Stimmen zum späten Mutterglück

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Über die Frau, die mit 64 Jahren ihr ersten Kind bekommen hat, wurde hier ja bereits berichtet und auch diskutiert.

Hier nun im Nachklapp einige Stimmen zu diesem Ereignis:

Klaus Bühler aus Hannover äußert sich positiv zur Eizellspende, ärgert sich jedoch über den Fall der 64-Jährigen.

„Vorher waren die Chancen schon gering, dass deutsche Politiker die Eizellen-Spende irgendwann zulassen. Aber jetzt sieht es ganz schlecht aus. Dieser Fall ist aufgrund des hohen Alters ein Missbrauch dessen, was möglich ist. Und die deutsche Sichtweise ist: Möglicher Missbrauch verhindert den Gebrauch. Man könnte aber durchaus Beschränkungen festlegen“.

Laut Bühler sollte sich eine Eizell-Spende am natürlichen Fortpflanzungsvermögen orientieren. „Frauen kommen in Europa im Allgemeinen mit 45 bis 50 Jahren in die Wechseljahre. Also muss dort die Grenze liegen. Alles darüber hinaus ist nicht mehr Ausdruck der Liebe zum Kind, sondern Egoismus.“

Ursula Barth vom Morgenweb zeigt wenig Einsicht in die Umstände, die das Paar Zur Behandlung getrieben haben können und auch wenig Ahnung von den Gründen, die ihnen dies erst jetzt ermöglichten. Es kommt (zwangsläufig) der Karrriere-Vorwurf, wobei zu sagen ist, dass die Mutter bereits voher Fehlgeburten erlitt und Behanldungen mit ihren eigenen Eizellen durchführen ließ):

Das Paar aus Aschaffenburg muss sich die Frage gefallen lassen, warum es nicht schon 20 Jahre früher medizinische Hilfe in Anspruch nahm. Der Verdacht liegt nah, dass Senioren, die den späten Kinderwunsch mit allen Mitteln durchsetzen, ihre eigenen Interessen über die des Nachwuchses stellen.

Sie findet diese Behandlungen jedoch auch wegen der Spenderinnen-Problematik kritikwürdig:

Die Gefahr ist groß, dass Spenderinnen ihr Erbgut aus finanzieller Not verkaufen.

Der Kommentar in der „Welt“ weist darauf hin, dass die Eltern dem Kind vermutlich recht früh nicht mehr zur Verfügung stehen können:

„Die nun geborenen Kinder werden aller Wahrscheinlichkeit nach noch jung an Jahren am Grab der Eltern stehen oder diese als Pflegefälle erleben. Haben die glücklichen alten Eltern je daran gedacht? Kinder haben ein Recht auf Eltern, die in der Lage sind, lange Obhut zu geben.“

Der Transplantationsmediziner Eckhard Nagel vom Nationalen Ethikrat sagte, die Eizellspende sollte nur in Ausnahmen genehmigt werden:

„Ich bin klar gegen die Möglichkeit, Eizellen weiterzugeben, es sei denn, es gibt eine sehr enge persönliche Beziehung und einen nachvollziehbaren Leidensdruck.“

Reproduktionsmediziner äußern sich praktisch einhellig pro Eizellspende, wenngleich mit unterschiedlichen Vorgaben. Eine Übersicht über diese Stimmen finden Sie hier.

Der Tagesspiegel ergänzt die Diskussion um eine weitere Sichtweise:

„Ist es richtig, dass Ärzte auch Paare bei ihrem Kinderwunsch unterstützen, deren biologisches Alter längst jenseits der natürlichen Grenzen für Elternschaft liegt? Bezieht man die Frage nur auf den Mann, ist die Antwort normalerweise ja. Es ist durchaus im Rahmen des Akzeptierten, dass Männer mit 64 oder später Vater werden. Bezieht man dieselbe Frage auf die Frau, gewinnt sie eine moralische Dimension.“

Auch im Hinblick auf die Kindsbetreuung weiß die Autorin Ursula Weidenfeld neue Argumente neben den üblichen ins Feld zu führen:

„Niemand würde sich beklagen, dass Großeltern ein Kleinkind aufnehmen, dessen Eltern verstorben sind. Niemand würde ihnen die Fähigkeit zu Vorsorge für den Fall ihres Todes oder die Umsicht absprechen, das Kind alters- und kindgerecht zu erziehen. Niemand würde das Kind bedauern, weil es in einer anderen Umgebung aufwächst als die meisten seiner Altersgenossen. Warum auch? Es gibt viele denkbare Konstellationen, die für die Kindesentwicklung ungünstiger sind als der bloße Verweis auf das Alter der Eltern.“

Sehr ähnlich und differenziert ist der Kommentar in der Süddeutschen Zeitung.

Die Stimmen der Kirchen und Politiker sind spärlich. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann sagte der dpa:

«Es gibt ethische Grenzen für das, was technisch machbar ist.»

Das Kinderkriegen unterliege immer mehr einem Machbarkeitswahn. Den Politikern ist diese Thematik im Moment vermutlich zu heiß, wobei es mich schon wundert, dass die üblichen Verdächtigen nicht die Gelegenheit ergreifen, um die Eizellspende zu verteufeln.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk nimmt der Lübecker Prof. Diedrich Stellung zur Eizellspende.

Ach ja: Und die Bildzeitung fragt „Gibt es das perfekte Alter, um Mutter zu werden?“ und liefert und gleich die Antworten dazu

Die Artikel in der Berliner Zeitung äußert sich pro Eizellspende.

Und auch erste Reaktionen von Politiker-Seite: Ebenfalls in der Berliner Zeitung plädiert die
technologiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrike Flach, laut Vorabbericht dafür, Eizellenspenden zu ermöglichen.


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