht weiter oben auf der Wunschliste standen. Zusammen stimmten nur 2% für diese Vorschläge. Naturheilkundliche Behandlungen standen mit 3% ebenfalls nicht sehr im Vordergrund, die psychologische Betreuung (+ besseres Einfühlungsvermögen) wurde jedoch als wichtig angesehen (10%).

Diese Aufstellung dürfte für einige Kollegen von Interesse sein, weshalb ich sie auch mit dem Newsletter aussende. Aus ärztlicher Sicht muss jedoch erwähnt werden, dass die Verbesserung einiger Punkte sehr schwierig ist. So zum Beispiel die telefonische Erreichbarkeit des Arztes. Würde man dieser Forderung mit einer hohen Priorität entsprechen wollen, wären häufige Störungen durch Telefonate die Folge und würden dann vermutlich bei einer weiteren Umfrage zu dem häufig geäußerten Wunsch nach ungestörten Terminen mit dem Arzt führen.

Auch ist die Terminplanung in einer Praxis mit vielen kurzfristigen Terminen, die ja zyklusabhängig sind, schwierig und Wartezeiten nicht zu vermeiden. Größere Zeitpuffer könnten da sicherlich hilfreich sein, aber die Wartezeiten auch nicht ausschließen können.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer der Umfrage!


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Andra n.e schreibt

    Bemerkung:
    Ich verstehe nicht:
    In eine Kiwupraxis gehen gewöhnlich PAARE und bei viele liegt das Problem beim Mann. Warum haben Sie die Sachen betreffend Männer nicht erwähnt? Dass sie auch Untersuchung und Diagnose brauchen und zwar im Rahmen der allgemeinen Diagnose. Auch wenn hier nur Frauen rein schauen würden, die kümmern sich auch um ihre Partnern wenn sie Ursacher sind.
    1. Ich finde (wie der Name schon sagt) ist ein Androloge zuständig für Kiwu und nicht Urologe (der kümmert sich wie sein Name ist mehr um den Urinapparat (oder wie es auf Deutsch heisst). Trotzdem werden viele Männer zu ihm geschickt, da es sehr wenig Androloge gibt. Androloge ist der der sich um Hormone und Samenleiter kümmern sollte.
    2. Ein Androloge sollte in jede Klinik geben, damit der Mann nicht wieder separat in eine andere Praxis geschickt wird und wie bei uns, sagt jeder Arzt (Kiwu und Urologe) etwas anderes.
    Die Männer müßen auch gründlich untersucht werden, wenn eine Frau schon Op’s und so ähnliches braucht.
    Irgend ein Grund muß auch für ihre Diagnose (OAT) sein.
    Es wird zu wenig am Mann gemacht. Der Urologe macht eine Spermio und das war’s. Woran es liegt erfährt man nie.
    Meinem Mann wurde in der Kiwupraxis Blut abgenommen. Wofür? Keine Ahnung. Die Hormone (Werte) wurden uns nie gesagt und ich habe den Gefühl es liegt (auch)daran.
    Die Patienten sollten auch ein Papier mit ihre Werte bekommen. Das ist auch sehr wichtig.
    Und noch etwas wichtiges: überall, auch hier auf der Seite, sollte ein Liste hängen mit was die KK bei Kiwu bezahlt und was nicht, damit man auch selbst entscheiden kann was man untersuchen möchte (für Frau und Mann).

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    das verstehe ich jetzt nicht. Terminprobleme, Kommunikation mit Arzt und Praxis, Aufklärung etc. betrifft den Mann nicht?

    es hätte ihnen frei gestanden, der Umfrage entsprechende Fragen hinzuzufügen.

    Wenn man nicht weiß, wozu Blutwerte abgenommen wurden und was dabei herausgekommen ist : nachfragen.

    Was bezahlt wird und was nicht, steht im Wiki. Und zum Thema Andrologie gibt es reichlich Material im Theorie-Teil. Möglicherweise eine sinnvolle Lektüre.

  3. Elmar Breitbach
    Andra n.e schreibt

    Genau das ist es. Ich habe bei der Umfrage geantwortet und manche Vorschläge betreffend Männer im Kiwupraxis gemacht, nur scheint es ich war die einzige. Dann noch der Satz:
    "Schönere Räumlichkeiten zur Spermiengewinnung wurden von 2% gefordert, jedoch muss man da auch sehen, dass die meisten Besucher von wunschkinder.net weiblich sind und hier vermutlich andere Prioritäten setzen als es z. B. auf einer Internetseite zum Thema Andrologie der Fall wäre."
    Damit sagen Sie ja viel.
    "Terminprobleme, Kommunikation mit Arzt und Praxis, Aufklärung etc. betrifft den Mann nicht?" – nur selten, wenn dabei kein Androloge ist.
    Ich brauche keine Informationen auf der Internetseite (hier), sondern habe ein Verbesserungsvorschlag für Kiwu-Praxen gemacht: ein Androloge sollte mitarbeiten, um die betroffene Männer zu untersuchen und beraten.
    Ich weiß dass es leider so ist, das meistens der Mann krank ist (OAT) und die Frau leidet (IUI, ICSI usw.), aber manche Sachen konnten auch beim Mann verbessert werden mit eine gute Untersuchung und Medikamente, Behandlungen usw.

  4. Elmar Breitbach
    loeni schreibt

    @ Andra: Was soll das denn? Dass sich auf dieser Seite meist Frauen informieren, ist doch nicht der Doc schuld. Warum schreibts Du "damit sagen Sie ja viel?" Ich glaube, du hast dir weder die Umfrage noch die Antwort vom Doc durchgelesen

  5. Elmar Breitbach
    Ute schreibt

    Meine Güte, Andra, halt doch bitte mal den Ball flach und versuch’s doch vielleicht mal in einem anderen Ton…

    Dr. Breitbach wollte doch nur erklären, warum durch die Zusammensetzung seiner Leserschaft die Umfrageergebnisse leicht subjektiv (in Richtung weibliche Sichtweise) sein könnten. Du führst Dich ja auf, als sei es regelrechte Zumutung, daß er Deine höchstpersönlichen Erwartungen nicht erfüllt hat. Finde ich ehrlich gesagt ziemlich dreist. Das hier ist ein Blog, das Dr. Breitbach in seiner Freizeit führt – kein wissenschaftliches Journal, keine Statistikvorlesung und auch nur in eingeschränktem Maß ein Wunschkonzert.

    Wenn Du bestimmte Optionen in den Umfragen sehen willst, dann schreib sie einfach rein, während die Umfrage noch läuft! Wozu gibt’s denn sonst die Möglichkeit, eigene Antworten vorzuschlagen und somit die Umfrage nach eigenen Vorstellungen zu ergänzen? Eben! Aber hinterher so auszukeilen, ist ziemlich daneben und auch nicht dadurch zu entschuldigen, daß Deutsch offensichtlich nicht Deine Muttersprache ist.

  6. Elmar Breitbach
    Andra n.e schreibt

    Ute, zum dritten Mal: ich habe damals an der Umfrage geanwtortet als sie im Gange war.
    Ich verstehe nicht warum den Ärger bei euch? Ich habe es nicht böse gemeint, meinte auch nicht den Doc zu verletzen.
    Es hilft mir persönlich auch nicht, da ich schon längst aufgegeben habe (Die Behandlung). Ich wollte nur anderen Paare wie wir helfen und das war auch der Ziel der Umfrage eigentlich: Verbesserung für Kiwu-praxen, damit es besser für die Patienten wird.
    Der Satz hat mich und ich bin sicher auch andere leser verletzt. Es klingt als ob nur die Frauen über Kiwu entscheiden müßten.
    Ich weiß nicht wie mich noch ausdrucken soll damit sich niemand verletzt fühlt. Echt! Wenn ihr so empfindlich an jedes gut gemeintes Wort seid, wie sollen Wir uns fühlen nach so schlimme Erfahrungen mit Ärzte und kein Kind jemals, obwohl wir gute Chancen hatten?
    Ihr müßt auch vorstellen können wie manche Deutsche Texte rüberkommen. Sie verletzen. Vielleicht meint der doc es auch nicht böse, aber seine Beiträge verletzen oft, es geht ja um betroffende Menschen.
    Nun versuche ich so etwas an anderen zu vermeiden und es ist auch nicht gut.
    Es muß nichts sein, gar nichts. Es kann alles so bleiben und auch keine Umfragen. Wir sind ja vielleicht das einzige Paar hier mit OAT.
    Doc – es tut mir Leid wenn es falsch rübergekommen ist.

  7. Elmar Breitbach
    KT schreibt

    Andra, mal im Ernst, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und jeden ist es frei gestellt sich selber schlau zu machen und dann entsprechende Untersuchungen einzufordern. Bei Sprachproblemen kommt es zwischen Arzt und Patient dann auch noch schnell zu Mißverständnissen, was bedauerlich aber menschlich ist und meiner Meinung nach keinem Arzt vorgeworfen werden kann. Denn für einen Arzt ist Dein Schicksal nur eines von vielen die er im Laufe seiner Tätigkeiten sieht. Und was die Behandlung des Mannes angeht, da wird viel versprochen, hoch gelobt und meist kommt kurze Zeit später die Ernüchterung weil ein Erfolg einfach nicht nachweisbar ist.

  8. Elmar Breitbach
    KT schreibt

    Dem ein oder ander mag es helfen aber der große Erfolg bleibt meist aus und hier hilft nunmal ICSI meistens schneller und sicherer als jeder Behandlungsversuch beim Mann.
    Wir waren sehr lange wegen OAT beim Andrologen und haben experimentiert, weil er uns von Anfang an klar gesagt hat, eine ICSI ist für uns das Realistischste aber wenn wir unser Geld bereit wären auch zu verspielen können wir den ein oder anderen Versuch unternehmen. Wir haben uns bewußt dazu entschieden es auszuprobieren und das Geld im schlimmsten Fall "zu verbrennen" aber ein Erfolg war trotzdem im SG nicht nachweisbar. Das ich jetzt vor der 3. ICSI ss wurde war ein absolut unwahrscheinlicher Glückstreffer, der aber solange noch vereinzelt gute Spermien da sind ebend auch nie zu 100% ausgeschlossen werden kann.