Von der Leyen zu künstlicher Befruchtung


In einem Interview mit der Berliner Zeitung äußert sich die neue Familienministerin Frau von der Leyen zu den Themen Elterngeld und Kinderwunschbehandlung:

Ich sage […] nicht, dass das Elterngeld allein Wunder bewirkt. Wir brauchen ein Bündel von Maßnahmen, um die Grundhaltung in unserer Gesellschaft zu ändern. In einer modernen Welt muss es Müttern und Vätern möglich sein, Kinder zu haben und dennoch Karriere in ihrem Beruf zu machen. Kindererziehung muss wieder als etwas Erstrebenswertes, Hochwertiges anerkannt werden. Das müssen auch die Unternehmen begreifen und ihr Zeitmanagement daran orientieren. Das Elterngeld ist ein erster Versuch, vor allem gegen die Kinderlosigkeit in den mittleren Schichten, die bisher mit dem Einkommenseinbruch völlig alleingelassen wurden.

Viele Paare wollen Kinder, können aber keine bekommen. Ist es richtig, dass der Krankenkassen-Zuschuss für künstliche Befruchtung gekürzt wurde?

Das ist 2003 bei den Verhandlungen über die Gesundheitsreform beschlossen worden und ein Konsens nach ausführlicher Diskussion. Ich möchte aber auf einen Punkt aufmerksam machen: Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch ist manchmal auch, dass sich Paare zu spät für den Nachwuchs entscheiden. Schule, Ausbildung, Studium und Berufsanfang dauern bei uns länger als in anderen Ländern. Auch das meine ich mit einer notwendigen neuen Grundhaltung in unserer Gesellschaft.

Ich fasse diese Aussagen mal so zusammen: Gegenwärtig ist für Frauen die Vereinbarkeit von Kinderwunsch und Karriere nicht oder nur schwer möglich. Frau von der Leyen arbeitet aber daran, dies zu verbessern. Sie sieht aber keine Notwendigkeit, die Kinderwunschbehandlung finanziell zu unterstützen, gegenwärtig ist man halt selbst schuld, wenn man es nicht schafft,mit der Karriere schnell genug voranzukommen, um sich noch rechtzeitig den Kinderwunsch zu erfüllen. Sie hat es schließlich auch geschafft mit 7 Kindern.

Die Bundeskanzlerin hat keine Kinder


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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Reaba schreibt

    Q.e.d. – habe keine weiteren Fragen an der Art Politiker mit vorausetzbarem Wissen um die krankhaften Hindernisse, die zu der Bedürftigkeit der Inanspruchnahme von reproduktionsmedizinischen Maßnahmen führen. Heißt doch im Klartext: reißt euch erstmal den ***** auf und leistet was damit ihr dann im Bedarfsfall die Behandlungen auch zahlen könnt….dann gibts auch Elterngeld, aber volle Summe nur wenn ihr auch über meine ideologischen Stöckchen springt – alles schön politisch korrekt bitte.

    Bin eigentlich eher dafür, Eltern von vorhandenen Kindern die Notwendigkeit materieller Sicherheit mehr in Eigenregie zu übertragen, als die jenigen zu diskriminieren, die dann aus finanzieller Unvereinbarkeit auf Kinder verzichten müssen. Ob das eine Frau verstehen kann, die 7 mal Mutter geworden ist, beste Bildungsvoraussetzungen hatte (Tochter von E. Albrecht/ehem. Ministerpräsident) und selbst in wirklich gesicherten Verhältnissen lebt (Gatte/Prof…Inhaber einer Biotechnologie Firma + jetzt eigenem Ministergehalt) – ich glaube nicht. Die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen in D (mit unerfülltem KiWu oder ohne) sieht sicher anders aus.

    Meine Meinung: fatale Fehlbesetzung, die Frau.

  2. Elmar Breitbach
    Mango schreibt

    Ich gehöre wohl auch zu den Akademikerinnen, die gut ausgebildet, Ende 30 und ohne Kinder sind. Könnte auch tatsächlich sein, dass es mir mit Ende 20 leichter gefallen wäre, schwanger zu werden – ohne die Hilfe der Reproduktionsmedizin, die ich jetzt in Anspruch nehmen muss. Tatsache ist aber auch, dass man das erstens im Nachhinein nicht mehr beurteilen kann, und zweitens nützt es mir nichts, wenn Frau von der Leyen die gesellschaftlichen Bedinungen in einer unbestimmten Zukunft – und mittels nicht näher spezifizierten Maßnahmen – ändern möchte. Ich gehöre, 1967 geboren, zu einer Generation von Frauen, die kaum Vorbilder hat, wie frau Beruf – womöglich noch Karriere! – und Kinder vereinbaren kann. Ich stimme Rabea absolut zu, dass Frau von der Leyen sicherlich außergewöhnlich gute Bedingungen hatte, um sieben Kinder zu haben und Karriere zu machen (s.o.). Aber diese teilen die wenigsten Frauen. Und eine Frau, die sich im Gegensatz zu Frau von der Leyen keine privat finanzierte Kinderbetreuung leisten kann, braucht halt Betreuungsangebote für unter Dreijährige, die es bekanntermaßen in unserem Land in ausreichender Zahl gibt…

    Und im Übrigen glaube ich auch nicht an die nebulös formulierte "Veränderung der Grundhaltung in unserer Gesellschaft". Schließlich ist das der Frauenbewegung seit über 30 Jahren nicht gelungen.

    Dieses Gejammer über die kinderlosen Akademikerinnen, die angeblich so egoistisch nur ihre Ausbildung und ihre Karriere verfolgen, und darüber das Kinderkriegen vergessen, regt mich echt auf.

    1. Keinem einzigen Mann wird es zum Vorwurf gemacht, wenn er sich im Alter zwischen 20 und 30 vorrangig um sein berufliches Fortkommen interessiert.

    2. Ich schließe mich Rabea an: Was ist mit den medizinischen Notwendigkeiten für reproduktionsmedizinische Maßnahmen? Wohlwissend formuliert selbst Frau von der Leyen ihren Vorwurf gegenüber den Karrierefrauen vorsichtig, dies sei "manchmal" (sic) die Ursache für Kinderlosigkeit. Ergo: in der Minderheit der Fälle. Und was ist mit der Mehrheit? Die Frau ist Ärztin!!!

    ?

  3. Elmar Breitbach
    Fassi schreibt

    Frau v.d. Leyen durfte ich schon bereits in TV-Talkshows lauschen, ja sie schaut tief betroffen stirnrunzelnd, sie wisss ja um das Schicksal ungewollt Kinderloser aus ihrer Gynäkologinnenzeit, beim Thema IVF weicht sie grundsätzlich aus.
    Je nachdem sind dann Kinder "Geschenke Gottes"
    zu zeundendes " Humankapital" für unsere Gesellschaft – auch bei der BZ wich sie geschickt aus.

    " Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch ist manchmal auch, dass sich Paare zu spät für den Nachwuchs entscheiden"

    " manchmal " mag sicher stimmen und die vielen restlichen Paare ?
    " Paare–zu spät entscheiden" klingt so als sei die Mehrzahl der betroffenen Paare schon jahrzehntelang zusammen und würden den Wunsch gemeinsam verschieben..

    Allerdings ist das nicht sehr überraschend, auch Ärzte in politischen Ämtern, die es eigentlich besser wissen müssten, denn sie haben im Gegensatz zu all den Beamten, Lehrern und Juristen,.. konkrete Patientenerfahrungen undFachwissen..taktieren in ihrem Entscheidungsträgerdasein durchweg bei ihren Aussagen, die edle ( teils auch Sündenbock-)Botschaften enthalten sollen, aber nichts kosten dürfen,.. man denke nur an all die bioethische Fragen..

    Für mich ist sie keine Fehlbesetzung sondern " wie immer"
    und wie gehabt..

    Andererseits ist es heute durch Internet auch für Bürger ein Einfaches die widersprüchlichen Medien-Statements von "Gottesgeschenken" bis "Humankapital" zu dokumentieren, da müssen sich die Entscheidungsträger dann auch mal entscheiden mit ihren " Bildern" 🙂

  4. Elmar Breitbach
    Reaba schreibt

    http://www.repromedag-nds-hb.de/Pressemitteilung.pdf

    auf Seite 20 von 25 Seiten befindet sich ein Grußwort von Frau vdL zu einer Reproduktionsmedizinertagung….da klang es noch so, als sei die hälftige KostenÜ ein kaum zu ertragender Grundkonsens mit der letzten Regierung – und nun so ein Interview.

    Haste Recht Fassi, schon Adenauer hat mal gesagt:"Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" und ebenfalls:" Kinder werden immer geboren."

    Weit über diesen Horizont hinaus hat sich Frau vdL nun nicht bewegt – aller akademischen Bildung zum trotz ;-)….dumm gelaufen.

  5. Elmar Breitbach
    Sven schreibt

    Da hat sich Frau von der Leyen ein teures Studium durch den Steuerzahler finanzieren lassen und versagt nun womöglich wegen offensichtlich zu geringer praktischer Erfahrung…
    Sonst wäre der Dame mit dem "rundum sorglos Paket" des elterlichen "Minister-Haushalts" doch sicher aufgefallen, dass ungewollt Kinderlose nicht schon nach dem ersten erfolglosen Zyklus zum Arzt rennen und dort um Hilfe bitten, sondern sich erst nach Jahren punktgenauer und trotzdem erfolgloser "Ansetzversuche" der Gedanke mehrt, dass evtl medizinische Störungen bei Frau oder Mann vorliegen.
    Dann zu behaupten, mann hätte sich einfach zu viel Zeit gelassen und die Karriere bevorzugt behandelt ist schier eine Frechheit und zeigt deutlich die "Scheuklappenmentalität" dieser Dame!
    Offensichtlich bekommt man heute das Familienministerium übertragen, weil man 7 Kinder hat – nicht, weil man sich auskennt!

    Dies war ein großer Fehler Frau Merkel – vielleicht korrigieren Sie ihn ja doch noch…

  6. Elmar Breitbach
    Fassi schreibt

    Hi Sven,

    ich denke nicht, dass Frau v.d. Leyen wegen zu wenig Praxiskenntnissen versagt, sie zieht nur andere Schlüsse aufgrund ihrer ethisch-moralischen Grundhaltung und politischer Eingebundenheit.

    Es fällt auf, dass sie immer wieder von "Schenken" spricht, die Kinder seien " Gottesgeschenke", "Mütter schenken ihren Kindern das Leben", das klingt für mich sehr nach christlicher Morallehre und dem zugrundeliegenden Ethikverständnis, so als müsse der Mensch die biologisch-natürlichen schicksalhaften Gegebenheiten hinnehmen, womöglich täusche ich mich, andererseits wird sie auch von erzkatholischer Seite kritisiert, weil sie sich nicht für eine Veränderung des § 218 einsetzen will.

    Die Betonungen auf Fälle in denen nicht krankheitsbedingte sondern soziale Umstände vorrangig zur Kinderlosigkeit führen sind doch klar – dies passt genau zu den Elterngeldabsichten mit Väterzeitverpflichtung.
    Die anderen Ursachen zu erwähnen brächte sie in ernste Schwierigkeiten mit dem Gesundheitsministerium, den gesetzlichen KrankenKassen, die am liebsten sofort alle KB-Leistungen streichen würden.
    Bie Ärzten und Geistlichen in der Politik sind die Leute eben enttäuschter als bei den üblichen Normalo-Politikern.

  7. Elmar Breitbach
    Reaba schreibt

    was ich Frau vdL vorwerfe ist eine selektive Realitätswahrnehmung – selbst Akademikerin sieht sie die Probleme mit dem fehlenden Nachwuchs in ihrer "Gewichtsklasse" als am dramatischsten an….daher ein "Elterngeld", daß völlig sozial unausgewogen und nach Meinung anderer Uniospolitiker nicht mal verfassungskonform sein könnte s. Link: http://morgenpost.berlin1.de/content/2005/12/01/politik/795525.html

    Was die Notwendigkeit von medizinischen Maßnahmen zur Reproduktionshilfe angeht: da ist sie genauso verlogen, wie alle anderen Politiker vor ihr auch – beständige Leugnung der Realität soll das Problem wohl schon lösen….fataler Irrtum….wie schon weiter oben gesagt: fatale Fehlbesetzung eines wichtigen Ressorts.

    Leider alternativlos, da unser politisches System nicht sachverständige und analytisch-ehrliche Geister, sondern ideologiegebundene Parteimitglieder an die Spitzen der Entscheidungsfront kolporiert – eben auch eine Schwäche des Systems mit systematischem Selbsterhaltugsautomatismus. All inclusive eben….alles eingebaut und unabänderlich – wie die Idee von Frau vdL Kinder als "Gottesgeschenk" zu sehen.

  8. Elmar Breitbach
    Birgit schreibt

    Ich bin sehr enttäuscht von Frau v. d. L. – als Betroffene finde ich es einfach unglaublich sich so zu äußern. Unsere Lobby ist einfach noch zu klein – es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis das Thema ernsthaft aufgegriffen wird. Dann ist es wahrscheinlich zu spät….da werden Milliarden in die Zuwanderung gesteckt – bevor man "zuhause" hilft. Man spricht ja zur Zeit von jedem 5. Paar, welches ungewollt kinderlos ist – ich glaube die Zahl ist noch viel höher….nur wenige sprechen drüber…viele haben ein Problem damit! Wenn wir so weiter machen, dann haben wir in Deutschland bald keine Reproduktionsmediziner…ganz zu schweigen von der Forschung in diesem Bereich…wer was auf sich hält geht ins Ausland. Wenn es alles nicht so traurig wäre….man fühlt sich total ohnmächtig….! Ich spare jetzt mal fleißig auf den zweiten Versuch und hoffe, dass es klappt – denn ich weiß nicht, wann und ob ich mir den 3. Versuch noch "rechtzeitig" leisten kann…die Zeit läuft..!