Kinderwunsch-Foren als fremdes Land


Auf dem Gebiet der Völkerkunde scheint sich die Auffassung durchzusetzen, dass Communities im Internet in ihrer Interaktion in vielerlei Hinsicht eine autarke Gesellschaft darstellen, in der bestimmte Verhaltensmuster gebräuchlich sind, wie sie offline in dieser Form nicht vorkommen. Betrachtet man dann die Foren verschiedener Sprachen kommen zusätzlich echte ethnologische Unterschiede zum Tragen.

Daher ist es nur konsequent, wenn Ethnologen Internetcommunities mit ihren Mitteln erforschen. Natürlich ist es dabei sinnvoll, wenn man sich dazu Foren zu bestimmten Themen heraussucht und diese miteinander vergleicht.

Das hat Katja Albert an der Universität Freiburg gemacht und ihre Arbeit „I´m no longer like a rare white tiger who sticks out in the serengetti- Internetforen für ungewollt kinderlose Frauen – eine ethnologische Studie im Cyberspace“ genannt.

Die Studie basiert auf Interviews mit Mitgliedern aus Kinderwunsch-Foren und „Feldbeobachtungen“ in einem englischsprachigen und einem deutschen Forum. Die Betrachtung dieser Foren aus Sicht eines Außenstehenden ist in meinen Augen hochinteressant.

Neben einer ebenfalls interessanten aber auch überspringbare Einleitung beginnt der spannende Teil auf Seite 36 der Studie. Achtung: Die Studie hat 94 Seiten, ist aber unbedingt lesenswert, ich habe damit zumindest heute meine Zeit vertrödelt. Und der Autorin ist auf jeden fall hoch anzurechnen, dass sie sich richtig in die Materie eingearbeitet hat. Selbst der Begriff „ePddWnb“ wird im Glossar erklärt.

Hier können Sie die PDF-Datei der Studie lesen


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Ich fand die Studie auch sehr interessant.
    Sie bezieht sich aber sehr auf die Thema (hier "ungewollte Kinderlosigkeit" und wie man damit umgeht) und weniger auf die Kommunikation auf Internet, in Foren, an sich.
    Ich habe ein Satz gefunden (ob der Autorin gehört, weiß ich jetzt nicht mehr), ein Satz der eigentlich alles sagt: "you are what you type".
    Im Internet ist jemand nur das was er schreibt im Bezug eines Thema, mit seine momentane Gefühle und Gedanken dazu, und nicht das was er/sie eigentlich ist.
    Und wenn es auch eine sprachliche Barriere gibt, dann geht die eigene Person und die fachliche Kommunikation einfach kaputt.
    Das erklärt vieles.
    Ansonsten ist es sehr interessant zu sehen welche etnische Unterschiede es gibt zwischen Foren in verschiedene Kulturen, auf dasselbe Thema.

  2. Elmar Breitbach
    Donza schreibt

    Ist es denn dieses Forum hier, das untersucht worden ist? Sorry, hab es eben nur mini-kurz überflogen, kam mir aber so vor…

    Danke für diesen Link!

  3. Elmar Breitbach
    Donza schreibt

    Hihi, aber die User-Namen sind geändert bzw. abgewandelt, da muss man ganz schön knobeln!

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Donza: Spätestens, als die Autorin darauf hinwies, dass der Server aufgrund des Besucheransturms zusammengebrochen ist und erst ein weiterer Server die Situation verbesserte, war ich mir sicher, dass es sich um unser Forum handelt. Ich finde leider, dass die Verschlüsselung der Namen wenig gut gelungen ist. Einige erkennt man wieder.

  5. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Finde ich auch. Trotzdem gefällt mir die Arbeit gut, habe den Eindruck, der Autorin lag das Thema wirklich am Herzen. Der Vergleich des englischsprachigen mit dem deutschen Forum ist auch spannend, wenn die Ergebnisse auch nicht verwundern. Allerdings sind ihr aus meiner Sicht auch gerade die Formulierungen der ersten Seite besonders gut gelungen.

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @tintenklecks: Stimmt. Aber wenn man schon einen Link auf ein 95-Seiten-Elaborat setzt, dann muss man wenigstens so fair sein, den für die Besucher dieser Seiten spannenden Teil direkt ansteuerbar zu machen. Ich fand sogar die Darstellung der Methodik interessant.