Wo sind eigentlich die Rabeneltern geblieben?


Button des Vereins der RabenelternEin Nachruf auf eine leider ausgestorbene Spezies

Es ist ja schön, dass sich junge Mütter und Väter durch ihren Nachwuchs aufgewertet fühlen. Sie mutieren – sozusagen über Nacht – zu weisen, selbstlosen Wesen. Sie betrachten sich in stolzer Erfüllung ihrer Pflichten fortan als Nabel der Welt. Aber müssen sie den Kinderlosen andauernd zu verstehen geben, dass ein von Stundenplänen, Monogamie und Legomonstern geprägtes Leben moralisch wertvoller sei als ein unbeschwertes Junggesellinnen-Dasein?

Heute ist man nicht mehr einfach Mutter, man ist Übermutter (oder vielmehr gesellschaftlich verdammt dazu, diese Rolle zu spielen) und die Aufzucht der Sprößlinge nur als einen wichtigen Aspekt in seinem Leben zu sehen und nicht als das ultimative Zentrum seines eigenen Daseins, ist politisch unkorrekt. Diesem Thema widmet sich ein Artikel der Weltwoche, den ich ziemlich lesenswert finde. Gefunden habe ich ihn in „Letters from Runghold„, in dem dieser Artikel kommentiert wird:

Allerdings dachte ich beim Lesen dieses Artikels die ganze Zeit: woher kommt es, daß sich vor ein paar Jahrzehnten Mütter noch nicht wie Heilige Johannas des Windelbergs aufführen konnten? Ganz einfach daran, daß es normal war, Kinder zu haben. Alle waren Mütter. Kein Grund, sich mit sowas dickezutun.

Liebe Kinderlose, das Getue der Kinderhabenden ist der gesellschaftliche Preis, den Ihr dafür zahlt, daß Ihr in einer Gesellschaft lebt, in der Eure Kinderlosigkeit eine mögliche und respektable Option ist. Das Märtyrerinnengehabe der Mütter kann durchaus auf die Verunsicherung zurückzuführen zu sein, die eintritt, wenn man nicht mehr automatisch Mutterschaft wählt, sondern nach langem Nachdenken, nach Schaffen der für notwendig erachteten Voraussetzungen – als eine Option unter anderen.

Mit anderen Worten: Liebe Besucher dieser Seiten, lassen Sie sich nicht von Übermüttern auf den Keks gehen, wenn alles gut geht, werdet Ihr selbst welche. Und wenn es noch besser läuft, dann werden sogar noch respektable Rabeneltern aus Ihnen.


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Kommentar

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12 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Nella schreibt

    Der Originalartikel beschreibt Situationen, die wir (kinderlosen) Frauen wohl mehr oder minder alle mit unseren Freundinnenund Bekannten erlebt haben.
    Mein persönlicher Eindruck: Mutter zu werden gibt vielen Frauen die Möglichkeit, dem Kampf des Berufslebens "gerechtfertigt" zu entgehen. Während die Väter weiter arbeiten,können (und z.T. müssen, da es an Betreuung fehlt) Mütter daheim bleiben. Ich kenne eine Menge Frauen, die studieren, eine Doktorarbeit machen, um dann möglichst schnell schwanger zu werden und nie in ihrem Beruf wirklich zu arbeiten.
    Das fehlende Betreungsangebot für Kinder kommt sogar ganz recht: eine gute Ausrede, warum man nicht zur Arbeit kann. Und außerdem könnte sich niemand so toll um die Kleinen kümmern, wie die leibliche Mutter!
    Und diese Frauen hacken auf den Kinderlosen (Ursache freiwillig oder ungewollt) rum, und auf denen, die unbedingt neben den Kindern Arbeit und berufliche Herausforderung suchen. Ihre Haltung und ihr Märtyrerinnengehabe ist Rechtfertigung für das Aussteigen aus dem Arbeitsleben.
    Und weil es eigentlich eine Rechtfertigung ist, muß die Haltung so aggressiv nach außen getragen werden.
    Vielleicht ist die Gruppe Frauen, die ich kenne,
    aber auch nicht repräsentativ?
    Nella

  2. Elmar Breitbach
    tily schreibt

    Ich dachte, ich hätte einen Kommentar abgegeben? Egal, 2. Versuch: Nella, die Gruppe dieser Frauen gibt es zumindest 1:1 noch einmal – in meinem Bekanntenkreis. Wenn man die Kommentare zum Original auf Weltwoche.ch liest, sind da noch viel, viel mehr. Und: Die ungewollt Kinderlosen, die scheinen in der Wahrnehmung überhaupt nicht vorzukommen. LG, Tily

  3. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    Sorry, aber das ist Unsinn….meine Wahrnehmung und Erfahrung ist Diskriminierung, wenn man sich (eventuell auch nur zeitweise) ausschließlich der Nachwuchsaufzucht widmen will. Hausfrauen und Mütter sind landläufiger Meinung entsprechend, blöde, unselbstständig, nicht ehrgeizig genug um es im Job zu schaffen….haben kurz gesagt etwas ruchbar Unemanzipiertes an sich – das scheint noch viel weniger pc zu sein. Selbst wenn es so wäre und die Vorurteile zuträfen: na und?!

    Solche Artikel befördern eine weitere gesellschaftliche Kluft zwischen Wertigkeit von Lohnarbeit und Erziehungsarbeit (in meinen Augen – sieht das BVG ähnlich – gleichwertig)…..was soll das und wem nutzt dieser Pseudokonflikt? Meines Erachtens am meisten Arbeitgebern, die von gut ausgebildeten (und häufig immer noch geringer verdienenden) Frauen heftig profitieren und gleichzeitig drauf pfeifen einen gesellschaftlich wichtigen Beitrag in Form von flexiblen Arbeitszeiten, real durchführbaren Jobwiedereinstiegsprogrammen oder berufsnaher Kinderbetreuung zu leisten.

    Den Spaltklotz zwischen Kinderhabenden und Kinderlosen durch irgendwelche Vorurteile zu vertiefen halte ich für nicht günstig und irgendwie voll überflüssig.

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Liebe Reaba,

    es geht hier nicht um Mütter und Kinderlose. Auch nicht um emanzipiert und unemanzipiert. Es geht um die Übermütter. Und diese nicht unbedingt als (bewussten) Gegenentwurf zu emanzipierten Frauen, sondern als Solitärereignis, welches andere Väter, Mütter und kinderlose Paare nervt. Da ist die Kluft. Die einen kennen ihre Defizite und die ihrer Kinder an, wenn sie welche haben, die anderen präsentieren ihre heilige Familie mit ungeheurem Sendungsbewusstsein.

    Ok, man kann sie nicht aus dem gesellschaftlichen Kontext herauslösen und ich vermute auch, dass dieses Sendungsbewusstsein durch Verunsicherung besteht, wie es auch in dem anderen Artikel erwähnt wurde, im Sinne einer aktiven Verdrängung möglicher Alternativen, indem diese als minderwertig eingestuft werden.

  5. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    …also waren sie eigentlich letztlich mal im Schwangerenforum….einige Mädels da, überlegen fast bei jedem Bissen, ob es wohl schädlich für die Schwangerschaft sein kann!

    Wo fängt "Übermuttersein" denn an? Und wie sind ihre Kriterien dafür? Wär doch auch mal ne nette Blog-Liste für kalte Winterabende ;-).

    Ich behaupte mal vermessen: es liegt im Auge des Betrachters (und an der persönlichen Toleranz-Schmerzgrenze wann etwas als nervig empfunden wird und wann nicht). Mir ist das Sendungsbewußtsein bewußt kinderloser Hardcore-Feministen/-innen aber auch irgendwie unangenehm…nur mal als Vergleich zur überidealisierten Mutterschaft.

    Wenn jemand aus was auch immer für Motiven, sein Kind dauerhaft überfordert oder überbefürsorgt, dann hat das sicher ab einer gewissen Grenze pathologischen Charakter – unstrittig! Ist allerdings allein schon auf grund jüngerer Veröffentlichungen über Mißbrauch und Vernachlässigung der elterlichen Fürsorgepflicht (zum Teil mit Todesfolge) schwer abzugrenzen, welche Tendenz wohl die häufiger gelebte ist – keine Ahnung.

    Nix für ungut – sind vielleicht die Hormone :-)!

  6. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    im Schwangeren-Forum habe ich Verständnis für fast alles. Die Hormone halt 😉

    Das Elternforum ist viel spannender. Im übrigen geht das Übermuttersein nicht zwangsläufig mit einer Überbemutterung der Kinder einher, diese könne auch durchaus vernachlässigt werden.

    Die Aussendarstellung ist der Spezies der Übermutter das wichtigste. Man kann sich auch überhaupt nicht um seine Kinder kümmern und trotzdem eine Übermutter sein. Ich spreche überhaupt nicht davon, dass mich eine bestimmte Art des Umgangs mit den Kindern stört. Da hat jeder so sein Überlebensrezept und den Stein der Weisen kennt niemand. Der Umgang mit der Umgebung (Sendungsbewusstsein) ist das Problem. Übermütter wollen auch als Übermütter wahrgenommen werden

    Die Pädagogen-Dogmatiker sind eine eigene Spezies, meist kommen diese aber aus dem Schwiegermutterlager ;-). Schnittmengen sind jedoch vorhanden, keine Frage

  7. Elmar Breitbach
    tily schreibt

    Die Inhaltsangabe "Beschreibung des Solitärereignisses Übermutter" trifft es. Dieses Solitärereignis steht -auch in Deutschland- auf einem nie in Frage gestellten, tief verwurzelten gesellschaftlichen Konsensmodell der positiven Wahrnehmung der ausschließlichen Mutterschaft. Fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen, die Halbtagsschule und ein entsprechendes Steuermodell sind die direkte Folge. Die Gruppe der "gewollt kinderlosen Hardcore Feministinnen" halte ich angesichts dieser schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf für verschwindend klein – es wäre aber ein Leichtes, einen ähnlich polemischen Artikel zu diesem gesellschaftlichen Solitärereignis zu verfassen.

  8. Elmar Breitbach
    kamala schreibt

    woher kommt der Name Rabeneltern eigentlich?

  9. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @ kamala,

    Dieses Sprichwort geht auf die Beobachtung zurück, dass junge Raben, ähnlich wie junge Stare, nach dem Verlassen des Nestes am Boden sehr unbeholfen erscheinen und als "zu früh" sich selbst überlassen beurteilt wurden. Junge Raben sind bequeme Nesthocker und werden bei Erreichen ihrer Selbstständigkeit von den Altvögeln aufgefordert, das Nest zu verlassen. Die Elternvögel füttern die bettelnden Jungvögel dann nicht mehr und überlassen die jungen Raben sich selbst (wobei sie aber mitunter noch Feinde abwehren). Aus dieser einseitigen Beobachtung kam es zu dem Trugschluss, dass Raben keine fürsorglichen Eltern seien.

    Das Gegenteil des weiblichen Stereotyps der Rabenmutter ist das der überfürsorglichen Mutter, die das Kind mit seiner Liebe erdrückt und an sich bindet.

    Analog dazu steht der Begriff Rabenvater, der aber selten benutzt wird, da unter den herkömmlichen Geschlechterklischees von den Vätern im Gegensatz zu Müttern die Ernährerrolle und nicht die Kümmererrolle erwartet wurde.

    Aus Wikipedia

  10. Elmar Breitbach
    saabeline schreibt

    Wikepedia als Literaturquelle ist sicherlich für den ersten Überblick gut, doch die Brockhaus Enzyklopädie hält hier weitere Erklärung parat: In der Bibel sind Raben verschiedentlich erwähnt. Sie waren ausersehen Elia auf der Flucht zu ernähren (1. König 17, 4-6), sie wurden als grausame Eltern angesehen, die sich nicht um ihre Jungen kümmern (Hiob, 38, 41; Ps. 147/146,9), daher stammt also schon in der Begriff „Rabeneltern“.

    Im Christentum symbolisiert der Rabe die "Ungläubigen" und "Abtrünnigen". In der germanischen Mythologie hatte der germanische Gott Odin zwei Raben, Hugin und Munin, die ihm Nachrichten brachten, von dem was in der Welt geschieht. Der Rabe war heilig und wurde mit Einzug des Christentums als unrein und verwerflich auserkoren.

    Krebs, „Vor und nach der Jagdprüfung“ gibt genaue Angaben über die Entwicklungszeit: 3 bis 5 Eier werden bebrütet, 40 Tage Nestlingszeit, Estlingszeit ist die Zeit in der die Junge aus dem Nest geworfen werden bis hin zu ihrer Flüggezeit. Rabenfamilien bleiben meist bis in den Herbst zusammen.

    Abgesehen davon sind Raben heute sehr selten, äußerst intelligente Vögel, sonst hätten sie sicherlich nicht in vielen Mythologien so eine bedeutende Rolle gespielt.

  11. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    danke für diesen Zusatz.

    und es heißt Wikipedia, was wiederum von Wiki kommt 😉

  12. Elmar Breitbach
    Suse schreibt

    Rabeneltern.org

    hier sind die Rabeneltern (eine hp, die mir sehr gefällt)
    🙂

    übrigens, wer sich als perfekt darstellt, ist es allgemein eben NICHT.
    wenn man das weiß, kann man sich recht gut behaupten.
    Perfektion ist für Menschen ein theoretisches Konstrukt.

    Grüßle
    Rrrr…